
Veröffentlicht März 2026
Spanische Heidelbeeren aus dem Gewächshaus?
Der April ist ein Festmonat für die Landschaft mit der Blütenexplosion, die uns die Natur nach dem Winter beschert. Es ist auch die Jahreszeit für einige der am sehnlichsten erwarteten Früchte, darunter Heidelbeeren. Zu dieser Zeit verschicken wir unsere ersten Kisten an viele Orte in Europa. Angesichts dessen stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass wir schon vor dem Saisonbeginn in Deutschland (und anderen traditionellen Anbauländern) Heidelbeeren aus Südeuropa anbieten?
Seit den 1970er Jahren hat sich der Heidelbeeranbau in Südspanien und Portugal so weit entwickelt, dass es heute mit 42 % der Produktion das wichtigste Anbaugebiet in Europa ist (Eurostat, 2019). Dieser Boom ist hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen: die gestiegene Nachfrage und die klimatischen Bedingungen in einigen Regionen dieser Länder.
Der steigende Verbrauch von Heidelbeeren in der EU hat die Produktion in Gebieten, die sich nicht traditionell deren Anbau widmen, angekurbelt. Im Jahr 2020 exportierte Spanien beispielsweise 25 000 Tonnen allein nach Deutschland, während Deutschland nur 14 800 Tonnen produzierte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in den letzten zehn Jahren die Nachfrage derart gestiegen ist, dass sie im Inland nicht gedeckt werden kann. So wurden im Jahr 2021 nur 16 Prozent der in Deutschland konsumierten Heidelbeeren auch in Deutschland produziert. Das bedeutete Importe nicht nur aus Spanien, sondern auch aus Überseeländern wie Peru und Chile.

Die Gewächshausproblematik
Im Jahr 2022 wurden rund 80 % der in Deutschland verkauften Blaubeeren importiert – in vielen anderen europäischen Ländern ist diese Zahl noch viel höher, was dazu führt, dass eine winzige Frucht einen großen ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Um die steigende Nachfrage der letzten Jahre zu befriedigen, hat die Heidelbeerproduktion in Europa deutlich zugenommen, auch dank des Einsatzes neuer Technologien und Gewächshäuser. Auf der CrowdFarming Plattform gibt es zwei Heidelbeer-Erzeuger: ein deutscher Landwirt der seine Früchte im Freien anbaut und ein spanische Landwirtin, die ihre Heidelbeeren in einem passiven Solargewächshaus anbaut. Letztere haben etwas früher Saison, da es sich um andere Sorten handelt und weil sie eben aus dem Gewächshaus kommen.
Wenn wir von Gewächshäusern sprechen, ist es zunächst einmal wichtig, zwischen Solargewächshäusern und konventionellen Gewächshäusern zu unterscheiden. Konventionelle Gewächshäuser verwenden externe Energiequellen zum Heizen und Kühlen und haben damit einen größeren ökologischen Fußabdruck.
Laut unserer bei einem spezialisierten Beratungsunternehmen in Auftrag gegeben Studie, wären die Kohlenstoffemissionen pro Kilo konsumierter Heidelbeeren um 2030 % höher als die der spanischen Heidelbeeren von CrowdFarming, wenn man die in Europa gestiegenen Nachfrage mit aus anderen Regionen wie Südamerika importierten Heidelbeeren abdecken würde, wo sie (zunehmend weniger) ohne Gewächshäuser angebaut werden.
Ein weiterer Faktor, der in bestimmten Fällen für den Anbau von Heidelbeeren in Gewächshäusern spricht, ist die höhere Produktivität pro Hektar Anbaufläche und die Verringerung der Einsatzmittel. Heidelbeeren sind zarte Pflanzen mit zerbrechlichen Wurzeln, die sehr empfindlich auf Umweltfaktoren reagieren. Der Anbau in Gewächshäusern hat den Vorteil, dass ein kontrolliertes Umfeld geschaffen wird, das es den Erzeugern ermöglicht, erfolgreich große Mengen an Früchten unter Verwendung weniger Agrochemikalien anzubauen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass durch die höhere Pflanzdichte weniger Land benötigt wird, als wenn man die gleiche Menge im Freien anbauen würde.

Das Thema Wasser und Klima
In Südeuropa herrschen in Gebieten wie der spanischen Provinz Huelva, in der unsere spanische Heidelbeer-Erzeugerin ansässig ist, außergewöhnliche klimatische Bedingungen: Ausreichend kalte Stunden für die Entwicklung der Heidelbeersträucher, gepaart mit gut durchlässigen Böden, die die für den Anbau so schädliche Staunässe verhindern, und historisch gesehen reichliche Niederschläge, um den Wasserbedarf der Pflanze zu decken.
Allerdings gibt es in dieser Region einen begrenzenden Faktor, mit dem die Landwirte zu kämpfen haben: Die hohen Temperaturen im Sommer schädigen die Früchte und machen es unmöglich, eine für die Vermarktung ausreichende Qualität zu erzielen. Aus diesem Grund wurde die Ernte auf kühlere Monate wie April und Mai vorverlegt und es wurden Sorten ausgewählt, die an ein weniger kaltes und feuchtes Klima angepasst sind, was dazu beiträgt, dass ihr Wasserbedarf unter dem im Sommer üblichen Verbrauch liegt und somit eine erhebliche Wassermenge eingespart wird.
Die Verwendung von passiven Solargewächshäusern – die nicht künstlich beheizt, sondern nur zum Schutz verwendet werden – schützt die Pflanzen vor schlechtem Winterwetter. Ihre Verwendung ist mit mehreren zusätzlichen Vorteilen verbunden, wie der Verringerung der Verdunstung, der Erhaltung des Wassers im Boden und der Schädlingsbekämpfung. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Form des geschützten Anbaus nicht auf diese südeuropäischen Gebiete beschränkt ist, sondern auch in den ursprünglichen Erzeugerländern auf dem Vormarsch ist, da sie den Landwirten die Gewähr bietet, dass ihre Ernten in den Wintermonaten nicht leiden und somit die Produktivität verbessert wird.

Das Problem des Plastikmülls
Wir können die negativen Auswirkungen der Nutzung von Gewächshäusern nicht ignorieren, wie zum Beispiel den Plastikmüll, den sie erzeugen. CrowdFarming versucht zusammen mit den Erzeugern, die mit der Plattform zusammenarbeiten, sicherzustellen, dass die Gewächshäuser gemäß der regionalen Gesetzgebung durch autorisierte Verwalter ordnungsgemäß verwaltet werden und ihre Nutzungsdauer so weit wie möglich verlängert wird, wobei ihre Lebensdauer auf bis zu fünf Jahre optimiert werden kann.
Nach Angaben des Bauernverbands APROA werden in Spanien über 90 % der Solargewächshäuser recycelt, sobald sie ihren fünfjährigen Lebenszyklus abgeschlossen haben. Etwa 80 % des dabei entstehenden recycelten Kunststoffs wird für die Herstellung von Behältern, Taschen und anderen Gebrauchsgegenständen wiederverwendet, heißt es. Dennoch gibt es immer noch zu viele Landwirte, die ihre Kunststoffabfälle nicht ordnungsgemäß entsorgen, indem sie sie entweder irgendwo deponieren, anstatt sie zu offiziellen Recyclingzentren zu bringen, oder sie verbrennen. Häufig sind die Kunststoffabfälle aus Gewächshäusern auch zu stark verschmutzt oder zersetzt, was das Recycling erschwert. Deshalb arbeiten wir nur mit Landwirten zusammen, die sich bemühen, die behördlichen Auflagen für die Entsorgung ihrer Abfälle zu erfüllen.
Anforderungen für CrowdFarming Blaubeerprojekte:
Wir von CrowdFarming überwachen eine Reihe von guten Praktiken, die von den Beerenbauern durchgeführt werden müssen, damit ihre Betriebe Teil unserer Gemeinschaft werden können. Darunter Folgende:
- Es müssen Geräte zur Erfassung von Klimawerten (Umweltmanagement) und Bodenwerten (Bewässerungsmanagement) für eine rationale Entscheidungsfindung verwendet werden.
- Für die Entnahme von Wasser zur Bewässerung der Kulturen muss eine Genehmigung eingeholt werden.
- Nachweis über die Abgabe von Kunststoffabfällen landwirtschaftlichen Ursprungs an einen zugelassenen Abfallentsorger.
- Kein Anbau in hydroponischen oder erdlosen Produktionssystemen.
- Die Landwirte müssen über eine Zertifizierung des ökologischen Landbaus gemäß RCE 834/2007 – European Certification oder eine ähnliche Zertifizierung verfügen.
- Keine Heizsysteme in den Gewächshäusern.
- Die Betriebe dürfen sich nicht in der Umgebung des Doñana-Nationalparks befinden.
Das Hauptproblem der Heidelbeerproduktion ist ein alter Bekannter: die Funktionsweise der traditionellen Lebensmittelversorgungskette. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, und während wir in Südeuropa die Voraussetzungen haben, um die Nachfrage in den Monaten zu decken, in denen die im Freien angebauten Heidelbeeren in Ländern wie Deutschland noch nicht erntereif sind, bedeutet der Wunsch, das ganze Jahr über Heidelbeeren zu essen, automatisch Importe aus Übersee. Das bedeutet lange Transportwege, und selbst wenn die Früchte aus ökologischem Anbau stammen, werden sie unter anderen ökologischen und arbeitsrechtlichen Bedingungen erzeugt als in der EU. Und: Es ist zwar empfehlenswert, in der Europäischen Union erzeugte Früchte zu kaufen, und die Erzeugung in Gewächshäusern kann eine gute Option sein, um die lokale Versorgung zu gewährleisten, aber wir dürfen nicht jede Art der Erzeugung verteidigen: Gewächshäuser dürfen nicht beheizt werden, sie müssen auf die Reduzierung des Wasserverbrauchs ausgerichtet sein und der verwendete Kunststoff muss so sparsam wie möglich eingesetzt und über eine zugelassene Abfallentsorgungseinrichtung entsorgt werden. Nur so können sie zu einem Hilfsmittel im Ringen um eine nachhaltigere Heidelbeerproduktion werden.
Geschrieben von Javier Ruiz
Farmer Analyst Javier estudió Ciencias Ambientales en la Universidad de Málaga, y desde entonces ha dedicado su carrera profesional a la sostenibilidad agrícola, y anteriormente a sistemas de transporte urbanos. Es Master Executive en Desarrollo Sostenible y Responsabilidad Corporativa por la EOI.


