Du möchtest mehr erfahren?

Schreib uns einfach eine  E-Mail.

Landleben

min

Veröffentlicht März 2026

Junge Gärtnerinnen gehen neue Wege 

Im Interview erklären die Gärtnerinnen vom Gärtnerinnenhof Blumberg, wie und warum sie Gemüseanbau anders betreiben. Mit dem Wetter arbeiten, Wasser sparen, Saisonalität und Qualität statt Quantität sind nur einige ihrer Ansätze – erfahre hier mehr über ihre Philosophie.

 

 

Der Gärtnerinnenhof Blumberg 

Maria und Isy sind die Betriebsleiterinnen des Gärtnerinnenhof Blumberg. Vor 13 Jahren ist Isy für ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) auf den Gemüsehof in Brandenburg gekommen und geblieben. 2019 hat sie zusammen mit Maria den Hof ihrer ehemaligen Chefin übernommen. Auf dem ca. 3 Hektar großen Betrieb werden auf ein bisschen mehr als 2 Hektar Gemüse angebaut. Im Sommer stehen dort um die 100 verschiedene Kulturen. Das Gemüse wächst überwiegend im Freien. Es gibt aber auch mehrere Gewächshäuser und einen Tunnel. Auf dem Hof arbeiten acht Angestellte, darunter sind weitere Gärtnerinnen, Auszubildende und FÖJler*innen. Da der Gärtnerinnenhof ursprünglich aus einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Frauen entstanden ist, arbeiten auch heute noch hauptsächlich Frauen dort. 

 

Wie feiert ihr die Ernte 2020 auf dem Gärtnerinnenhof? Gibt es Erntedank-Traditionen, die ihr feiert? 

Die Gärtnerinnen: Da der Hof so vielfältig ist, haben wir eigentlich das ganze Jahr über Ernte. Außer ganz zu Jahresbeginn. Bei uns gibt es deshalb keine festen Erntedank-Traditionen. Über das Jahr verteilt werden immer wieder andere Gemüsesorten reif, die dann nach und nach geerntet werden können. Meistens ergibt es sich dann aber doch, dass das Feste Team und die Marktleute zum Herbst hin zusammenkommen und auf dem Hof ein bisschen feiern. Dieses Jahr veranstalten wir eine kleine Ernte-Feier mit Freunden, Familie und all diejenigen, die uns alle dieses Jahr tatkräftig unterstützt haben. Wir möchten diesen Menschen damit unsere Dankbarkeit zeigen und ihnen etwas zurückzugeben. 

 

 

„WIR FEIERN DEN BETRIEB, WIR FEIERN DAS DER LÄUFT UND WIR FREUEN UNS EINFACH“

 

Welche Besonderheiten gibt oder gab es bei der diesjährigen Ernte? 

Die Gärtnerinnen: Der Winter war dieses Jahr total mild. Von Januar bis März gab es nur drei mal Frost. Da hätte man deutlich mehr an Kulturen draußen stehen haben können. Frisches Gemüse in den doch eher kargen Wintermonaten anbieten zu können, wäre schon toll gewesen. 

Im Sommer hatten wir hingegen ganz andere Herausforderungen. Gerade in den vergangenen heißen Sommerwochen sind die Tomaten sehr schnell gereift. Dann gibt es mit einem Mal ein sehr großes Angebot und alle müssen ganz viele Tomaten essen. Für den Eigenbedarf haben wir einen Teil der Tomaten eingekocht, damit wir auch im Winter nicht auf den Geschmack der Region verzichten müssen. 

 

 

Wenn der nächste Winter also wieder mild wird, lasst ihr Kulturen länger im Freiland stehen? Was macht ihr, wenn doch plötzlich Frost kommt? 

Die Gärtnerinnen: Ja, wenn die Winter weiterhin so mild bleiben, können wir  länger verschiedene Freilandkulturen stehen haben. Sollte es zu einem plötzlichen Kälteeinbruch kommen, kann das Gemüse mit einem Vlies abgedeckt und so bis zu einigen Grad unter Null vor dem Frost geschützt werden. Diese Methode ist zwar aufwendig, lohnt sich aber. Letztes Jahr war es für uns auf diese Weise möglich, noch im November Fenchel anbieten zu können. Ein großer Vorteil ist bei uns aber auch, dass wir nicht so große Mengen anbauen. Die relativ kleinen Sätze von Gemüse ermöglichen es uns, bei absehbarem Frost schnell abzuernten. 300 Fenchel in der Kühlzelle sind besser als kaputt auf dem Acker. 

 

Für welche Produkte ist der Gärtnerinnenhof bekannt? Welche Produkte laufen dieses Jahr besonders gut? 

Die Gärtnerinnen: Besonders gut läuft unser Wildkräuter Salat! Wir haben generell eine große Palette an verschiedenen Salaten und Kräutern, die es nicht überall zu kaufen gibt. Kunden bekommen bei uns zum Beispiel Pimpinelle oder Löwenzahn. 

 

 

Bleibt bei euch viel Gemüse liegen? Und was macht ihr mit Ausschussware? 

Die Gärtnerinnen: Der Absatz und Durchlauf an Ware ist mittlerweile so groß, dass wir gar nicht lange auf Ernte sitzen bleiben. Verglichen mit anderen Betrieben bleibt bei uns fast keine Ware übrig, die weggeschmissen werden muss. Wir achten sehr auf eine hohe Qualität, aber wenn die Möhren mal etwas kleiner sind, werden eben kleinere Möhren angeboten. Ware, die für den Verkauf nicht perfekt genug ist, können wir selbst oder unsere Mitarbeiter mit nach Hause nehmen und verwerten. Was also unterm Strich als “Kompostgemüse” übrig bleibt, ist im Vergleich zur Produktion wirklich sehr klein.


Wie geht ihr mit dem Thema Saisonalität von Gemüse um, im Vergleich zu größeren Betrieben? 

Die Gärtnerinnen: Bei uns werden keine Gewächshäuser beheizt. Wir sind der Meinung, dass es im Mai noch nicht die ersten Tomaten geben muss. Es ist völlig okay, wenn diese erst im Juli da sind. Wir wollen hier mit dem Wetter und nicht dagegen arbeiten. 

 

Auf dem Gärtnerinnenhof werden vor allem alte Gemüsesorten angebaut. Was unterscheidet diese von Hybrid Sorten?

Die Gärtnerinnen: Der große Vorteil alter und damit samenfester Sorten liegt natürlich vor allem im Geschmack und darin, dass Gärtner*innen sie selber weiter vermehren können. Alte Sorten bringen etwas weniger Ertrag und weisen eine geringere Uniformität auf. Auf dem Hof bauen wir einige Hybride an aber eben auch viele “samenfeste” Sorten, die wir jedes Jahr ein bisschen variieren können. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel zwei Fenchel Sorten angebaut, bei denen wir jetzt beobachten können, welche schneller wachsen oder vielleicht weniger Wasser verbrauchen. Natürlich haben wir auch einige Lieblingssorten wie die samenfeste Rodelika Möhre. Unseren Kunden schmeckt diese Möhrensorte am besten. Deshalb bauen wir sie jedes Jahr wieder an.  

 

 

Wie geht ihr mit dem Thema Wasser sparen um? Wie wird bei euch das Gemüse bewässert?  

Die Gärtnerinnen: Wasser sparen ist ein großes Thema bei uns. Wir wollen so bewässern, dass eine gute Gemüse Qualität entstehen kann und gleichzeitig kein Wasser verschwendet wird. Um das zu erreichen, arbeiten wir mittlerweile viel mit Tropfschlauch Systemen. Durch das gezielte, individuelle Bewässern direkt an der Pflanze, können wir eine Menge Wasser einsparen. Langfristig arbeiten wir daran, dass unser Boden das Wasser besser hält. Mit der Verbesserung des Bodens ist es aber nicht von heute auf morgen getan. Es braucht viele Jahre, bis der Wasserhaushalt des Bodens besser funktioniert. Außerdem haben wir in letzter Zeit begonnen, mit Untersaaten zu arbeiten. Untersaaten sind Kulturen wie zum Beispiel Kleegras, die dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit am Boden besser gehalten wird. Wir verwenden auch Mulch unter unseren Kulturen, damit das Wasser nicht aus dem Boden verdunstet. Wir probieren gerne verschiedene Methoden aus und vergleichen diese miteinander. Der Mulch hat uns bis jetzt am Meisten überzeugt. 

 

Welchen Ansatz verfolgt ihr bei der Schädlingsbekämpfung? 

Die Gärtnerinnen: Unser Ansatz ist hier definitiv anders als bei konventionell arbeitenden Betrieben. Gerade wenn es um Krankheiten und Schädlingsbekämpfung geht, wollen wir nicht die Symptome bekämpfen sondern die Ursache für die Erkrankung finden. Wir bemühen uns von Anfang an durch einen gesunden und belebten Boden gesunde und starke Kulturen aufzuziehen, die etwaigen Schaderregern und Krankheiten gar keine Angriffsfläche bieten. Da das noch nicht immer zu hundert Prozent funktioniert, schützen wir   einen Teil der Gemüsesorten mit Kulturschutznetzen. Zudem setzen wir seit letztem Jahr auch Nützlinge ein, zum Beispiel Nematoden gegen gefräßige Erdraupen. 

 

Wir sind begeistert von dem aromatischen Gemüse aus Brandenburg und wollen uns beim ganzen Gärterinnenhof-Team für Ihre Arbeit bedanken. Durch die ökologische Bewirtschaftung werden die Böden geschont, die kurzen Transportwege bedeuten weniger Belastung für die Umwelt und sorgen dafür, dass das Gemüse viel frischer und viel besser schmeckt. Wenn du jetzt Lust bekommen hast, das Gemüse vom Gärterinnenhof zu probieren, dann schau doch einfach mal bei folgenden Schwärmereien und Märkten in Berlin oder Brandenburg vorbei.

 

Geschrieben von foodassemblyde

foodassemblyde

Inhalte teilen:

Weiter graben ...

Landleben

3 min

Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

Lesen

Landleben

2 min

Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

Lesen

Landleben

2 min

Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

Lesen