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CrowdFarming

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Veröffentlicht März 2026

“Heute sind wir eine stärkere Gemeinschaft als vor Corona” – Im Interview mit unser regionalen Botschafterin Fanny Schiel

Den Aufbau von Schwärmereien unterstützen, regelmäßige Gastgeber*innen Treffen organisieren und Pilotprojekte anschieben – als regionale Botschafterin übernimmt Fanny Schiel aus Dresden viele zusätzliche Aufgaben. Die junge Unternehmerin hat ihre erste Schwärmerei im November 2016 eröffnet, seitdem ist viel passiert. Im Interview berichtet sie von der Entwicklung ihrer Schwärmereien, den größten Herausforderungen der letzten Jahre und motiviert zum Weitermachen mit inspirierenden Geschichten aus dem Netzwerk.

Wie bist du zu Marktschwärmer gekommen und was hat dich motiviert, eine eigene Schwärmerei aufzubauen?

Ich habe eine Zeit lang in Frankreich studiert und kann mich daran erinnern, dass ich dort zum ersten Mal von dem Konzept „Wind bekommen“ habe, ohne wirklich zu wissen, was es eigentlich ist. Als ich dann 2015 zurück nach Berlin gekommen bin, wurde es plötzlich auch hier bekannt, allerdings noch unter dem alten Namen “Food Assembly”. Kurz danach bin ich zurück in meine Heimat nach Dresden gezogen und habe direkt geschaut, ob es den regionalen Feierabendmarkt auch hier vor Ort gibt. In meinem Stadtteil sah die Nahversorgung eher dürftig aus und für mich als Berufstätige wurde es unmöglich, am Freitagvormittag auf dem Markt einzukaufen. So kam dann eins zum anderen. Ich hatte das große Bedürfnis, bessere Lebensmittel von regionalen Erzeuger*innen zu beziehen, so wie ich es aus meiner Studienzeit im Ausland kannte. Im November 2016 habe ich die Marktschwärmerei in Dresden Friedrichstadt eröffnet. Sie ist mein erster und jetzt größter Standort mit ca. 3700 Mitgliedern. Bald eröffne ich meinen vierten Standort in Dresden Pieschen.

 

Wie wurde das Konzept am Anfang angenommen und wie hat sich deine Schwärmerei seitdem entwickelt?

Der Aufbau meiner ersten Schwärmerei hat damals recht lange gedauert. Das Konzept war in Deutschland zu dem Zeitpunkt noch sehr neu und es gab nur wenige Standorte in Berlin, Köln und, immerhin, Chemnitz. Im Februar 2016 habe ich das erste Mal Kontakt zu den Marktschwärmern in Berlin aufgenommen. Bis zur Eröffnung hat es dann noch 9 Monate gedauert. Am Anfang musste ich sehr viel Überzeugungsarbeit leisten und vor allem Erzeuger*innen den Aspekt der digitalen Vorbestellung über die Plattform erklären. Ich habe viele Personen in Einzelgesprächen „angequatscht“ oder Infostände z. B. auf dem Handmade oder Streetfood Markt in Dresden organisiert. Einige Erzeuger*innen haben mir angeboten, dass ich mich zu ihrem Marktstand dazustelle, um dort von dem Projekt zu erzählen und Flyer zu verteilen, um weitere Mitglieder für die Schwärmerei zu gewinnen. Auf diese Weise habe ich auch einige neue Erzeuger*innen kennengelernt und von dem Konzept überzeugt. Lange Zeit hatte ich einen starken Engpass bei den Molkereiprodukten. Es mussten viele Gespräche mit Betrieben geführt werden, bis ich eine ansprechende Produktvielfalt anbieten konnte. Zu der Zeit hatte ich gerade erst einen neuen Job in einem IT-Startup angenommen, habe aber bald gemerkt, dass dieser Bereich nicht das Richtige für mich ist. Parallel lernte ich so viel Neues über Landwirtschaft, was mir viel mehr Freude bereitet hat. Die Nachfrage aus anderen Stadtteilen wurde immer größer, die Erzeuger*innen waren motiviert und angespornt von dem außergewöhnlichen Gemeinschaftsgefühl und der positiven Resonanz, sodass ich anderthalb Jahre später meinen zweiten Standort in Dresden Striesen eröffnet habe. Seit dem wachsen wir gemeinsam weiter.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für deine Erzeuger*innen und wie können Verbraucher*innen und das Marktschwärmer-Konzept dazu beitragen, diese Herausforderungen zu lösen?

Ich sehe die Herausforderung für Erzeuger*innen vor allem im Bereich der Logistik. Viele haben nicht die Zeit, mehrmals die Woche in die Stadt zu kommen und bei den Verteilungen anwesend zu sein. Dabei ist gerade dieser persönliche Kontakt zwischen den Erzeuger*innen und Kund*innen unglaublich wichtig. Bei den Verteilungen können die Erzeuger*innen Aufklärungsarbeit leisten. Kund*innen haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und den Erzeuger*innen Rückmeldung zu ihren Produkten zu geben. Ich bin relativ strikt was das Thema Anwesenheit angeht und wünsche mir, dass die Erzeuger*innen regelmäßig vor Ort sind. Ist das nicht möglich, müssen individuelle Lösungen gefunden werden. 

Eine weitere Herausforderung sind die gestiegenen Preise beim Verpackungsmaterial, vor allem bei der Glasware. Zwar haben wir in den Schwärmereien schon ein Pfandsystem für Glasware entwickelt, aber nicht alles kommt in so einem Zustand zurück, dass man es wiederverwenden kann. Gläser, Eierpappen und Papiertüten nehmen wir nur zurück, wenn sie sauber sind. Es ist schwierig diese Botschaft bei den Verbraucher*innen richtig zu platzieren. An dieser Stelle ist sehr viel Geduld und Feingefühl gefragt. Jeder darf etwas beitragen – wir bleiben nur in Gemeinschaft nachhaltig erfolgreich.

Welche extra Aufgaben übernimmst du als regionale Botschafterin und wie hat sich dein regionales Netzwerk entwickelt, seitdem du regionale Botschafterin bist? 

Ich übernehme vor allem beratende Tätigkeiten, unterstütze Gastgeber*innen im Aufbau ihrer Schwärmereien und schaue, wo wir in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch nicht vertreten sind, um dort gezielt Standorte anzuschieben. Als Botschafterin organisiere ich regelmäßig Gastgeber*innentreffen für die Regionen Lausitz, Mittelsachsen, Leipzig und Westsachsen, um den Austausch und die Zusammenarbeit unter den Gastgeber*innen zu fördern. 

Zusätzlich bin ich gemeinsam mit dem Projektteam aus Berlin an der Organisation von Satellitenprojekten beteiligt. Im Moment haben wir eine Kooperation mit der Deutschen Bahn am Laufen und planen die Eröffnung von Bahnhofsschwärmereien in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Ich übernehme die Bewerbung der Standorte und baue dort Gastgeber*innen- und Erzeuger*innen-Netzwerke auf. An dieser Stelle leiste ich als Botschafterin besonders viel Struktur- und Kommunikationsarbeit. 

Als meine Gastgeberinnen-Tätigkeit mehr als ein Hobby wurde, habe ich meinen Job in der IT aufgegeben und über einen Gründungszuschuss den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Eigentlich war mir schon mit der Eröffnung meines dritten Standortes klar, dass ich das hauptberuflich machen möchte. Am Anfang habe ich noch alle Standorte selbst betreut. Mittlerweile habe ich drei Mitarbeiterinnen eingestellt, die sich jeweils um einen Stammstandort kümmern.

Im letzten Jahr haben alle Schwärmereien einen starken Zuspruch erfahren – du und deine Erzeuger*innen standen aber gleichzeitig durch Lockdown-Maßnahmen vor großen Herausforderungen: Kannst du uns trotzdem eine schöne Geschichte oder Anekdote aus dieser Zeit teilen, an die du dich selbst gern erinnerst?

Im letzten Jahr gab es immer wieder Anfragen von Kund*innen, die uns gerne unterstützen wollten. Einige sind regelmäßig in die Schwärmerei gekommen und haben mich bei der Verteilung unterstützt und „einfach angepackt“. Das berührt mich immer – wenn Kund*innen ein Teil von uns werden wollen statt „nur“ einzukaufen. Daraus ist zum Beispiel eine meiner jetzigen Mitarbeiterinnen entstanden. Dafür war und bin ich sehr dankbar.

Durch die Pandemie haben wir auch einige Gastronom*innen dazugewonnen, die über Marktschwärmer fertig zubereitete Mahlzeiten und hochwertige Convenience-Produkte im Glas angeboten haben. Einige Gastronom*innen sind auch jetzt noch dabei und verarbeiten Produkte von unseren Erzeuger*innen weiter. Das ist dann einer meiner Lieblingsmomente, wenn ich von so einer Kooperation erfahre. Zuletzt gab es zum Beispiel von unserem Bäcker ein sehr leckeres Spargelbrot – mit Spargel von unserem Spargelhof. Oder aber: Erzeuger*innen, die in der Vergangenheit nur alle 14 Tage da waren, sind durch Corona in den wöchentlichen Turnus übergegangen. Langsam merke ich aber, dass das Normalgeschäft wieder los geht.

Viele Erzeuger*innen sind im letzten Jahr an ihre Belastungsgrenze gestoßen. Wir hatten binnen zwei Wochen plötzlich eine Verdopplung der Bestellzahlen. Die Erzeuger*innen haben sehr viel gearbeitet und ihre Kapazitätsgrenzen voll ausgeschöpft. Die Stimmung war teilweise sehr angespannt, die Verteilungen hektisch, die Logistik verzögert und fehleranfällig. In Sachsen wurden neben der Gastronomie auch urplötzlich die Wochenmärkte für zwei Wochen geschlossen. Viele Erzeuger*innen sind in große Sorge geraten und hatten durchaus Existenzängste. Es waren Momente zwischen Aufschwung, mit sehr viel Motivation, bei gleichzeitiger Panik, Ungewissheit und Angst vor weiteren Einschränkungen, die auch unsere Verteilungen in den drei Schwärmereien und Sachsen insgesamt hätten betreffen können. Zum Glück konnten die Schwärmereien unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln die ganze Zeit über geöffnet bleiben. Alles hat sich irgendwie „zurechtgeruckelt“. Im Nachhinein aber hielt die Zeit für uns alle ein paar sehr emotionale Momente bereit. Die tiefe Dankbarkeit der Kund*innen und das starke Gemeinschaftsgefühl haben aber über den gesamten Lockdown-Zeitraum zum Durchhalten motiviert – und wir sind heute eine stärkere Gemeinschaft als vor Corona. Das macht mich stolz.

 

Geschrieben von foodassemblyde

foodassemblyde

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Die Frage: Warum Fleisch?

Der Weg hin zu einem wirklich regenerativen Agrarsystem verläuft oft auf unerwartete Weise. Für viele unserer Bio-Landwirte begann dieser Weg mit der Einführung von Zwischenfrüchten – Pflanzen, die nicht in erster Linie zur Ernte angebaut werden, sondern zum Schutz und zur Verbesserung des Bodens. Doch die Bewirtschaftung dieser Zwischenfrüchte, insbesondere in komplexen Landschaften wie den terrassierten Avocado-Hainen in Südspanien oder den hügeligen Weinbergen, in denen Maschinen nur eingeschränkten Zugang haben, stellte eine neue Herausforderung dar. Auf der Suche nach Lösungen entdeckten diese Landwirte einen alten Verbündeten neu: Nutztiere.Sie stellten fest, dass Tiere bemerkenswert gut darin sind, Beikraut und Zwischenfrüchte zu regulieren. Die Integration von Weidetieren brachte eine Reihe positiver ökologischer Effekte mit sich. Ihr Mist liefert eine natürliche Quelle für Dünger, reich an Nährstoffen und organischer Substanz, die die Bodengesundheit stetig verbessert. Die sanfte Bodenbewegung durch ihre Hufe kann helfen, verdichtete Oberflächen aufzubrechen und Samen in den Boden zu drücken, was die Keimung und Pflanzenvielfalt fördert. Beim Weiden trampeln sie Pflanzenmaterial nieder, wodurch eine natürliche Mulchschicht entsteht, die den Boden vor Erosion schützt und Feuchtigkeit speichert. Darüber hinaus können Tiere Samen in ihrem Fell oder Verdauungssystem transportieren, was zur Verbreitung von Pflanzenarten beiträgt und die Biodiversität erhöht – ein Prozess, der als Zoochorie bezeichnet wird. Im Grunde wurden Nutztiere zu aktiven Partnern bei der Regeneration des Landes: Sie tragen nicht nur zur Bodengesundheit bei, sondern unterstützen auch eine größere Artenvielfalt, einschließlich wichtiger Bestäuber, die sich von vielfältigen Weiden ernähren, sowie eine wachsende Zahl von Bodenmikroben und Regenwürmern, die vom Kreislauf organischer Substanz profitieren.Diese Wiederentdeckung machte jedoch ein weiteres dringliches Problem deutlich: den Mangel an Schäfern und qualifizierten Tierhütern. Über Generationen hinweg waren Schäfer die Hüter der Landschaft und führten ihre Herden so, dass es sowohl den Tieren als auch den Ökosystemen zugutekam. Doch eine Vielzahl von Faktoren, darunter der Anstieg intensiver Haltungssysteme, geringe wirtschaftliche Erträge traditioneller Schaf- und Ziegenprodukte, ein anspruchsvoller Lebensstil, sich verändernde Landnutzungsrichtlinien und eine alternde ländliche Bevölkerung, hat zu einem deutlichen Rückgang ihrer Zahl geführt.Wir haben uns immer wieder diese Fragen gestellt: Wie können wir bei CrowdFarming die wichtige Integration von Weidetieren in regenerative Systeme fördern, wenn die Menschen, die über das dafür nötige Wissen verfügen, immer weniger werden? Oder, wenn Betriebsleiter die Herdenführung selbst übernehmen: Wie könnten wir eine mögliche Einkommensquelle ignorieren, die ihre Lebensgrundlage stärkt, insbesondere, wenn sie so gut mit unserem Modell der direkten Verbindung harmoniert?Diese Pionierbetriebe stehen jedoch häufig vor erheblichen Herausforderungen. Sie stehen unter starkem Wettbewerbsdruck durch intensive Landwirtschaft, müssen hohe finanzielle Investitionen für die Bio-Zertifizierung tätigen und haben nur begrenzten Zugang zu Märkten, die ihr Engagement für hervorragende Umwelt- und Tierschutzstandards tatsächlich honorieren.Diese Erfahrungen und Beobachtungen haben zu einem neuen Schritt bei CrowdFarming geführt. Aus unserem Engagement heraus, Landwirte zu unterstützen, die an der Spitze biologischer und regenerativer Arbeitsweisen stehen, führen wir verantwortungsvoll erzeugte Fleischprodukte in unseren Katalog ein,  als Weiterentwicklung unseres bestehenden Modells. Durch die Schaffung eines stabilen und direkten Verkaufskanals möchten wir die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Landwirte stärken und ihnen helfen, den Übergang zu – oder den Erhalt von – regenerativen und biologischen Systemen zu ermöglichen.Und wir gehen diesen Schritt nach viel Überlegung und Gesprächen. Debatten, sowohl intern als auch extern, mit Menschen, die uns in dieser Entscheidung unterstützen, und anderen, die sich gewünscht hätten, dass wir diesen Schritt nicht gehen. Ich möchte besonders der Gruppe veganer Kollegen bei CrowdFarming danken, die sich konstruktiv eingebracht und eine gut begründete Perspektive aufgezeigt haben.Dies ist eine gereifte Entscheidung, die wir entschlossen treffen, in der Überzeugung, dass ein maßvoller Konsum von Fleisch aus Betrieben, die unsere Werte teilen, uns helfen kann, eine nachhaltigere Lebensmittellieferkette aufzubauen.Wer dazugehörtDie Produzenten, die an dieser neuen Initiative teilnehmen, werden bio-zertifiziert sein (oder sich im Zertifizierungsprozess befinden), ihre Tiere werden überwiegend auf der Weide gehalten, und die Betriebe werden aktiv messbare regenerative Praktiken umsetzen.Für diejenigen, die mit der Terminologie nicht vertraut sind, ist es wichtig, diese Begriffe zu klären:Ökologische Landwirtschaft: Innerhalb der EU unterliegt der ökologische Landbau strengen Vorschriften. Diese verlangen, dass Tiere überwiegend im Freien mit ausreichend Platz gehalten werden, dass ihr Futter aus biologischen Quellen stammt und dass die Verwendung genetisch veränderter Organismen (GVO) verboten ist. Darüber hinaus gibt es strenge Beschränkungen für den Einsatz von Antibiotika und anderen tierärztlichen Behandlungen. Diese Bio-Grundsätze, kombiniert mit unseren Weideanforderungen, schließen intensive Praktiken wie dauerhafte Stallhaltung oder Mast in Feedlots grundsätzlich aus.Weidefütterung: Ein großer Teil der ökologischen Landwirtschaftsfläche in der EU – etwa 44 % – besteht aus Dauergrünland. Wenn dieses Grünland regenerativ bewirtschaftet wird, ist das Potenzial für einen erheblichen positiven Umwelteinfluss groß. Für Pflanzenfresser (z. B. Rinder, Schafe) innerhalb dieser Initiative besteht die Ernährung zu 100 % aus Gras und Weidefutter. Für Allesfresser (z. B. Schweine) müssen mindestens 70 % der Ernährung aus Weide stammen, während der Rest aus zertifiziertem Bio-Ergänzungsfutter besteht. Wichtig ist, dass die Definition von Weidefutter in diesen Standards übliche intensive Futtermittel, wie Getreide (Mais, Weizen, Gerste), Sojaschrot, Körnerleguminosen (Erbsen, Bohnen) und bestimmte industrielle Nebenprodukte, ausschließt.Regenerative Landwirtschaft: Für CrowdFarming bedeutet dies ein Engagement über die üblichen Bio-Praktiken hinaus, mit dem Fokus auf der aktiven Verbesserung des landwirtschaftlichen Ökosystems. Es handelt sich um einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem die Wiederherstellung und Verbesserung der Bodengesundheit, die Förderung der Biodiversität und die Verbesserung der Wasserkreisläufe im Mittelpunkt stehen. Viehhalter, die an dieser Initiative teilnehmen, halten sich an die Bio-Grundsätze (oder befinden sich in der Umstellung), erfüllen unsere Weidestandards und folgen dem Mess-, Bericht- und Verifizierungsprotokoll (MRV) des Regenerativen Landwirtschaftsprogramms von CrowdFarming. Dies stellt sicher, dass die Praktiken zu messbaren positiven Ergebnissen führen, die überwacht und über unseren Regenerationsindex öffentlich gemacht werden. Zu den wichtigsten Praktiken gehört häufig das Rotationsweiden, das die natürliche Bewegung von Wildherden nachahmt, den Weiden Erholungsphasen ermöglicht, Überweidung verhindert und die Regeneration des Bodens fördert, ebenso wie die Entwicklung vielfältiger Weiden.Transparenz: Ein unverrückbarer Grundsatz im Zentrum des CrowdFarming-Modells. Die Authentizität der landwirtschaftlichen Praktiken für dieses neue Fleischangebot wird durch mehrere robuste Ebenen der Überprüfung gewährleistet:– Die offizielle EU-Bio-Zertifizierung.– Ein internes Protokoll, überwacht von unseren Agronomieteams, zur Sicherstellung der Mindestweidenutzung.– Das MRV-Framework, das integraler Bestandteil des CrowdFarming-Regenerationsindex ist.Klarstellung zu Methan, CO₂ und N₂ODiskussionen über Tierhaltung führen unweigerlich zu Treibhausgasen, und einige der ersten Argumente drehen sich oft um Rinder-Methan (contra) oder die Fähigkeit von Weiden, Kohlenstoff zu speichern (pro). Die Realität ist jedoch komplexer  und erfordert eine offene und präzise Betrachtung.Methan: Wiederkäuer produzieren Methan während der Verdauung. Im Gegensatz zu Kohlendioxid (CO₂), das über Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleibt, ist Methan ein starkes, aber „kurzlebiges“ Gas, das sich innerhalb von etwa 10–12 Jahren abbaut – was bedeutet, dass es nicht denselben Erwärmungseffekt wie CO₂ hat. Obwohl die globalen Methanemissionen in allen Sektoren (einschließlich fossiler Brennstoffe und Deponien) reduziert werden müssen, zeigt die Klimawissenschaft, dass eine vollständige Eliminierung landwirtschaftlichen Methans nicht erforderlich ist, um die Temperaturen zu stabilisieren. Strategien, die mit weidebasierten Systemen kompatibel sind, wie die Verbesserung der Tiergesundheit, die Zucht emissionsärmerer Tiere und möglicherweise die Optimierung der Futterdiversität, bieten Wege für nachhaltige Reduktion.Kohlenstoffbindung: Gut bewirtschaftete Weiden und Systeme mit integriertem Baumbestand (Agroforstwirtschaft) haben das Potenzial, CO₂ aus der Atmosphäre zu binden und als Kohlenstoff in Böden und Biomasse zu speichern. Die genaue Menge und langfristige Stabilität dieser Bindung ist komplex und variiert stark in Abhängigkeit von Bodenart, Klima und Nutzungsgeschichte. Trotzdem tragen diese Praktiken wesentlich zur Bodengesundheit und zur Resilienz von Ökosystemen bei,  selbst wenn der Kohlenstoffeffekt allein schwer quantifizierbar bleibt. CrowdFarming konzentriert sich darauf, Praktiken zu überprüfen, die bekanntermaßen die Bodengesundheit verbessern, anstatt spezifische „klimaneutrale“ oder „CO₂-negative“ Versprechen auf Betriebsebene abzugeben, die jährlich schwer zuverlässig nachzuweisen wären.Distickstoffmonoxid (N₂O): Ein langlebiges und starkes Treibhausgas. N₂O-Emissionen aus der Landwirtschaft stehen stark im Zusammenhang mit der Verwendung synthetischer Stickstoffdünger und mit konzentrierter Güllelagerung. Durch die Forderung nach Bio-Zertifizierung (keine synthetischen Dünger) und die Förderung weidebasierter Systeme (geringere Konzentration von Gülle) reduziert unser Ansatz die Risiken im Vergleich zu intensiven Systemen erheblich. Darüber hinaus kann die Einbindung stickstofffixierender Leguminosen wie Klee die Notwendigkeit externer Stickstoffquellen deutlich verringern und damit N₂O-Emissionen weiter reduzieren.Ein besseres Angebot machenDiese Initiative geht weit über die Einführung einer neuen Produktkategorie hinaus. Ihr Kernanliegen besteht darin, Landwirte, die führend im Bereich ökologischer und regenerativer Tierhaltung sind, wirtschaftlich zu unterstützen. Durch die Schaffung eines direkten und stabilen Absatzkanals wollen wir ihnen ein verlässlicheres Einkommen ermöglichen, ihre wirtschaftliche Stabilität stärken und ihre Fähigkeit verbessern, Praktiken umzusetzen oder auszuweiten, die unseren gemeinsamen Ökosystemen erheblichen Nutzen bringen.Wir verstehen und respektieren, dass Menschen aus verschiedenen ökologischen und ethischen Gründen vegetarische oder vegane Lebensweisen wählen. Tatsächlich weisen bedeutende wissenschaftliche Institutionen wie der Weltklimarat (IPCC) darauf hin, dass ausgewogene Ernährungsweisen, einschließlich einer Reduktion des Konsums tierischer Produkte – insbesondere jener aus emissionsintensiven Systemen –, erheblich zur Minderung von Treibhausgasen und zur Verringerung von Umweltbelastungen beitragen können.Gleichzeitig konsumieren viele Menschen weiterhin tierische Produkte und suchen aktiv nach hochwertigem Fleisch, das ihren Werten in Bezug auf Tierschutz und ökologische Verantwortung entspricht. Diese Suche wird von Forschungsergebnissen unterstützt, die zeigen, dass Produkte von Tieren, die überwiegend auf der Weide gehalten werden, im Vergleich zu Tieren, die mit Kraftfutter gemästet werden, tendenziell höhere Gehalte an vorteilhaften Omega-3-Fettsäuren, ein günstigeres Omega-6-/Omega-3-Verhältnis, mehr konjugierte Linolsäure (CLA) sowie höhere Konzentrationen bestimmter Vitamine wie Vitamin E und einiger B-Vitamine aufweisen. Für diese Verbraucher ist es oft schwierig, Produkte zu finden und zu verifizieren, die tatsächlich aus ökologischen, weidebasierten und regenerativen Systemen stammen.Wir sehen in dieser Initiative eine wichtige Chance, das Bewusstsein der Verbraucher für die positiven Auswirkungen gut integrierter Weidesysteme innerhalb einer regenerativen Bio-Landwirtschaft zu schärfen. Ebenso hilft sie, die Unterschiede zwischen diesen Modellen und anderen Systemen hervorzuheben, die sowohl ökologisch als auch hinsichtlich des Tierwohls nachteiliger sein können. Wir sind überzeugt, dass wir durch eine vertiefte Aufklärung und den direkten Zugang zu verantwortungsvoll erzeugten Produkten dazu beitragen können, dass mehr Landwirte diese vorteilhaften Philosophien der Landbewirtschaftung übernehmen. Gleichzeitig ermöglicht sie den Verbrauchern, fundierte Entscheidungen über den Ursprung und die Produktionsmethoden ihrer Lebensmittel zu treffen.Diese Erweiterung ist eine sorgfältig durchdachte Weiterentwicklung für CrowdFarming. Sie verstärkt unser beständiges Engagement, eine gerechtere, nachhaltigere und widerstandsfähigere Lebensmittelkette aufzubauen. Indem wir direkten Zugang zu Fleisch von Betrieben bieten, die diese strengen Standards, bio, weidebasiert und verifiziert regenerativ, erfüllen, ermöglichen wir Verbrauchern, Entscheidungen zu treffen, die Landwirte unterstützen, die in Tierwohl und Ökosystemgesundheit investieren. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unserer Gemeinschaft aus Verbrauchern und Landwirten dieses neue Kapitel zu beginnen.

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CrowdFarming

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Eine sauberere Lieferkette

Bei CrowdFarming reden wir oft über Bodengesundheit, Biodiversität und regenerative Landwirtschaft. Aber was passiert, wenn die Ernte das Feld verlässt? Der Weg vom Landwirt bis zu deiner Haustür ist ein entscheidender Teil. Hier erfährst du: Warum die „Middle Mile“ die größte CO₂-Quelle in unserer Logistik ist. Was HVO ist und warum wir es anderen Alternativen wie Elektro-LKW vorgezogen haben. Wie unsere Partnerschaft mit Trucksters die längsten Strecken sauberer macht. Den echten, zertifizierten Effekt auf unseren CO₂-Fußabdruck seit Ende 2024. 1. Der Elefant im Laster: Unsere größte CO₂-HerausforderungIn der Logistik konzentrieren sich viele der jüngsten Innovationen auf die „letzte Meile“ – die endgültige Lieferung zu dir nach Hause. Das ist verständlich, denn dies ist der Teil der Reise, den die Verbraucher wahrnehmen, da Elektrotransporter und Lastenfahrräder in unseren Städten immer alltäglicher werden. Doch der wahre Emissionsriese ist die „mittlere Meile“: der lange Weg, auf dem Tausende von Kisten von Bauernhöfen und regionalen Umschlagplätzen in ganz Europa zu Vertriebszentren transportiert werden, bevor die letzte Etappe der Hauszustellung beginnt.Um das ins rechte Licht zu rücken: Eine von uns durchgeführte Ökobilanz für Orangen auf dem Weg von Valencia (Spanien) nach Berlin (Deutschland) ergab, dass der Transport mit rund 70 % der Gesamtemissionen den größten Einzelbeitrag zu ihrem CO2-Fußabdruck leistet. Allein die mittlere Meile machte 47 % des gesamten CO2-Fußabdrucks vom Erzeuger bis zum Verbraucher aus. Obwohl Anbaumethoden und Verpackung eine Rolle spielen, liegt der größte Einfluss auf dem langen Weg zwischen dem Feld und dem endgültigen Vertriebszentrum.Dies ist seit Jahren unsere größte betriebliche Herausforderung. Javier Sanjurjo, CEO von CrowdLog – dem Logistikunternehmen von CrowdFarming – erklärt: „Wir suchen ständig nach Lösungen, unsere Umweltbelastung zu reduzieren, von der landwirtschaftlichen Praxis bis zur endgültigen Lieferung. In der mittleren Meile sahen wir den größten Verbesserungsbedarf.“2. Auf der Suche nach einer Lösung: Jenseits des Elektro-TraumsUnser erster Impuls war, die Elektrifizierung zu prüfen. Die Idee von geräuschlosen, emissionsfreien Lkw ist verlockend. Die Realität des elektrischen Schwertransports in Europa ist jedoch vorerst ein komplizierter Traum.„Wir haben die Elektrifizierung unserer Routen geprüft“, sagt Javier, „aber die Hürden waren enorm. Die anfänglichen Investitionen in die Ladeinfrastruktur waren enorm, und die betriebliche Realität, einen Lkw zum Laden bis zu elf Stunden lang von der Straße zu nehmen, ist für eine Lieferkette, die flexibel sein muss, einfach nicht praktikabel.“Hier kam unser Partner Trucksters ins Spiel. Während wir weiterhin elektrische Optionen testeten, präsentierten sie eine schnellere, skalierbarere und leistungsstärkere Lösung: HVO.3. HVO: Aus Bratöl wird ein sauberer TransportHVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil (Hydriertes Pflanzenöl). Es handelt sich um einen hochwertigen Biokraftstoff, der ohne Modifikationen in herkömmlichen Dieselmotoren verwendet werden kann. Entscheidend ist, dass wir HVO der zweiten Generation verwenden, das aus Abfallstoffen wie Altspeiseöl hergestellt wird.„Die Emissionsreduzierung ist enorm“, erklärt Alvaro Guerreiro, International Sales Manager bei Trucksters. „Ein normaler Lkw stößt auf einer Langstreckenfahrt rund 2,2 Tonnen CO₂ aus. Mit HVO der zweiten Generation reduzieren wir diese Emissionen um bis zu 90 %.“Im Gegensatz zur Elektrifizierung benötigt HVO keine neue Infrastruktur, hat keine Reichweitenbeschränkungen und ist sofort einsatzbereit. Es stellt einen pragmatischen und wirkungsvollen Fortschritt dar. Zwar ist es immer noch teurer als herkömmlicher Diesel, aber wie Javier es ausdrückt: „Aus Nachhaltigkeitssicht ist es überhaupt nicht teuer.“ Es ist wichtig zu beachten, dass das von uns verwendete HVO der zweiten Generation (aus Abfallprodukten) zwar ein wirksames Mittel ist, aber kein Allheilmittel für die gesamte Branche. Die weltweiten Vorräte an Altspeiseöl sind begrenzt, und die Debatte um Biokraftstoffe bleibt komplex. Dies gilt insbesondere für Biokraftstoffe der ersten Generation, die aus speziell für Kraftstoffe angebauten Nutzpflanzen (wie Palm-, Soja- oder Rapsöl) hergestellt werden. Die Nutzung dieser Nutzpflanzen wirft kritische Fragen zur Landnutzung auf – oft als „Treibstoff-gegen-Nahrung“-Debatte bezeichnet –, da sie mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren und potenziell zur Abholzung von Wäldern beitragen kann. Für uns ist die Konzentration auf HVO der zweiten Generation eine entscheidende und effektive Übergangstechnologie, die es uns ermöglicht, jetzt zu handeln und gleichzeitig zukünftige Innovationen im Bereich nachhaltiger Mobilität zu erforschen und zu unterstützen.4. Auswirkung garantieren: Mass-Balance-SystemWie stellen wir sicher, dass die Emissionsreduzierung beim Tanken von HVO korrekt den Lieferungen von CrowdFarming zugeordnet und nicht doppelt gezählt wird?Das Risiko der Doppelzählung bezieht sich in diesem Zusammenhang auf das Risiko, dass ein Logistikdienstleister dieselbe Charge nachhaltigen Kraftstoffs und die damit verbundene CO₂-Reduktion zwei verschiedenen Kunden zuweist. Kauft ein Anbieter beispielsweise 1.000 Liter HVO, könnte er den Umweltvorteil dieser 1.000 Liter betrügerisch an Kunde A und Kunde B verkaufen und so die doppelte tatsächlich erzielte Wirkung verbuchen.Um dies zu verhindern, wird der gesamte Prozess über ein zertifiziertes System namens Mass Balance Accounting verwaltet. Dieses System funktioniert wie ein transparentes digitales Inventar: Geprüfte Versorgung: Der Kraftstoffanbieter Cepsa zertifiziert jeden Liter HVO, den Trucksters kauft. Erfasster Verbrauch: Trucksters nutzt die Plattform SQUAKE, um jeden für CrowdFarming gefahrenen Kilometer zu erfassen und die genaue Menge des verbrauchten HVO zu berechnen. Dieses Inventar wird sorgfältig verwaltet, um Doppelzählungen zu vermeiden. Zertifizierte Reduzierung: Abschließend prüft der TÜV diese Daten und stellt ein offizielles Zertifikat aus, das die genaue CO₂-Reduktion detailliert beschreibt. „Dieser strenge, dreistufige Prüfprozess gibt uns und unseren Kunden absolutes Vertrauen“, so Alvaro. „Sie können sicher sein, dass die Wirkung real ist.“5. Ergebnisse seit HVO-EinsatzWir haben im letzten Quartal 2024 mit der Umstellung unserer Hauptroute von Museros (Spanien) nach Speyer (Deutschland) begonnen. Die Ergebnisse waren sofort spürbar. In den letzten Monaten des Jahres 2024 wurden 21 volle Lkw-Ladungen mit HVO betrieben. Durch diese Umstellung konnten wir bereits rund 34,5 Tonnen CO₂ einsparen. Unser Ziel ist es, den Einsatz von HVO auf allen unseren Routen mit Trucksters weiter auszubauen und unsere anderen Logistikpartner zu ermutigen, diese Technologie zu übernehmen. „Es ist gar nicht so abwegig, dass wir unseren CO₂-Fußabdruck auf der mittleren Meile halbieren können“, sagt Javier. „Das ist enorm.“Fazit: Von Ausgleich zu aktiver VermeidungJahrelang setzte die Logistikbranche auf CO2-Kompensation – das Pflanzen von Bäumen zur Kompensation von Emissionen. Dieser Ansatz ist zwar gut gemeint, packt das Problem aber nicht an der Wurzel. Unsere Umstellung auf HVO stellt einen grundlegenden Strategiewechsel dar: von der Kompensation zur aktiven Emissionsvermeidung. Indem wir in sauberere Kraftstoffe und intelligentere Logistik investieren, beweisen wir, dass eine nachhaltigere Lieferkette kein abstraktes Ziel ist – sie kann in die Art und Weise integriert werden, wie wir Lebensmittel transportieren.Dies ist ein langer Weg, und er ist nicht ohne Herausforderungen. Wie Alvaro anmerkt, erfordert eine breite Akzeptanz ein Umdenken bei Herstellern, Versicherern, Institutionen und Lkw-Fahrern selbst. Bei CrowdFarming sehen wir unsere Aufgabe darin, diese Lösungen zu finden und zu unterstützen und gleichzeitig andere zu motivieren, denselben Weg zu gehen. Indem wir Pioniere wie Trucksters unterstützen, tragen wir dazu bei, den dringend notwendigen Wandel im Transportsektor zu beschleunigen.

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