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Landleben

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Veröffentlicht März 2026

Ökologisch, Ökonomisch und Sozial: Anbau von Quinoa in Deutschland – Im Interview mit Johannes Decker von den Feldhelden Rheinland

Johannes Decker baut gemeinsam mit seinem Bruder Thomas Decker und seiner Schwägerin Verena Decker seit 2019 vor den Toren Kölns Quinoa an. Mit dem Anbau will er eine nachhaltige Alternative mit hervorragender CO2-Bilanz im Vergleich zum importierten Quinoa anbieten. Für ihn und seine Familie steht ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Boden und der Umwelt an erster Stelle. Wie der Anbau von Quinoa dazu beitragen kann, erklärt er uns im Interview. 

Was bedeutet für dich nachhaltige Lebensmittelproduktion?

Nachhaltige Lebensmittelproduktion bedeutet für mich die Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Kriterien. Wir wollen gesunde und sichere Lebensmittel herstellen, die die Umwelt schonen, sparsam auf natürlichen Ressourcen zurückgreifen und dabei ein Bewusstsein für die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die biologische Vielfalt in Böden und Gewässern schaffen. Auch kurze Transportwege, die Reduzierung von Lebensmittelabfällen und die faire Entlohnung aller beteiligten Partner in der Produktionskette, gehören für mich unweigerlich dazu.

Was macht den Anbau von Quinoa in Deutschland so nachhaltig?

Für den Anbau von unserer Quinoa werden keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Wir setzen auf eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung und unterstützen die lokale Biodiversität mit Blühstreifen. Der in Deutschland konsumierte Quinoa ist fast ausschließlich aus Südamerika importiert. Der regionale Anbau von Quinoa reduziert die durch den Transport verursachten CO2-Emissionen um 99,4% im Vergleich zu importierter Quinoa aus Südamerika.

Wie wichtig sind Fruchtfolgen für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion und welche Rolle spielt der Anbau von Quinoa dabei?

Vielfältige Fruchtfolgen minimieren den Schädlingsbefall, weil so verhindert wird, dass sich pflanzentypische Schädlinge auf die Folgekulturen ausbreiten. Die verschiedenen Kulturen wurzeln zusätzlich verschieden tief in den Boden und benötigen unterschiedlich Nährstoffe, bzw. geben dem Boden auch Nährstoffe zurück. Das hat den Vorteil, dass mit natürlichen Mitteln für einen lockeren und hochwertigen Boden gesorgt werden kann. Wir bauen auf unserem Betrieb 7 verschiedene Kulturen an und stellen damit sicher, dass jedes Jahr eine andere Kultur auf dem Feld steht. Quinoa als Pflanze steht länger auf dem Feld als z.B. Getreide und bietet daher Insekten und anderen Tieren länger einen Lebens- und Schutzraum.

Welche Herausforderungen gibt es beim Anbau von Quinoa?

Es gibt nur wenig vorhandenes Know-how über den Anbau von Quinoa in Deutschland. Das was wir hier machen ist richtiges “learning by doing”. Es ist darüber hinaus sehr schwierig den richtigen Erntezeitpunkt abzuschätzen, da Quinoa nicht zu einem genauen Zeitpunkt zu 100% reif ist. Als Herausforderung sehe ich auch die aufwendige Weiterverarbeitung nach der Ernte.

Wie können sich Verbraucher*innen für nachhaltige Produktionsmethoden einsetzen?

Auf jeden fall sollten Verbraucher*innen regionale und saisonale Produkte beim Einkauf bevorzugen und auf die Labels für regionale Produkte achten. Hier lohnt es sich immer ganz besonders genau hinzuschauen, dass die Produkte auch wirklich aus der Region stammen. Ich denke es ist auch immer wichtig, die Lebensmittelproduzent*innen nach der Herkunft und den Produktionsmethoden ihrer Produkte zu fragen. Verbraucher*innen erfahren dann, wie viel Mühe und Arbeit in den Lebensmitteln steckt und können sie folglich mehr wertschätzen.

Warum hast du dich für die Direktvermarktung über die Marktschwärmer entschieden und gibt es noch andere Vermarktungswege , die von euch genutzt werden?

Uns ist es wichtig den direkten Draht zu unseren Kund*innen aufzubauen und zu halten. Dabei bieten uns die Marktschwärmer eine super Plattform, um ein größeres Publikum auf unser regionales Produkt aufmerksam zu machen und unsere Geschichte zu erzählen. Wir können Verkostungen anbieten und persönlich zu Verteilungen kommen, soweit das zeitlich möglich ist. Das Feedback im direkten Austausch mit unseren Kund*innen hilft uns sehr weiter. Darüber hinaus sind wir durch die Marktschwärmer mit weiteren Erzeuger*innen in den Austausch gekommen und können uns über Erfahrungen in der Vermarktung austauschen. Neben den Marktschwärmern vermarkten wir unsere Quinoa an Unverpackt-Läden, die Gastronomie sowie den Einzelhandel.

Eine Packung Quinoa (300g) kostet bei euch 3,99 Euro. Kannst du einmal erläutern, wie sich dieser Preis zusammensetzt, damit Kund*innen verstehen, wie dieser Preis zustande kommt?

Mit dem Preis decken wir unsere Kosten für das Saatgut, den Anbau, die Weiterverarbeitung, die Abpackung, die Lagerung, den Transport, Gehälter sowie weitere Allgemeinkosten. Quinoa ist sowohl für uns als auch für unsere Region absolut neu, sodass wir in den vergangenen drei Jahre beispielsweise stark schwankende Ernteerträge hatten. Pionierarbeit geht mit finanziellen Investitionen einher. Uns ist es wichtig dabei alle beteiligten Partner*innen fair zu entlohnen. Umso besser wenn es am Ende allen schmeckt und wir gemeinsam eine gesunde Ernährung zu einem fairen Preis mit gutem Gewissen genießen können.

 

Wir bedanken uns bei Johannes Decker für das interessante Gespräch. Die Quinoa von den Feldhelden Rheinland bekommst du in Schwärmereien rund um Köln, Bonn, Dortmund und Bochum. Probiere es unbedingt aus!

Geschrieben von foodassemblyde

foodassemblyde

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Landleben

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Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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