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Landleben

Willkommen auf dem Land. Aktuelle Berichte von den Höfen: Wetter, Anbaumethoden und die Arbeit hinter jeder Ernte.

Ehrlich und direkt erzählt: was funktioniert, was nicht – und was wir daraus lernen.
Kurzberichte, Fotostrecken oder Sprachnotizen direkt vom Feld.

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an. Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft. Reifemerkmale und Etymologie Ein wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet. Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot ist Wir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter. Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker. Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist. Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig. Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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Regen, Regen, Spanien

Darauf waren wir nicht vorbereitet – oder doch? Es regnet buchstäblich seit mehreren Wochen in Spanien. Diese Woche wurde jedoch in mehreren Regionen, vor allem in Andalusien, der Katastrophen-Zustand ausgerufen. Unsere Landwirte haben uns die unten angehängten Bilder geschickt – und in unserem Team waren wir mehrere minutenlang sprachlos. Wir haben schon öfters zu starken Regenfällen berichtet, aber dieses Jahr ist das Ausmaß besonders groß. Die gute Nachricht ist: Allen Landwirten geht es gut! Anhaltende Tiefdruckgebiete brachten intensive Regenfällen, orkanartige Windböen und Flüsse, die über die Ufer getreten sind, mit sich. Unsere Landwirte aus der Region Málaga verzeichnen umgefallene Bäume und schlammige Zufahrtswege, die eine Zufahrt fast unmöglich machen. Leider haben uns auch bereits einige Landwirte informiert, dass sie wahrscheinlich Ernteausfälle haben werden, da Früchte beschädigt wurden. Das kleinere Übel sind dabei wahrscheinlich die Verzögerungen in der Lieferung – es hört nicht auf zu regnen und das bedeutet, dass die Früchte zu nass sind, um sie verschicken zu können; sie würden in den Paketen schimmeln. Haben wir die Lösung nicht schon längst gefunden? Ich spreche mit Maikel, von Finca Habitat aus einem kleinen Ort zwischen Jaén und Granada – eine der am stärksten betroffenen Gebiete. Er schickt mir ein Video, das ihr unten findet – es zeigt die überfluteten Olivenfelder seiner Nachbarn und den reißenden Fluss. Im nächsten Video ist er auf seinen eigenen Feldern und zeigt, wie viel Regen gefallen ist. Er kippt es an seine Bäume, die er in heißen Monaten mit der Wolle seiner Schafe vor Austrocknung schützt und gleichzeitig düngt. „Für mich ist der Regen ein absoluter Grund zur Freude. Es ist wunderbar!“, so der Landwirt. Auf seinen Feldern – nicht einmal eine Pfütze. „Das ist ein Zeichen, dass wir alles richtig machen, Magdalena.“, erklärt er. Maikel hat sich vor über einem Jahrzehnt entschieden, regenerativ anzubauen. In einem der trockensten Gebiete Spanien, schafft er es über seine Praktiken, seine Olivenbäume nicht bewässern zu müssen. Wie geht das? Über eine Bodendeckung, die wie ein Schwamm wirkt und alles Wasser aufsaugt und in tiefere Bodenschichten sickern lässt. Es geht nicht ein Wassertropfen verloren, weil das Wurzelgeflecht eine so hohe Kapazität hat, Wasser aufzunehmen, dass es weder abfließt, noch sich anstaut. Was wäre, wenn wir es schaffen, die Betriebe so resilient zu machen, dass sie aus Extrem-Wetter-Ereignissen ermutigt herausgehen? Hätten wir mit regenerativer Landwirtschaft die Lösung gefunden? Diese Fragen stelle ich mir, wenn ich die Bilder und Videos sehe, die eine so unterschiedliche Sichtweise auf die Situation ermöglichen. Der Wetterbericht zeigt weiter Regen für die nächsten Tage an und wir schätzen zusammen mit den Landwirten jeden Tag neu ein – die Sicherheit geht vor und wir müssen und wohl noch etwas gedulden, bis die Sonne wieder herauskommt.

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Generationswechsel auf Sizilien

Es ist schon das zweite Mal, dass ich Renato von BioAgrumi Monasteri auf seinen Zitrusfeldern in Sizilien treffe. Für mich ist es wie nach Hause kommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Renato deutsch spricht, aber auch an der Herzlichkeit – ein „Buongiorno“ von Renato wärmt wie die Sonne über dem Ätna. Dieser Besuch war etwas ganz Besonderes, weil wir einen Online-Kurs zum Zitrusanbau auf Sizilien gemacht haben. Wenn ihr hier klickt, bekommt ihr Einblicke in die Herausforderungen und die große Liebe zu Berlin, die Renato mit Deutschland verbinden. Der Betrieb war 1998 der erste zertifizierte Bio-Zitrusbetrieb der Region und letztes Jahr konnte Renato die Plantage sogar Demeter-zertifizieren. Dieser Fokus auf Bodenbiologie und Biodiversität baut auf jahrzehntelanger ökologischer Arbeit auf, die schon die Leidenschaft von Angelo, Renatos Vater, war. Renato lebte 5 Jahre in Berlin, bevor er sich entschied, den Betrieb zu übernehmen. „Mein Papa ist unglaublich glücklich über meine Entscheidung.“, sagt er, als ich ihn darauf anspreche. Immer mehr Betriebe der Umgegend schließen, weil sie keine Nachfolger finden. „Ich kenne fast keine Landwirte in meinem Alter und auch keine die Bio machen!“. Nicht jeder sind viele Herausforderungen und Verantwortung für den Betrieb, die Mitarbeiter und natürlich für die eigene Gesundheit. „Mein Tag beginnt 4:30 mit einem Caffè und Vorbereitungen, bis um 6Uhr die Mitarbeiter kommen.“ Ich schaue auf meine Uhr – es ist 18:30 – „ich bin mindestens noch bis 21Uhr hier, weil wir die Bestellungen für morgen vorbereiten und noch sauber machen müssen“, so Renato. Es ist ganz klar – ohne Leidenschaft und viel Mut wären die Hürden sicher unüberwindbar.

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Agroforst in Südspanien

Mandeln, Schafe und Träume: Zu Besuch bei Pedro in Andalusien Ich treffe Pedro auf dem Familien-Gut Doña Marina nahe der Sierra Nevada in Granada.  Es ist Herbst und noch relativ warm, doch sobald die Sonne untergegangen ist, merke ich, wie unterschiedlich die Temperaturen sind – im sommer flimmernd heiß und im Winter frostig kalt. Pedro erzählt mir, dass das Gut früher ein Dorf mit 80 Bewohnern war; es gab sogar eine Schule und eine kleine Kapelle, in der Pedro später selbst heiratete. Diese tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat spiegelt sich überall wider: Auf der Tüte für die Mandeln, die Pedro selbst entworfen hat, findet man die Umrisse des historischen Anwesens als liebevolle Hommage an vergangene Zeiten. Vor einigen Jahren begann Pedro mit einem wegweisenden Agroforst-Projekt. Dabei designte er zusammen mit seinem Vater ganzheitliche Konzepte: Die Bäume spenden seinen Schafen Schatten, ihre Früchte sind bei ihnen besonders beliebt, ihr Dung wiederum nährt den Boden. Da Granada zu einer der trockensten Regionen Spaniens gehört, ist ein gesunder Boden, der jeden Tropfen Regenwasser im Boden speichern kann, ein Schlüsselaspekt im Management des Hofes. Pedro nutzt ein einfaches, aber effektives Mittel: Er verwendet die Mandelschalen als Mulch, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten und Verdunstung zu reduzieren. Er erklärte mir aber auch, dass zu viel Mulch dem Boden auch schaden kann, weshalb er hier mit viel Fingerspitzengefühl vorgeht. Um die jungen Bäume vor seinen neugierigen Schafen zu schützen, nutzt er ganz pragmatisch Europaletten als Schutzgitter. 🐑 Der Traum von den Wurzeln Es ist fast offensichtlich, aber dennoch brennt mir die eine Frage unter den Nägeln – welchen Plan hat er für die Zukunft? Sein Traum ist es, das alte Dorf wieder zum Leben zu erwecken; für Workshops für Landwirte, Yoga-Kurse und Kinderferienlager. In Spanien sind mitterlerweile fast 42% der Gemeinden von Entvölkerung bedroht und Träume wie Pedros, geben Hoffnung, dass Doña Marinas Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben ist.

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Bio-Quinoa aus Hessen

Von den Anden nach Frankfurt Du kannst dir unser komplettes Live-Video hier anschauen. Eine Studienkollegin von Johannes mit einer Gluten-Unverträglichkeit klagte lange über die hohen Co2-Emissionen, die der Import von Quinoa aus Südamerika, mit sich bringt. Das war der Schlüsselmoment, als sich Johannes entschied, über Quinoa zu forschen und vor allem, herauszufinden, ob sich das Pseudo-Getreide nicht auch in Deutschland anbauen ließe. Zusammen mit Mitgründer Simon, war nach dem Master-Studium schnell klar, dass das der Fall ist. Wir  erwischten den letzten Erntetag der Saison. Besonders an heißen, trockenen Tagen muss die Quinoa schnell vom Feld geholt werden. Feuchtigkeit ist hier der größte Feind, da sie die empfindliche Ernte sofort schädigen könnte – eine echte Herausforderung, in diesem nassen Sommer. Das Besondere an Johannes’ Methode: Die Quinoa wird nach der Ernte direkt getrocknet und nicht gewaschen. Das spart nicht nur enorme Mengen an Wasser, sondern benötigt auch sehr wenig Energie. Dieser Prozess verhindert Schimmelbildung und bereitet die Körner perfekt auf die weitere Verarbeitung vor, ohne die Umwelt unnötig zu belasten. Der Landwirt erzählt uns, dass die Nachfrage nach Quinoa in Europa und vor allem Deutschland, schon vor über 10 Jahren begann und dass dies die Landwirte in den Anden-Regionen in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat. Großflächige Anbaugebiete wurden geschaffen, um die immer steigende Nachfrage aus dem Ausland zu bedienen, wobei sich lokale Wirtschaftsstrukturen so stark veschoben haben, dass Quinoa als Grundnahrungsmittel fast nicht mehr erschwinglich ist. Johannes und Simon haben sich für eine Produkterweiterung entschieden, so dass sich in ihrem Sortiment mittlerweile innovative Produkte wie vegane Bolognese oder knuspriges Quinoa-Müsli finden – allesamt Beweise dafür, wie vielseitig das regionale Korn einsetzbar ist. Hier findest du mehr Informationen zu Mudda Natur.

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