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Landleben

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Veröffentlicht März 2026

Tagebuch eines FarmerHunters

Ich stehe an einem Montag bei Tagesanbruch voller Vorfreude und Energie auf, da es für einen Agronomen aus Madrid ein echtes Privileg darstellt, in die Levante reisen zu können, um dort zu arbeiten und zu lernen. Es ist 6:45 Uhr, der AVE setzt sich in Bewegung und es beginnt einmal mehr eine großartige Arbeitserfahrung.

Für einen Madrilenen von klein auf wie mich impliziert eine Reise nach Valencia den Gedanken, mich mit allen möglichen Erkenntnissen zum Anbau von Zitrusfrüchten vertraut zu machen. Und genau diesem Ziel habe ich einen großen Teil meiner Reise gewidmet und Juan zugehört, wie er, um unseren CrowdFarmern die besten Früchte gewährleisten zu können, analysierte, inwieweit der Frost unter den Orangenbäumen der verschiedenen von uns besuchten Landwirte wie Sergio (Jardín del Gordo), Vicente (Hort de Zefir) oder Ernesto (Casa Carlos) Schaden angerichtet hatte.

Meine große Überraschung auf der Reise war jedoch ein Besuch bei Riuet, wo ich sehen konnte, wie eine Lieferung Reis vorbereitet wurde. Wie wir alle wissen, gibt es kein Valencia ohne Orangen, so wie es auch kein Valencia ohne Reis gibt. Beim Betreten ihres Betriebs konnte ich nicht anders als anzuhalten, um ein Luftbild der Albufera von Valencia zu betrachten.

– “Das ist beeindruckend!”, dachte ich laut.
– “Es ist wahr, es ist genau so, wie es Blasco Ibáñez in seinem Roman Cañas y Barro geschildert hat…” „Du bist kein Valencianer, oder?”, fragte mich José Ramón, ein Arbeiter von Riuet.
– “Ach was!”, antwortete ich, “ich komme aus Madrid und ich muss gestehen, dass ich die Albufera noch nie gesehen habe.” Ich schämte mich ein bisschen dafür, dass ich es bisher versäumt hatte, diesen schönen Ort kennenzulernen, aber letztendlich ist spät besser als nie!

Nachdem wir geprüft hatten, dass die Lieferung perfekt vorbereitet worden war, stiegen wir ins Auto und auf einmal, ich weiß nicht, ob es die zum Dozieren neigende Stimmung Juans, Glück oder die Bedeutung des Teilens von Know-how im CrowdFarming war, klang es wie Musik in meinen Ohren als Juan sagte:

– “Javi, lass uns zur Albufera zurückkehren und ich werde dir vom Reisanbau erzählen!”

Nach einer authentischen Fortbildung in der Albufera und dem Versuch, alles zu behalten, was Juan mir erklärte, bin ich jetzt wieder in Madrid, lese Cañas y Barro und stelle mir vor, wie die Arbeit einiger weniger den Reisanbau in Valencia möglich machte.

Juan Plasencia und Javi Tornos am Meer von Valencia

Und wenn ich in meinen eigenen Worten diese Felder und ihren Ursprung beschreiben würde, wäre dies eine Sünde, da es bereits die Schilderung von Blasco Ibañez gibt; ich lasse euch hier deshalb ein paar Zeilen, damit ihr euch genau wie ich den Ursprung dieses Wunders vorstellen könnt. “In der ganzen Albufera gab es keinen arbeitsameren Menschen als den Onkel Tono. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, Eigentümer zu sein, Reisfelder zu besitzen und nicht wie der Onkel Paloma, dem ältesten Schiffer der Albufera, vom Fischfang zu leben; ganz allein – seine Familie half ihm nur hin und wieder, weil sie der vielen Arbeit müde war – füllte er den tiefen Teich, den ihm eine reiche Frau, die nicht wusste, was sie damit machen sollte, überlassen hatte, nach und nach mit Erde auf, die von weit her gekommen war.”

Rührt mein plötzliches Interesse an klassischer spanischer Literatur von meiner Leidenschaft für die Landwirtschaft her oder weil mein 30. Geburtstag vor der Tür steht und dies Dinge des Alters sind?

Geschrieben von Javier Tornos

Javier Tornos

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Landleben

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Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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