
Veröffentlicht März 2026
Die unendliche Vielfalt der Apfelsorten
Mit schätzungsweise über 30.000 verschiedenen Sorten weltweit ist die Vielfalt der Äpfel schier überwältigend. Doch warum gibt es ausgerechnet unter den Äpfeln eine so große Sortenvielfalt? Die Antwort ist relativ einleuchtend: Der Wildapfel kommt aus dem Kaukasus und Teilen von Asien und wurde dort bereits vor tausenden von Jahren domestiziert. Auch der Weg nach Europa war relativ kurz und so züchteten bereits die Römer im 6. Jahrhundert vor Christus verschiedene Apfelsorten. Bis heute hat der Apfel nichts seiner Beliebtheit eingebüßt und hatte daher sehr viel Zeit, zu den unterschiedlichsten Sorten selektiert zu werden.
Auch wenn die Auswahl an Äpfeln in vielen Supermärkten heute immer noch riesig erscheint, werden von den tausenden verschiedenen Sorten lediglich rund 25 im Erwerbsobstbau kultiviert und noch viel weniger regelmäßig im Handel angeboten. In den 1970er Jahren fand im Obstbau eine Standardisierung hin zu ertragreichen und leicht zu pflegenden Apfelbäumen statt, die möglichst gleichförmige und schmackhafte Äpfel hervorbringen. Die neuen Sorten sind in der Regel süßer als die alten. Viele alte Sorten gerieten so in Vergessenheit. Seit einigen Jahren findet man jedoch vereinzelt wieder die alten säuerlichen bis fein säuerlichen Apfelsorten auf Bauernmärkten und in Bioläden.
Alte Apfelsorten
Zu den alten Apfelsorten zählen alle Sorten, die vor der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Es gab im Obstbau noch keine bewussten Kreuzungen und die verschiedenen Apfelsorten sind aus zufällig entstandenen Kreuzungen hervorgegangen. Die alten Sorten gewinnen durch ihre vielfältigen Aromen und Nutzungseigenschaften heute wieder an Beliebtheit. Auch für Apfelallergiker sind alte Sorten interessant, denn sie sind meist besser verträglich.
Eine dieser alten und inzwischen kaum noch bekannten Sorten ist Kronprinz Rudolf. 1860 in der Steiermark entdeckt, war sie jahrzehntelang eine der wichtigsten Sorten in Österreich. Aufgrund ihrer druckempfindlichen Schale eignet sie sich jedoch nicht für die maschinelle Ernte und Sortierung und wird daher heute nur noch sehr selten angebaut. Die mittelgroßen, flach-rundlichen Äpfel haben eine glänzende, hellgelbe und auf der Sonnenseite leuchtend rote Schale. Das zarte weiße Fruchtfleisch ist saftig und säuerlich.
Es gibt jedoch auch einige alte Apfelsorten, die immer noch weit verbreitet und beliebt sind. Dazu zählen unter anderem die Sorten Golden Delicious, Granny Smith und Gala.
Golden Delicious ist, wie der Name bereits vermuten lässt, gelb und sehr schmackhaft. Vermutlich um 1890 in den USA entdeckt, verbreitete sie sich schnell auf der ganzen Welt und zählt heute zu einer der wichtigsten grün-gelben Sorten. Wegen ihrer festen Konsistenz und ihrer Süße eignet sie sich für fast alle Zubereitungsarten.
Die Granny Smith ist bekannt für ihre knackige und leuchtend grüne Schale und ihren säuerlich-saftigen Geschmack. Sie wurde 1868 von Maria Ann Smith (Oma Smith = Granny Smith) in Australien entdeckt. Die Beatles machten diesen Apfel zum Star, als sie ihn zum Symbol ihres Labels “Apple Records” wählten. Ebenfalls auf der Südhalbkugel entdeckt wurde die bekannte Sorte Gala. In den 1930er Jahren entstand sie in Neuseeland zufällig aus der Kreuzung aus Kidds Orange und Golden Delicious. In den Supermärkten findet man jedoch öfter die kräftiger gefärbte verwandte Sorte Gala Royal.
Beliebteste Apfelsorten
Zu den beliebtesten und am häufigsten angebauten Sorten zählen, neben Golden Delicious, die etwas jüngeren Sorten Elstar, Jonagold, Braeburn, Idared, Pinova, Topaz und Fuji.

Die beiden rot-gelben Sorten Elstar und Braeburn stammen aus den 1950er Jahren und sind wegen ihres saftigen und fein-säuerlichen Geschmacks beliebt. Beide Sorten eignen sich sowohl zum Frischverzehr als auch zum Backen oder zur Herstellung von Saft und Apfelmus. Während der knackige Elstar in den Niederlanden gezüchtet wurde und heute die in Deutschland am häufigsten angebaute Sorte ist, wurde Braeburn zufällig in Neuseeland entdeckt und ist dort nun eine der wichtigsten Sorten im Apfelanbau.
Die rote Sorte Fuji ist vor allem ein wegen ihrer Süße und Knackigkeit beliebten Tafelapfel und die weltweit, und vor allem in China, am häufigsten angebaute Sorte. Gezüchtet wurde sie in den späten 1930er Jahren in Japan.
Vor allem in den nördlichen Anbaugebieten findet man häufig die rot-gelbe bis leuchtend rote Sorte Jonagold. Sie hat ein gelbliches und saftiges Fruchtfleisch und eignet sich aufgrund ihres ausgewogenen süß-fruchtigen bis fein-säuerlichen Geschmacks vor allem als Tafelapfel. Gezüchtet wurde sie in den 1940er Jahren in den USA, wo fast zeitgleich auch die Sorte Idared entstand. Diese ebenfalls gelb-rote Sorte hat einen eher milden Geschmack und zeichnet sich besonders durch eine gute Lagerfähigkeit aus. Die deutsche Sorte Pinova und die tschechische Sorte Topaz sind besonders knackige und aromatisch-fruchtige Sorten und eignet sich nicht nur zum Frischverzehr, sondern auch zum Backen und Kochen. Beide haben eine rot-gelbe Schale mit hübschen Streifen.
Zunehmender Beliebtheit erfreut sich auch die moderne Sorte Red Prince, auch Red Jonagold genannt. Sie ist leuchtend dunkelrot und beeindruckend süß und knackig.
Neue Apfelsorten
Mittlerweile werden Apfelsorten nicht mehr nur wegen ihres Geschmacks gezüchtet, sondern vor allem wegen bestimmten Eigenschaften, wie zum Beispiel Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Durch gezielte Züchtung können natürliche Resistenzen gegen Schädlinge und Krankheiten verstärkt werden. Diese Resistenzen sind besonders im wachsenden Bioanbau wichtig, da keine synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden können. Auch die Anpassungsfähigkeit an die sich ändernden klimatischen Bedingungen wird zunehmend wichtiger bei der der Züchtung neuer Sorten.
Zu diesen resistenten und besonders für die biologische Landwirtschaft geeigneten Sorten zählen Natyra und Choupette. Die rot-gelbe Natyra ist speziell für ökologische Landwirtschaft gezüchtet und ist etwas süß-säuerlich. Die französische Sorte Choupette Bio ist aufgrund ihrer Resistenz gegen Krankheiten und Pilze eine beliebte Bio-Sorte in Frankreich. Auch sie ist, wie viele moderne Sorten sehr süß und hat eine angenehme Säure.
Moderne Sorten werden aber nicht nur auf ihre Gesundheit hin gezüchtet, auch andere Aspekte sind in unserer Zeit wichtig. Die Sorte Santana ist zum Beispiel besonders Allergiker-freundlich. Ein spezielles Eiweiß im Apfel löst die Allergie aus. Sorten wie Santana, sowie die meisten alten Apfelsorten bilden dieses aber nicht. Somit können sie auch von Leuten verzehrt werden, die eigentlich allergisch auf Äpfel reagieren. Der Nachteil der alten Apfelsorten ist für viele Menschen jedoch, dass sie meist säuerlicher sind als die modernen Sorten. Die Sorte Santana vereint die Widerstansfähigkeit, die für den Bioanbau nötig ist mit der guten Verträglichkeit für Allergiker. Allerdings ist der gelbgrüne bis rote Apfel etwas saurer als die Sorte Elise.
Welche Sorte für den Apfelkuchen?
Möchte man mit Äpfeln backen, sind bestimmte Eigenschaften gefragt. Die Früchte dürfen während des Backens nicht an Aroma und Saftigkeit verlieren. Manche Apfelsorten entfalten ihr ganzes Potenzial sogar erst beim Backen. Gefragt sind festes Fruchtfleisch und ein süß-säuerlicher Geschmack. Einige der beliebtesten Sorten zum Backen, die diese Eigenschaften mitbringen sind:
- Braeburn
- Elstar
- Granny Smith
- Jonagold
- Red Prince
- Fuji
- Gala



