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Landleben

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Veröffentlicht März 2026

Erzeugerporträt: Die Ölmühle an der Havel

Ölmühlen, die einheimische Ölsaaten verarbeiten, blühen zur Zeit wieder auf. In der Nachkriegszeit waren sie der zunehmenden Industrialisierung der Speiseöl-Herstellung zum Opfer gefallen. Noch vor wenigen Jahren gab es kaum mehr Öl-Manufakturen in Deutschland.

Jetzt kommen sie wieder, weil immer mehr Menschen die feinen und gesunden Öle aus regionalen Saaten und frischer, lokaler Verarbeitung neu entdecken. Eine dieser Manufakturen ist die Ölmühle an der Havel von Frank Besinger und Sabine Stempfhuber, die auch Food Assemblies in Berlin mit Bio-Ölen beliefern.

Die Pressung von heimischen Ölsaaten, etwa der Leindotterpflanze, ist bereits seit Jahrtausenden bekannt. Damals wurden mit einfachen Pressverfahren grobe Ölbreie hergestellt. Erst im antiken Griechenland und im Römischen Reich war die Handwerkskunst so weit entwickelt, dass reine Öle entstanden, wie wir sie heute kennen. Die Römer exportierten nicht nur das Öl der Olivenfrucht in den europäischen Norden, sie verbreiteten auch das handwerkliche Wissen um die Ölverarbeitung. Im Mittelalter blühten in Deutschland zahlreiche Ölmühlen an den Flussläufen auf, angetrieben durch Wasserkraft.

Im vergangenen Jahrhundert setzte sich schrittweise die großindustrielle Herstellung von billigen Speiseölen durch. Viele regionale Ölmühlen konnten nicht mithalten und mussten nach und nach aufgeben.

Industrielle Hersteller pressen heute große Mengen an Saaten in kürzester Zeit und die Öle stehen dann monatelang in der Regalen der Supermärkte herum. Daher werden die Rohstoffe in aufwändigen lebensmitteltechnologischen Verfahren erhitzt, entschleimt, entsäuert, gebleicht, gefiltert und mit allerlei chemischen Zusätzen – darunter hochtoxische Hilfsstoffe – behandelt und am Ende bei 220° desodoriert, um den Geschmack und den Geruch der Öle anzupassen. Zweck des Ganzen: lagerfähige, immer gleich aussehende, gleich schmeckende und riechende, standardisierte Produkte.

Industrielle Speiseöle sind nicht nur vergleichsweise geschmacksarm, sie haben auch die gesundheitsfördernden, den Kreislauf und den Stoffwechsel anregenden, Heilwirkung entfaltenden Bestandteile, die die Saaten mitbringen, weitgehend eingebüßt.

Rapsöl

Anders bei den neuen Öl-Manufakturen. Hier stehen handwerkliche Sorgfalt und viel Erfahrungswissen im Vordergrund, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten und den Charakter der Öle herauszuarbeiten. Ein ausgeprägtes, komplexes Geschmacksbild der Öle ist kein unerwünschter Störfaktor, der womöglich den durchschnittlichen Supermarkt-Käufer erschrecken könnte, sondern ausdrücklich erwünscht.

Bei der Ölmühle an der Havel werden ausschließlich Öle in voller Bio-Rohkost-Qualität hergestellt: Sowohl bei der Trocknung der Saaten, die beim landwirtschaftlichen Erzeuger stattfindet, wie auch beim Pressvorgang in der Ölmühle dürfen die Temperaturen 40° C nicht überschreiten.

Heute wissen auch Köche in der Spitzengastronomie um die geschmackliche Stärke hochwertiger, in der Region frisch gepresster Öle. Qualität, die man schmecken kann, und die nur durch kurze Lagerfristen, kurze Transportwege und sorgfältige, schonende Verarbeitung erreicht wird.

Der Berliner Sternekoch Kolja Kleeberg, der auf regionale Lebensmittel großen Wert legt, nutzt die Erzeugnisse der Ölmühle an der Havel nicht nur in der Küche seines Restaurants VAU, er stellt auch den Gästen statt Olivenöl das mild-nussige Rapsöl aus ungeschälten Brandenburger Saaten aus der Ölmühle an der Havel auf den Tisch.

Eine weitere Besonderheit der Ölmühle ist die vollständige Weiterwertung der Reststoffe, also der bei der Öl-Produktion anfallenden Presskuchen sowie der Kerne, etwa von Aprikosen. So entstehen in eigener Herstellung köstliche, proteinreiche Brownies, intensiv schmeckende Pesti und Fruchtkern-Mehle. Die Fruchtkerne werden auch in den hauseigenen Fruchtaufstrichen verarbeitet. Verschiedene Partner nehmen der Ölmühle Presskuchen ab und reichern damit Rohkost-Smoothies und andere Lebensmittel an – wie zum Beispiel Frau Bunt kocht, die ihre Müsli-Mischungen damit anreichert (die ebensfalls in Berlin über Food Assembly erhältlich sind). Nichts wird entsorgt, alles kreativ genutzt.

In der ihrer Ölmühle im Berliner Bergmannkiez kann man Frank Besinger und Sabine Stempfhuber bei der täglichen Pressung der Öle über die Schulter schauen. Hier werden unter anderem Sonnenblumen-, Senf-, Lein-, Raps-, Leindotter- und Hanföle gewonnen. Hinzu kommen Öle aus nicht-regionalen Rohstoffen, zum Beispiel Aprikosenkern-, Mohn-Vanille- und Mohn-Zimtblütenöle.

Die Produkte der Ölmühle an der Havel werden im eigenen Laden und in einigen ausgewählten Bio- und Feinkostgeschäften vertrieben und sind in Berliner Food Assemblies erhältlich. Für ihre schönen, zweckmäßig gestalteten Verpackungen wurde das junge Unternehmen im Juni 2015 mit einen renommierten internationalen Design-Preis ausgezeichnet. (ut)

www.oelgenus.de

 

Geschrieben von Redaktion

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Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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