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Landleben

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Veröffentlicht März 2026

Vom Schatten ins Rampenlicht – Frauen in der europäischen Landwirtschaft

In Europa bewegt sich etwas im Agrarsektor, wo Frauen lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen gearbeitet haben. Zwischen Widerstand und Wandel – ein Blick auf die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft.

Frauen waren schon immer in der Landwirtschaft tätig, doch ihre offizielle Anerkennung als gleichwertige Akteurinnen war ein langer und harter Weg. Ihre Rolle im Agrarsystem war zwar nie infrage gestellt, doch erst die beiden Weltkriege und verschiedene Bürgerkriege (wie in Spanien und Italien) machten deutlich, wie entscheidend ihr Beitrag für die Aufrechterhaltung des Systems war. Nach den militärischen Konflikten wurden sie jedoch wieder in den Hintergrund gedrängt und mussten erneut im Schatten ihrer männlichen Kollegen arbeiten.

Bis in die frühen 2000er Jahre wurden Frauen auf Bauernhöfen meist nur als “Ehefrauen der Landwirte” angesehen, jedoch nie als eigenständige Landwirtinnen. In offiziellen Statistiken tauchten sie nicht auf. Sie hatten keinen rechtlichen Status und wurden oft lediglich als „Familienbetreuerinnen“ betrachtet. Dadurch hatten sie keinerlei Rechte am landwirtschaftlichen Betrieb, der in der Regel von ihren Ehemännern geführt wurde.

„In ländlichen Gebieten gibt es für Frauen klar definierte und anerkannte Berufe wie den der Sekretärin, Pflegekraft, Verkäuferin oder Friseurin. Diese Tätigkeiten genießen einen klaren beruflichen Status. Arbeiten Frauen jedoch auf einem Bauernhof zusammen mit ihren Ehemännern, erhalten sie keine berufliche Anerkennung und werden in den Statistiken als inaktiv geführt“, erklärt Marie-Thérèse Lacombe in ihrem Buch Pioneers! Women in the Modernization of the Aveyron Countryside from 1945 to the Present Day (Hrsg. Rouergue).

In Frankreich gab es den ersten bedeutenden Fortschritt erst 1985 mit der Einführung der EARL (Etablissement Agricole à Responsabilité Limitée), die es Ehepaaren ermöglichte, Partnerschaften zu gründen und ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar zu trennen. In Wallonien (Belgien) dauerte es noch bis 1990, bis der Status der „helfenden Ehefrau“ eingeführt wurde, was eine erste rechtliche Anerkennung mit sich brachte. „Der Beruf der Landwirtin wurde nicht über Nacht durch ein Gesetz etabliert. Es war ein langsamer Prozess, der sich über viele Jahre und Reformen zog. Um als „mitarbeitende Ehefrau“ anerkannt zu werden, brauchte es 40 Jahre Kampf für Gleichstellung“, erklärt Marie-Thérèse Lacombe.

Frauen in der Landwirtschaft in Spanien. Foto von Isabel Salcedo.

Laut Daten der Europäischen Kommission von 2021 machen Frauen rund 30% der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei aus. Allerdings gibt es hier große Unterschiede zwischen den Ländern. In Österreich sind etwa 40% der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte Frauen, in Irland hingegen nur 15%. Rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU werden von Frauen geführt. In Frankreich lag der Anteil der Betriebe, die 2020 von Frauen geführt oder mitverwaltet wurden, bei 26%, verglichen mit nur 8% im Jahr 1970. In Italien wurden 2010 bereits 31% der Betriebe von Frauen geleitet (aus Strengthening the role of women in rural and agricultural areas – Obstacles and opportunities, Artikel 9).

„Der Anstieg der Zahl weiblicher Betriebsleiterinnen ist vor allem auf die zunehmende Zahl von Frauen zurückzuführen, die nicht aus landwirtschaftlichen Familien stammen, aber eigene Betriebe gründen. Auch die Zunahme der Neo-Bäuerinnen in der französischen Landwirtschaft spielt eine Rolle“, erklärte Sixtine Prioux, Leiterin des Frauen- und Landwirtschaftsprogramms im CIVAM-Netzwerk (Initiativezentren zur Förderung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums), in einem Interview, das sie uns 2022 gab.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Frauen in landwirtschaftlichen Ausbildungsberufen. Laut einer Umfrage des französischen Statistikdienstes Agreste aus der Agrarzählung 2020 haben „ Landwirtinnen ein höheres Ausbildungsniveau als ihre männlichen Kollegen“. Frauen in der Landwirtschaft haben oft vielfältigere berufliche Hintergründe und gehen die Arbeit anders an als Männer. „Besonders bei Frauen sehen wir eine Zunahme an Betrieben im Bereich des ökologischen Landbaus“, erklärt Sixtine Prioux. Sie fügt hinzu: „Frauen bringen viele Veränderungen auf den Höfen, insbesondere im Hinblick auf die Ausrüstung, die – das muss man sagen – weder für Männer noch für Frauen wirklich geeignet ist und bei der die gesamte Ergonomie überdacht werden sollte.“ – Sixtine Prioux, CIVAM Netzwerk

Carole von der Scoumont Farm in Belgien. Foto von Stéphane Gartner

Dank ihrer steigenden Zahl und wachsenden Anerkennung verbessert sich die Situation für Landwirtinnen, doch das Bild ist noch lange nicht perfekt Zwar gibt es Veränderungen, aber viele Frauen in der Landwirtschaft stehen nach wie vor vor zahlreichen Herausforderungen – sei es in der Ausbildung, bei der Betriebsgründung oder in der täglichen Berufsausübung. In Frankreich verdienen Frauen in der Landwirtschaft 29% weniger als ihre männlichen Kollegen – das ist ein Viertel mehr als in anderen Sektoren. Auch bei der Rente gibt es einen deutlichen Unterschied: Die durchschnittliche Rente von Landwirtinnen liegt bei nur 570 Euro pro Monat, während Männer im Durchschnitt 840 Euro erhalten.

Die Herausforderung für die kommenden Jahre wird sein, die Wahrnehmung von Landwirtinnen in der Gesellschaft zu verändern und endlich die Lohnungleichheit sowie diskriminierende Bemerkungen zu überwinden, die noch immer den Alltag vieler Frauen in der Landwirtschaft in Europa prägen.

Autorin: Jill Cousin
Titelfoto: Isabel Salcedo

Geschrieben von foodassemblyde

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Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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