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Landleben

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Veröffentlicht März 2026

“Das Lebensmittelhandwerk ist ein hohes Gut, für das es sich einzusetzen lohnt” – Im Interview mit Michaela Hein vom Presswerk die Ölmanufaktur

Seit 2016 verarbeitet der Betrieb von Michaela Hein, die Ernte von über 1000 Haselnusssträuchern zu Haselnussöl. Schnell kamen weitere heimische Ölfrüchte wie Sonnenblumenkerne, Raps, Lein und Leindotter hinzu. Welche Rolle Nachhaltigkeit und Regionalität in der Ölproduktion spielen und warum es so wichtig ist, das Lebensmittelhandwerk zu unterstützen, hat sie uns im Interview erklärt.

Was bedeutet für dich nachhaltige Lebensmittelproduktion und welche Rolle spielt Regionalität dabei?

Nachhaltige Lebensmittelproduktion heißt für mich Handeln für die Zukunft und dabei Stabilität und Langlebigkeit erzielen. Für mein kleines Unternehmen spielen dabei vor allem die Herkunft der Rohstoffe eine wichtige Rolle: nämlich möglichst regional. Aber ehrlicherweise ist nicht jede Saat regional und in guter Qualität erhältlich. Ich beziehe meine Rohstoffe von Landwirt*innen, die ihren Saaten-Anbau auf die Voraussetzungen des Bodens und den klimatischen Bedingungen ihrer Region angepasst haben. Alle Rohstoffe kommen aus nachhaltigem Anbau ohne Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln. Mir ist die natürliche Fruchtbarkeit, Vitalität und Gesundheit von Boden, Pflanzen und Tieren ein besonders wichtiges Anliegen. Die Regionalität ist bei einer nachhaltigen Ölproduktion sehr entscheidend. Wir beziehen unsere Saaten und Nüsse direkt bei den Erzeuger*innen oder Erzeuger*innengemeinschaften ohne Zwischenhändler*innen und können somit allen in der Wertschöpfungskette faire Preise bezahlen.

Warum ist es so wichtig, das Lebensmittelhandwerk zu unterstützen?

Das Lebensmittelhandwerk braucht unsere Unterstützung, weil es die Versorgung der Menschen im Land und in der Region langfristig sichert. Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie schnell globale Lebensmittellieferketten an ihre Belastungsgrenze stoßen und wie wichtig ein gutes Versorgungssystem vor Ort ist. Die Unterstützung des Lebensmittelhandwerks ist zudem unglaublich wichtig, weil für z.B. Müller*innen, Bäcker*innen, und Fleischer*innen die ganze eigene Existenz darauf basiert und mit dieser Tätigkeit der komplette Lebensunterhalt bestritten werden muss. 
Das Lebensmittelhandwerk ist ein hohes Gut, für das es sich einzusetzen lohnt, auch weil es durch die kurzen Transportwege viel nachhaltiger ist, Arbeitsplätze schafft und faire Preise sowie eine gerechte Entlohnung ermöglicht.

Wie unterscheidet sich handwerklich erzeugtes Öl von Produkten aus der Industrie?

Es unterscheidet sich definitiv im Geschmack und in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Die Qualität der Rohware und das schonende Herstellungsverfahren sorgen für natürlich intensive Aromen. Bei der Kaltpressung bei maximal 40°C bleibt der arttypische Geschmack erhalten und Vitamine, Vitalstoffe und wertvolle Fettsäuren gehen nicht verloren.
Unsere Öle sind naturbelassen und schmecken auch intensiver, weil bei uns immer nur kleine Mengen gepresst werden. In unserer Ölmanufaktur wird noch viel Handarbeit betrieben, von der Befüllung der Schneckenpresse über das Abfüllen bis zum Verschließen der Flaschen. Selbst das Etikettieren wird bei uns noch händisch erledigt. Es ist immer aufs Neue eine Freude, wenn Kund*innen das kaltgepresstes Speiseöl probieren und vom natürlichen und typischen Geschmack der jeweiligen Sorte begeistert sind. 

Wie wird eure Ölmühle angetrieben und was passiert mit den Abfallstoffen, die bei der Produktion anfallen?

Unsere Ölmühle läuft seit der Gründung mit Sonnenenergie. Zusätzlich beziehen wir Energie über unsere Hackschnitzelanlage, die mit eigenem Holz betrieben wird. Bei der Ölherstellung entsteht der Presskuchen als sogenanntes Nebenprodukt. Diesen Presskuchen können wir zu 100 % wiederverwerten und z.B. zu Mehl und Nudeln weiterverarbeiten oder an unsere Produzent*innen als Tierfutter weitergeben, sodass auch in einer kleinen Ölmanufaktur eine Kreislaufwirtschaft entstehen kann. 

 

Wir bedanken uns bei Michaela Hein für das interessante Gespräch und den Einblick in ihren Betrieb. 

Geschrieben von foodassemblyde

foodassemblyde

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Landleben

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Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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