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Landleben

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Veröffentlicht März 2026

Wie werden Erdbeeren von einem 100-jährigen Traditionsbetrieb angebaut? – Im Gespräch mit dem Landwirt Christian Bonnen

Regionale Erdbeeren von April bis August! Das Erntefenster für Erdbeeren kann mit Hilfe von unterschiedlichen Sorten, Anbauweisen und raffinierten Tricks vergrößert werden. Wie genau das funktioniert und warum eine Schale Erdbeeren eigentlich viel mehr kosten müsste, erklärt Christian Bonnen im Interview. 

Den Spargel und Erdbeerhof Bonnen im Neusser Norden gibt es schon seit 1921. Dieses Jahr feiert der Betrieb sein 100-jähriges Jubiläum. Christian Bonnen bewirtschaftet den 70 ha großen Hof schon in 3. Generation. Sein Großvater startete damals mit ein paar Kühen, Schweinen, Hühnern und etwas Ackerland, sein Vater mit der Schweinemast und mit dem Gemüseanbau. Als die Schweinemast vor 20 Jahren unrentabel wurde, begann der Spargel- und Erdbeeranbau. Seit 10 Jahren ist Christian Bonnen der aktuelle Bewirtschafter des Betriebes. Er hat den Spargel und Erdbeeranbau weiter vorangetrieben, der nun das Hauptstandbein ausmacht. Zusätzlich werden Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide angebaut. 

Die Vermarktung der Produkte läuft über den eigenen Hofladen, Verkaufsstände und den Einzelhandel. Neu dazugekommen sind jetzt auch die Marktschwärmer in Neuss und Düsseldorf Flingern. 

Wie viele Erdbeersorten baut ihr auf eurem Hof an?

Wir bauen auf unserem Hof sechs verschiedene Erdbeersorten an. Die Sorten unterscheiden sich vor allem in ihrem Reifegrad. Der Anbau beginnt mit den frühreifen Sorten im Folientunnel auf einem Substratdamm. Diese können meist schon im April geerntet werden.

Wie genau kann man sich so einen Substratdamm vorstellen und welche Vorteile/Nachteile hat diese Anbauweise?

Ein Substratdamm ist ein ca. 40 cm hoher Hügel, der eine Rille zum Einfüllen von Blumenerde (Kultursubstrat) enthält. In diese Erde werden die Erdbeeren gepflanzt. Ein Tropfschlauch versorgt sie mit Dünger, Nährstoffen und Wasser. Mit dieser Anbautechnik ist es möglich, nahezu perfekt aussehende Erdbeeren und einen hohen Ertrag im frühen Bereich zu erzielen. Nachteil dieser Form der Erdbeerkultur sind die hohen Material- und Energiekosten. 

Und wie werden die Freilanderdbeeren bei euch angebaut?

Die Freilanderdbeeren werden von Hand in den Boden gesteckt. Der Boden sollte leicht, locker und gut wasserführend sein, denn Erdbeeren mögen keine Staunässe. Bevor oder während der Blüte wird zwischen die Reihen Stroh ausgelegt, auf dem die Erdbeeren aufliegen, damit sie nicht dreckig werden. Erdbeeren im Freiland werden klassisch von oben bewässert. Die späten Sorten werden Anfang, Mitte Januar mit Stroh bedeckt, so gaukelt man ihnen vor, dass noch immer Winter ist. Erst Anfang April nehmen wir das Stroh herunter. Die Erdbeeren werden dem Licht ausgesetzt und fangen schnell an zu wachsen, um noch Früchte auszubilden. So ist eine Ernte bis in den Juli und August möglich.

Setzt ihr die Pflanzen dann jedes Jahr neu oder können sie überwintern?

Die Pflanzen im Tunnel werden jedes Jahr neu gesetzt, weil die Fruchtgröße und die Pflückleistung mit jedem Jahr abnimmt. Die Erdbeeren im Freiland werden alle zwei Jahre neu gepflanzt, denn hier nimmt nach zwei Jahren die Fruchtqualität erheblich ab. Wir verwenden immer frisches Pflanzenmaterial sogenanntes  Z-Saatgut vom Züchter, das frei von Krankheitserregern ist.

Wie schützt ihr die Erdbeeren vor Krankheiten und Schädlingen?

Erdbeeren, die im Folientunnel wachsen, sind natürlich gut vor Regen, Hagel und auch Insekten geschützt. Freilanderdbeeren muss man jedoch gegen Insekten (z.B. Thripse und Läuse) spritzen. Wir arbeiten zusätzlich mit Kulturnetzen, die einen gewissen Anteil an Schadinsekten abhalten. Gegen die klassische Erdbeerfäule (Botrytis), muss man drei bis vier mal spritzen. Mit Botrytis infizierte Erdbeeren, würden direkt nach der Ernte zu faulen beginnen. Damit der Kunde Früchte bekommt, die sich auch noch 3 oder 4 Tage im Kühlschrank halten, muss man die Erdbeeren spritzen. 

Wie beeinflussen die Wetterbedingungen die diesjährige Ernte?

Dieses Jahr hatten wir bei den frühreifen Erdbeersorten aus dem Folientunnel nur eine 60-prozentige Ernte, weil einfach die Wärme und die Sonne gefehlt hat. Letztes Jahr konnten wir bereits am 2. Mai mit der Freilandernte beginnen. Es gab einen nahtlosen Übergang von der Tunnel zur Freilandware. Jetzt Mitte Mai sind zwar die ersten Erdbeeren an den Pflanzen dran, aber sie werden einfach nicht rot, weil es noch immer viel zu kalt ist.

Eine Schale Erdbeeren (500g) kostet bei den Marktschwärmern im Moment 4,00 Euro. Wie setzt sich dieser Preis zusammen und wie hoch muss der Preis sein, damit ihr und die Erntehelfer*innen einen fairen Lohn für eure Arbeitszeit bekommt?

Mit den 4,00 Euro setzen wir im Moment die unterste Preisgrenze. Der Erdbeeranbau ist mit einem enorm großen Aufwand verbunden. In der Regel sind die Endverbraucher*innen bereit, auch ein bisschen mehr für die Erdbeeren zu zahlen. Die Supermärkte haben hingegen schon vor vier Wochen mit uns Preise verhandelt, die ganz schön schmerzen, denn der Einzelhandel kennt beim Preis nur noch eine Richtung: nach unten!
Anbau und Ernte sind stark wetterabhängig, wenn die Blüten z.B. Frost bekommen habe ich Ernteausfälle. Das heißt, ich muss immer den Wetterbericht aufmerksam verfolgen, wenn Frost kommt, muss ich Nachts um drei Uhr aufstehen und die Erdbeeren mit Vlies abdecken. Wenn ich das alles in die Kalkulation mit einfließen lasse, müsste eine Schale Erdbeeren am Ende 5,00 Euro kosten. Die Marktschwärmer haben Verständnis dafür, wenn die Erdbeeren mal etwas kleiner ausfallen. Der Einzelhandel hingegen nimmt mir keine kleinen Erdbeeren ab, der will Handelsklasse eins, also schöne, dicke Erdbeeren haben. An dieser Stelle braucht der Einzelhandel ein Umdenken!
Im Moment habe wir für die Erdbeeren vier Erntehelfer*innen aus Rumänien bei uns, die auf unserem Hof wohnen und von uns verpflegt werden. In den nächsten Wochen werden aber noch weitere hinzukommen. Unseren Erntehelfer*innen zahlen wir einen gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 Euro/Stunde.

Zum Schluss eine letzte Frage. Wie isst du deine Erdbeeren am liebsten?

Ich esse meine Erdbeeren am liebsten pur und direkt vom Strauch gepflückt. Für mich müssen Erdbeeren nicht super süß sein, sie brauchen auch immer etwas Säure. Das Zusammenspiel von Süße und Säure macht für mich eine gute Erdbeere aus.

 

Wir bedanken uns bei Christian Bonnen für das Interview und die Einblicke in den Betrieb. Die leckeren Erdbeeren vom Spargel und Erdbeerhof Bonnen sind direkt in folgenden Schwärmereien erhältlich: Marktschwärmer Düsseldorf Flingern und Marktschwärmer Neuss Buscherhof

 

Geschrieben von foodassemblyde

foodassemblyde

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