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Landleben

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Veröffentlicht März 2026

Eine Frostnacht für die Orangen

Das Thermometer im Auto zeigte auf dem Nach­hau­se­weg 0 Grad an. Ich rief Paco an, um unser Leid zu teilen und uns gegenseitige moralische Unterstützung zu geben. Es wurde die kälteste Nacht des Jahres angekündigt.

– “Paco, diese Nacht sieht nicht gut aus.” 
– “Das kann ich nachvollziehen, denn es sieht so aus, als würde es für einige Stunden unter -4 abkühlen, und das könnte verhängnisvoll werden.”
– “Mal sehen, was uns erwartet. Ich habe mit Sergio und Ernesto gesprochen und in ihrer Gegend sind die Temperaturen auch ziemlich gefallen. Wir sind alle ziemlich beunruhigt.”
– “Wir hoffen, dass der Wind über die Nacht andauert, Juan. Wenn nicht, könnte das zu einer Katastrophe führen.”
– “Möge Gott uns Gnade erweisen.”

In dieser Nacht beteten sowohl die Gläubigen als auch die Ungläubigen. Die Tage, an denen mit Frost zu rechnen ist, gehören zu den schlimmsten für jeden Farmer Hunter von Zitrusfrüchten. In diesen Nächten wird nur wenig geschlafen. Man blickt einfach ständig auf das Handy und lädt in krankhafter Häufigkeit die Website mit den Wettervorhersagen neu, um die Temperaturen zu überprüfen. Wenn ich schon schlecht drauf bin, kannst du dir vorstellen, wie es den Bauern wohl geht.

In der Nacht vom Montag, 11. Januar 2021, haben alle Wettervorhersagen darauf hingedeutet, dass es für unsere valencianischen Zitrusfrüchte kalt werden würde. Sehr kalt. Es wurden Temperaturen zwischen 2 und 5 Grad unter Null erwartet. Das mag für die meisten Europäer nicht kalt sein, aber unsere geliebten Zitrusfrüchte sind nicht dafür ausgelegt. Sie bevorzugen die Sonne und eine Meeresbrise.  

Durch die Kälte gefrorenes Gras

Den geringsten Frostschaden hätten wir dann, wenn die am stärksten der Kälte ausgesetzten und am wenigsten geschützten Früchte des Baumes gefrieren. Am schlimmsten wäre es, wenn alle Orangen betroffen sind, die Zweige abfrieren und die Bäume absterben. Je nachdem wie reif die Orangen bereits sind und wie viel Zucker sie enthalten, können sie dem Frost besser trotzen … Wenn man eine Orange aufschneidet und einige weiße Punkte entdeckt, sind diese durch die Kristallisation von Hesperidin entstanden. Eine der Nebenwirkungen ist, dass der Fruchtkörper aufspringen kann und der Saft frei in den Früchten ausläuft. Da nach einem Sturm immer die Ruhe kommt, wenn die Sonne untergeht und der Baum Wasser braucht, ist es für ihn einfacher, dieses aus den eigenen Orangen zu gewinnen als aus dem Boden. Dieser Saft, der in der Orange freigesetzt wurde, wenn der Fruchtkörper bricht, wird vom Baum absorbiert und die Orange trocknet aus. 

– “Paco, was für eine Katastrophe. Wie tief sind die Temperaturen gefallen?”
– “ Ja du sagst es Juan. Ich dachte, dass der Wind uns retten würde, aber die Temperaturen sind trotzdem während mehrerer Stunden auf -3°C gefallen und viele Orangen sind gefroren.”
– “Was für ein Pech! Genau jetzt, wenn wir mit den Lieferungen beginnen.”
– „Diese Frosttage kommen immer dann, wenn man die ganze harte Arbeit des Anbaus hinter sich hat und man die Ernte verkaufen kann. Aber wieder einmal zeigt uns die Natur, wer das Sagen hat. In einer kühlen Gegend zu sein, verleiht den Orangen einen besseren Geschmack. Aber schon 2 oder 3 Grad machen den Unterschied zwischen einer wirklich guten Orange und einer gefrorenen Orange.“

Es scheint, als ob die Statistik wahr ist: Einmal alle zehn Jahre gefrieren die Orangen. Auch wenn es nur sehr selten vorkommt, sind die wenigen Frostperioden nur schwer zu bewältigen. Mit diesem Beitrag wollen wir allen Landwirten Mut machen, die wie wir 2021 gelitten haben und nun diese Saison wirtschaftlich überstehen müssen.

Der Landwirt Paco Alufre und Juan Plasencia in einem Orangenhain

Geschrieben von Juan Plasencia

Juan Plasencia

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Landleben

3 min

Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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