Du möchtest mehr erfahren?

Schreib uns einfach eine  E-Mail.

Landleben

min

Veröffentlicht März 2026

Erzeugerporträt: Ziegenkäserei Capriolenhof

Die Ziegenkäserei Capriolenhof liegt eine gute Stunde mit Bahn und Bus nördlich von Berlin an einer Schleuse der Oberen Havel-Wasserstraße. Wer den Hof besuchen will, muss zuletzt ein Hindernis überwinden: einige Kilometer auf unbefestigten, abenteuerlichen Wegen in der westlichen Uckermark. Schier endlos verläuft der Fahrtweg durch die Seen-, Wald- und Heidelandschaft, bis unvermittelt der Hof auftaucht, wenn man es gar nicht erwartet. Schon so mancher Besucher, sagt Hans Peter Dill vom Capriolenhof verschmitzt, hat unterwegs aufgegeben, weil er glaubte, sich verirrt zu haben, oder er hat seinen Wagen wahlweise auf einen der vielen Sandbuckel oder in den Schlamm gesetzt. Dann helfe nur noch Abschleppen mit der Zugmaschine.

Der Capriolenhof an der Schleuse Regow zählt zu den herausragenden Käsereien im deutschen Norden. Hier entstehen etwa 20 Sorten wundervolle handwerkliche Hofkäse wie die legendären „Blühenden Landschaften“, ein cremiger Frischkäse mit aufgestreutem Lavendel, der beim Ausreifen eine helle Rinde ausbildet. Die gut 180 Ziegen, alte Toggenburger, weiden täglich in der kleinen Schorfheide, einem Offenlandgebiet, das lange militärisch genutzt wurde. Hier sind die Ziegen nebenberuflich als Landschaftspfleger tätig.

Das Käsemacherpaar Sabine Denell und Hans Peter Dill hat 1994 begonnen, den Hof als Ziegenkäserei auszubauen. Inzwischen ist der Schleusenhof Regow nach den charakteristischen Sprüngen seiner Tiere benannt, den Capriolen, die die Ziegen immer wieder ausführen. Am Capriolenhof, der Bio-zertifiziert ist, wird viel Wert gelegt auf eine angstfreie, respektvolle Tierhaltung mit großzügigem Auslauf, Fütterung mit regionaltypischen Pflanzen und höchster Sorgfalt beim Melken.

Der Hof lädt immer wieder zu Festen, Grillabenden und Kulturveranstaltungen ein und ist in der Region ein beliebtes Ausflugsziel, wo Kinder und Erwachsene noch echte Ziegen sehen und beim Käsemachen zuschauen können. Die regelmäßigen Käse-Workshops sind meist schnell ausgebucht. Hier geht es nicht nur um die Herstellung handwerklicher Käse, sondern eben auch um Fragen wie: Was fühlt so eine Ziege?

Die Käsemacher sind Direktvermarkter aus Überzeugung. Nichts gelangt in die Supermärkte, da dort keine fairen Preise für gute Erzeugnisse zu erzielen sind, sagt Hans Peter Dill entschieden. Die Käse gehen entweder in die Gastronomie oder werden im eigenen, schönen Hofladen und auf Wochenmärkten an treue Kunden abgegeben, die die Qualität und die Besonderheiten der handwerklichen Arbeit zu schätzen wissen. Seit Oktober verkauft der Capriolenhof auch in den Berliner Food Assemblies – herzlich willkommen! (ut)

Ziegenkäserei Capriolenhof

Schleusenhof Regow, 1
16798 Fürstenberg / Bredereiche

Foto © Capriolenhof

 

Geschrieben von Redaktion

Redaktion

Inhalte teilen:

Weiter graben ...

Landleben

3 min

Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

Lesen

Landleben

2 min

Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

Lesen

Landleben

2 min

Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

Lesen