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Landleben

4 min

Veröffentlicht Februar 2026

Lernen von Grund auf

Der Boden ist nach wie vor unser bestes Klassenzimmer. Vor über einem Jahr starteten wir unsere Initiative 1 % für den Boden mit einem klaren Ziel: 10.000 Hektar Boden zu regenerieren und in Projekte zu reinvestieren, die nachhaltige Wirkung erzielen – nicht nur auf den Feldern, sondern auch im Bewusstsein zukünftiger Generationen. Alle sechs Monate treffen wir uns mit unserer Community, um unsere Fortschritte und unseren Budgetplan zu präsentieren. Einmal im Jahr stimmen wir darüber ab, in welche Initiativen wir im nächsten Halbjahr investieren möchten. 

Aus verschiedenen Initiativen wählte unsere Community „Viva el Campo“ der Farm La Junquera im Camp Altiplano (Ökosystem-Restaurierungscamps) als eines der Projekte, die wir dieses Jahr unterstützen möchten. Diese Initiative spiegelt wider, was Regeneration bedeutet: Wissen weitergeben, Menschen wieder mit dem Land verbinden und junge Menschen dazu inspirieren, den Boden als lebendige Grundlage des Lebens zu sehen. Es handelt sich um ein Bildungsprogramm, das Schüler aus dem Klassenzimmer auf die Felder bringt, um ihnen Bodenkunde, Biodiversität, Wasser sowie den Ursprung und die Zukunft unserer Lebensmittel näherzubringen. Jacobo, der Leiter des Programms, erklärt, dass in vielen ländlichen Gebieten Spaniens, darunter auch in der Region Murcia, junge Menschen oft aufwachsen, ohne jemals einen Bauernhof betreten zu haben. Sie lernen zwar aus Schulbüchern etwas über Klimawandel, Photosynthese oder Bodenerosion, aber nur wenige hatten die Gelegenheit, eine Handvoll Erde in der Hand zu halten, Regenwürmer zu bestimmen oder selbst zu erleben, wie sich Wetter und Wasserknappheit auf die Ernte auswirken. Schulen fehlt es oft an Zeit, Geld und Infrastruktur, um Unterricht im Freien zu organisieren. Lehrer würden ihren Schülern gerne zeigen, wie lebendiger Boden aussieht, aber es gibt keine strukturierten Programme, keine Bauernhöfe in der Nähe, die sie aufnehmen könnten, und keinen Platz im Lehrplan. So bleibt das Landleben fern, etwas, worüber sie lesen, aber nicht etwas, zu dem sie sich zugehörig fühlen.

Jedes Jahr lassen Schüler der Sekundarstufe zwischen 12 und 16 Jahren den Schulalltag hinter sich und begeben sich auf Bauernhöfe in Murcia. Dort werden sie zu Forschern und Beobachtern. Innerhalb einer Woche erforschen sie, wie Lebensmittel produziert werden und wie die Landwirtschaft mit übergreifenden Herausforderungen wie Wasserknappheit, Bodendegradation und Klimawandel zusammenhängt. Jeder Tag steht unter einem anderen Motto – vom Boden unter unseren Füßen bis hin zur Biodiversität, die ihn erhält. Die Schüler sammeln Bodenproben, bestimmen Pflanzen und Insekten, messen die Wasserinfiltration und halten ihre Beobachtungen in Feldnotizbüchern fest. Sie entdecken die Zusammenhänge zwischen Landwirten und Ökosystemen, zwischen menschlichen Entscheidungen und ihren Folgen für die Umwelt, zwischen dem Feld und dem Teller. 

Im Zentrum von „Viva el Campo“ steht ein kleines Forschungsprogramm. Jede Schülergruppe entwickelt ein kleines, praktisches Experiment: Sie vergleicht die Feuchtigkeitsspeicherung von Böden mit und ohne Pflanzendecke, beobachtet die Biodiversität in verschiedenen Lebensräumen oder testet, wie regenerative Anbaumethoden die Wasseraufnahme beeinflussen. Unter Anleitung von Landwirten aus La Junquera und Pädagogen wie Jacobo sammeln die Schüler Daten, analysieren die Ergebnisse und präsentieren ihre Erkenntnisse am Ende der Woche. Das Experiment wird auf drei Parzellen mit unterschiedlichen Bewirtschaftungsmethoden durchgeführt: nicht-interventionell, regenerativ und konventionell vs. ökologisch. Die Schüler entnehmen Bodenproben mit Bohrern und Schaufeln und analysieren Indikatoren wie pH-Wert, Feuchtigkeit, Nährstoffe (NPK) und mikrobielle Aktivität. Sie wenden außerdem Techniken wie Insektenfallen, Infiltrationstests, Mikroorganismenkulturen, Bodenatmungsmessungen und Biomasseanalysen an. Die Daten werden im Unterricht analysiert und verglichen, wo die Schüler eine kurze wissenschaftliche Arbeit verfassen. Darin präsentieren sie ihre Schlussfolgerungen, erläutern den Forschungsprozess und reflektieren die Auswirkungen landwirtschaftlicher Praktiken auf die Bodengesundheit. Diese Übung stärkt ihre wissenschaftlichen Kompetenzen und ermöglicht es ihnen, die im Feld gewonnenen Ergebnisse fundiert und verständlich zu kommunizieren.

Eine der größten Herausforderungen für die europäische Landwirtschaft ist heute der fehlende Generationswechsel. Viele Höfe sind von der Schließung bedroht, nicht nur wegen der schwierigeren klimatischen Bedingungen, sondern auch, weil es keine Nachfolger gibt. Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für die Landwirtschaft, oft einfach, weil ihnen ein negatives Bild von den Anforderungen des Landlebens vermittelt wurde. Der Beruf des Landwirts hat im Laufe der Zeit an Ansehen verloren; er gilt als anstrengende Arbeit mit geringem Verdienst. Diese Wahrnehmung entfremdet junge Menschen vom Land und von einem Beruf, der in Wirklichkeit einer der wichtigsten für unsere gemeinsame Zukunft ist.

Jacobo erzählt, dass Kinder und Jugendliche, die das Landleben einst als etwas Fernes betrachteten, es nun als essenziell ansehen und oft auf den Hof zurückkehren möchten, um zu helfen und zu lernen. Jacobo sagt, er beginne den Kurs immer mit der Frage, wer von den Jugendlichen Landwirt werden möchte, und dass sich meist niemand meldet. Bevor die jungen Erwachsenen in den Bus zurück nach Murcia steigen, stellt er dieselbe Frage erneut, und in den meisten Fällen melden sich zwei oder drei Jugendliche. Sie sehen, wie aus Erde Nahrung wird, wie Wasser im lebendigen Boden gespeichert wird und wie das Gleichgewicht der Natur von Zusammenarbeit abhängt.

Geschrieben von Magdalena Werner

Magdalena Werner

I'm Magdalena, a Farmer Ambassador. I've been working at CrowdFarming for eight years, and after seven years in customer service, I'm now part of the sustainability and awareness team, sharing the farmers' stories and taking you on a journey through their daily lives in the fields.

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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Regen, Regen, Spanien

Darauf waren wir nicht vorbereitet – oder doch?Es regnet buchstäblich seit mehreren Wochen in Spanien. Diese Woche wurde jedoch in mehreren Regionen, vor allem in Andalusien, der Katastrophen-Zustand ausgerufen. Unsere Landwirte haben uns die unten angehängten Bilder geschickt – und in unserem Team waren wir mehrere minutenlang sprachlos. Wir haben schon öfters zu starken Regenfällen berichtet, aber dieses Jahr ist das Ausmaß besonders groß. Die gute Nachricht ist: Allen Landwirten geht es gut!Anhaltende Tiefdruckgebiete brachten intensive Regenfällen, orkanartige Windböen und Flüsse, die über die Ufer getreten sind, mit sich. Unsere Landwirte aus der Region Málaga verzeichnen umgefallene Bäume und schlammige Zufahrtswege, die eine Zufahrt fast unmöglich machen. Leider haben uns auch bereits einige Landwirte informiert, dass sie wahrscheinlich Ernteausfälle haben werden, da Früchte beschädigt wurden. Das kleinere Übel sind dabei wahrscheinlich die Verzögerungen in der Lieferung – es hört nicht auf zu regnen und das bedeutet, dass die Früchte zu nass sind, um sie verschicken zu können; sie würden in den Paketen schimmeln.Haben wir die Lösung nicht schon längst gefunden?Ich spreche mit Maikel, von Finca Habitat aus einem kleinen Ort zwischen Jaén und Granada – eine der am stärksten betroffenen Gebiete. Er schickt mir ein Video, das ihr unten findet – es zeigt die überfluteten Olivenfelder seiner Nachbarn und den reißenden Fluss. Im nächsten Video ist er auf seinen eigenen Feldern und zeigt, wie viel Regen gefallen ist. Er kippt es an seine Bäume, die er in heißen Monaten mit der Wolle seiner Schafe vor Austrocknung schützt und gleichzeitig düngt. „Für mich ist der Regen ein absoluter Grund zur Freude. Es ist wunderbar!“, so der Landwirt. Auf seinen Feldern – nicht einmal eine Pfütze. „Das ist ein Zeichen, dass wir alles richtig machen, Magdalena.“, erklärt er. Maikel hat sich vor über einem Jahrzehnt entschieden, regenerativ anzubauen. In einem der trockensten Gebiete Spanien, schafft er es über seine Praktiken, seine Olivenbäume nicht bewässern zu müssen.Wie geht das? Über eine Bodendeckung, die wie ein Schwamm wirkt und alles Wasser aufsaugt und in tiefere Bodenschichten sickern lässt. Es geht nicht ein Wassertropfen verloren, weil das Wurzelgeflecht eine so hohe Kapazität hat, Wasser aufzunehmen, dass es weder abfließt, noch sich anstaut.Was wäre, wenn wir es schaffen, die Betriebe so resilient zu machen, dass sie aus Extrem-Wetter-Ereignissen ermutigt herausgehen? Hätten wir mit regenerativer Landwirtschaft die Lösung gefunden? Diese Fragen stelle ich mir, wenn ich die Bilder und Videos sehe, die eine so unterschiedliche Sichtweise auf die Situation ermöglichen.Der Wetterbericht zeigt weiter Regen für die nächsten Tage an und wir schätzen zusammen mit den Landwirten jeden Tag neu ein – die Sicherheit geht vor und wir müssen und wohl noch etwas gedulden, bis die Sonne wieder herauskommt.

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