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Veröffentlicht März 2026

Überraschende Vielfalt – die türkische Küche

Kaum eine Länderküche hat in Deutschland so mit Klischees zu kämpfen wie die türkische. Türkisch, das heißt vor allem Döner – billig muss er sein, schnell sättigend, rund um die Uhr verfügbar und meistens mit reichlich Fleisch.

Selbst die gehobene türkische Gastronomie in Deutschland scheint den Kampf aufgegeben zu haben, denn mehr als eine Handvoll der bekannten Standardgerichte, mal in dieser, mal in jener Variation, mehr mutet man dem Publikum selten zu.

In Düsseldorf bemühen sich seit Jahren Orkide und Orhan Tançgil, den Deutschen die ganze Vielfalt der türkischen Küche näher zu bringen. Auf ihrer Plattform KochDichTürkisch veröffentlichen sie Rezepte als Video und Text, berichten über die Herkunft der Gerichte und leisten allerlei kulinarische Nachhilfe mit Anregungen, Tipps und Tricks. Mehrere Kochbücher haben sie bereits veröffentlicht, jetzt auch eines, das speziell der vegetarische Küche in der Türkei gewidmet ist. Dafür haben die Autoren rund 150 traditionell vegetarische, ausführlich recherchierte Rezepte zusammengestellt.

Türkei vegetarisch

Die türkische Küche, das kann man ohne jede Übertreibung sagen, zählt zu den  abwechslungsreichsten der Welt. Das Osmanische Reich umfasste über Jahrhunderte eine Vielzahl von Regionen, Völkerschaften und Kulturen. Aus den Landstrichen rund ums Mittelmeer, ja aus Indien und Zentralasien flossen die Rezepte, Gerichte, Traditionen und Tischsitten ins Gebiet der heutigen Türkei. Die höchst anspruchsvolle Palastküche des Sultans in Istanbul war einst das kulinarische Zentrum des Reichs.

Während in Deutschland das Tellergericht als Ideal gilt – hier das Stück Schweinebraten, daneben die Kartoffeln und das verkochte Gemüse, dazu eventuell ein Extra-Tellerchen mit grünem Salat – kommt in der Türkei, etwas salopp gesagt, alles gleichzeitig auf den Tisch: Haupt- und Nebenspeisen, und jeder legt sich von der dargebotenen Fülle an warmen, lauwarmen oder kalten Gerichten auf seinen Teller, was er mag, und es gibt keine strenge Reihenfolge.

Das ist praktisch, denn viele Speisen lassen sich gut vorbereiten, im Kühlschrank aufbewahren und bei Bedarf auch wieder aufwärmen. Was übrig bleibt, wird aufgehoben und bei der nächsten Mahlzeit mit weiteren, neu zubereiteten Speisen kombiniert. Dieses Prinzip sorgt für Vielfalt auf den Tellern und ist gut gegen Langeweile und Lebensmittelverschwendung.

Darüberhinaus ist die türkische Küche keine fleischlastige Küche. Im Gegenteil: Im Mittelpunkt stehen Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte. In der Türkei wird nur etwa ein Viertel der Fleischmenge verbraucht, die in Deutschland auf den Tisch kommt. Anders als bei den alpenländischen Küchen versinkt die vegetarische türkische Küche auch nicht in Butter und Sahne. Vielfach kommt Olivenöl zum Einsatz. Für Fülle sorgen Gewürze, die jedoch werden eher pointiert, aber sparsam genutzt werden, und vor allem reichlich Kräuter wie Petersilie, Minze oder Dill.

Türkei vegetarisch

Die Rezepte des Kochbuchs „Türkei vegetarisch“ sind nach Jahreszeiten gegliedert. Obwohl die Vegetationszeiten in der Türkei sich von denen Mittel- und Westeuropas unterscheiden, lässt sich dieses Prinzip auch hier erstaunlich gut umsetzen. Niemand muss also Erdbeeren im Winter kaufen. Die saisonalen Kombinationen wirken ebenso durchdacht wie anregend. Bei jedem Rezept ist der türkische Name angegeben und kurze Texte helfen, die Bedeutung der Speise in der Esskultur der Türkei zu verstehen.

Jede Jahreszeit ist dann noch einmal unterteilt in Suppen und Eintöpfe, Mezze und Salate, dann die so typischen Gerichte in Olivenöl, Dolma und Sarma, weitere Gemüse- und Hauptgerichte, Teigwaren und Pilaw sowie Süßes.

Jetzt, in der Winterzeit, empfehlen die Autoren beispielsweise eine Rote-Bete-Suppe mit gerösteten Kichererbsen, feine Lauch-Küchlein aus der Pfanne, mit Bulgur und passierten Tomaten gefüllte Trockengemüse, ein aromatisches Rosenkohl-Gericht oder gebackener Blumenkohl mit Kreuzkümmel sowie Kürbis-Käse-Börek und an Süßem ein Walnuss-Gebäck aus Hartweizengries.

Die für die Rezepte benötigten Zutaten sind in Deutschland zumeist auf Wochenmärkten oder im Supermarkt erhältlich, in einigen Fällen sucht man türkische Lebenmittelläden auf, um etwa Bulgur in unterschiedlichen Feinheitsgraden oder pul biber (zerstoßene Chiliflocken), bestimmte Gemüse oder Joghurt in hoher Fettstufe zu bekommen.

Mit seinen drei praktischen Lesebändchen, ansprechenden Fotos und vielen liebevoll gemachten Details ist „Türkei vegetarisch“ ein ausgesprochen schönes Kochbuch, mit dem man sich selbst oder anderen lange anhaltende kulinarische Freuden schenkt.

„Türkei vegetarisch“ erscheint in einer Reihe im Brandstätter-Verlag, die von der Journalistin und Köchin Katharina Seiser in Wien herausgegeben wird. Sorgfältig recherchiert, ausgewählt mit viel Erfahrung und Hintergrundwissen, zeigen diese Kochbücher, dass unsere Länderküchen über reichhaltige Traditionen des fleischlosen Kochens und Genießens verfügen. In der Nachkriegszeit sind diese Traditionen in Vergessenheit geraten.

Die vegetarischen Kochbücher sind somit kulturelles Gedächtnis und Zukunftswissen zugleich – das dringend benötigt wird, um genussvolle Alternativen zum übermäßigen Fleischkonsum in den Industriegesellschaften aufzuzeigen. Bisher sind drei weitere Bände zu den vegetarischen Traditionen der deutschen, italienischen und österreichische Küche erschienen, die durchweg empfehlenswert sind. (ut)

Orkide Tançgil, Orhan Tançgil: Türkei vegetarisch. Herausgegeben von Katharina Seiser. Fotografien von Erman Dogan. 272 Seiten, ca. 120 Abbildungen, Hardcover. Brandstätter, Wien 2015. 34,90 Euro

Wie immer verlosen wie unser Besprechungsexemplar des Buches, das der Verlag uns zur Verfügung gestellt hat. Interessierten melden sich bis 30. November 2015 per E-mail. – Datenschutzhinweis: Persönliche Daten werden ausschließlich zur Auslosung und zur Benachrichtung des oder der GewinnerIn genutzt und anschließend gelöscht.

Geschrieben von Redaktion

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Apfel-Walnuss-Tarte

Kurz vor den Feiertagen teilt unsere Landwirtin Kathrin Wiest vom  Biohof Hund eines ihrer liebsten saisonalen Rezepte: eine Apfel-Walnuss-Tarte, deren Rezept seit Generationen in ihrer Familie weitergegeben wird.Kathrin verbrachte ihre Wochenenden oft auf dem Hof ihrer Großeltern. Dort half sie bei der Heuernte, beim Melken der Kühe, bei der Gemüseernte und lernte früh, wie wichtig es ist zu wissen, wo unsere Lebensmittel herkommen. „Gutes Essen beginnt nicht in der Küche“, sagt sie, „sondern auf dem Feld.. Diese tiefe Verbundenheit zur Landwirtschaft begleitete sie durch ihre berufliche Laufbahn in der Gastronomie und prägt heute ihre Arbeit auf dem Biohof Hund, wo sie ihre Erfahrungen aus Gastronomie, ökologischem Landbau und Gartenbau verbindet.Für die Landwirtin ist die Arbeit auf dem Hof mehr als ein Beruf: „Es ist eine Rückkehr zu meinen Wurzeln“, erklärt sie, „eine bewusste Entscheidung für Nachhaltigkeit und Regionalität und ein Schritt in eine Zukunft, die Sinn macht – für meine Familie, unseren Hof und die Gesellschaft.“Dieses Rezept steht für die Werte, mit denen sie aufgewachsen ist: Einfachheit, Saisonalität und eine ehrliche Verbindung zum Land. Es werden Äpfel auf einer cremigen Walnussfüllung und einem zarten Butterboden angerichtet – ein leckerer Nachtisch für die Winterzeit.Speichere dir das Rezept für die Festtage!Apfel- & Walnuss-TarteZutaten: 300 g Dinkelmehl (zzgl. etwas zum Ausrollen) 120 g brauner Zucker 1 Prise Salz 2 mittelgroße Eier 200 g Butter (130 g kalt, 70 g weich, zzgl. etwas für die Form) 1 kg säuerliche Äpfel 2 EL Zitronensaft 150 g Walnusshälften 1 Päckchen Vanillezucker 50 g Honig 80 ml Sahne 1 Prise gemahlener Zimt Zubereitung:250 g Mehl, 70 g Zucker, Salz, 1 Ei und die kalte Butter in Stücken in eine Schüssel geben. Zunächst mit den Knethaken des Handrührgeräts vermengen, dann kurz von Hand zu einem glatten Teig kneten. Zu einer Scheibe formen, in Frischhaltefolie wickeln und 30 Minuten kaltstellen.Die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in dünne Spalten schneiden. Mit Zitronensaft vermengen.Für die Füllung 50 g Walnüsse fein mahlen. Die weiche Butter mit 50 g Zucker, Vanillezucker und einer Prise Salz sehr cremig schlagen. 1 Ei unterrühren. Gemahlene Nüsse und 50 g Mehl kurz unterheben.Den Ofen auf 200 °C (180 °C Umluft) vorheizen. Den Teig auf einer bemehlten Fläche auf ca. 30 cm Durchmesser ausrollen und eine gefettete 28-cm-Tarte- oder Springform damit auskleiden. Den Boden mehrmals mit einer Gabel einstechen.Die Walnusscreme auf dem Boden verteilen, die Apfelspalten darauflegen und die Tarte 25 Minuten auf einem Rost direkt über dem Ofenboden backen.In der Zwischenzeit die restlichen 100 g Walnüsse grob hacken. Honig, Sahne, Zimt und 20 g Butter in einem kleinen Topf unter Rühren aufkochen und 2 Minuten köcheln lassen. Walnüsse unterrühren.Nach 25 Minuten Backzeit die Nussmischung auf den Äpfeln verteilen und die Tarte weitere 10 Minuten auf der mittleren Schiene backen.In der Form auf einem Kuchengitter abkühlen lassen, vorsichtig aus der Form lösen und mit Schlagsahne servieren.

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