Du möchtest mehr erfahren?

Schreib uns einfach eine  E-Mail.

Landleben

min

Veröffentlicht März 2026

Danksagung zur Ernte 2023

Im Jahr 2023 habe ich zum ersten Mal seit der Gründung von CrowdFarming gespürt, was es bedeutet, Angst zu haben. Unsere Orangen- und Avocadobauern hatten bereits im April, viel früher als erwartet, keine Ernte mehr. Dabei handelte es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um ein Problem, das alle Betriebe in Südspanien betraf – meine eigenen Orangenfelder inbegriffen. Die Auswirkungen der Dürre waren viel schwerwiegender als wir dachten. 

Wir haben gemeinsam mit unseren Landwirten gelitten. Als wachsendes Jungunternehmen haben wir uns auf 40% mehr Bestellungen eingestellt. Diese blieben aus, weil einfach keine Produkte da waren, die wir verkaufen konnten. In den Supermärkten (unserer Konkurrenz) blieb diese Ernteknappheit unbemerkt, weil Orangen und Avocados von anderen Kontinenten importiert wurden. Anders sah es bei uns aus, da wir nur mit frischen Früchten direkt aus Europa arbeiten.

Das war ein schwerer Rückschlag. Aus diesem Grund mussten wir uns darauf konzentrieren, genügend finanzielle Mittel zu bekommen, um weitreichende Einschnitte abzuwenden, die uns gezwungen hätten, wichtige Projekte für die Zukunft vorerst zu pausieren. 

Wenn man ein Projekt wie CrowdFarming beginnt, dann ist es ganz normal, auch schwierige Momente zu meistern. Aber meine Angst ging weit über das Finanzielle hinaus und war vor allem persönlicher Natur. Was, wenn wir aufgrund der Trockenheit keinen Ertrag mehr mit den von uns angebauten Pflanzen erzielen können?

Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen unserer landwirtschaftlichen Betriebe

Das ideale Klima für den Anbau von Zitrusfrüchten erfordert Bereiche mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von rund 500 Millimetern pro Jahr und Höchsttemperaturen, die 38ºC nicht überschreiten. Im Jahr 2023 betrug die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Valencia allerdings 340 Millimeter (33 % weniger als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre). An mehreren Tagen wurden außerdem Temperaturen von über 40 ºC erreicht. Die Folge war Hitzestress bei den Orangenbäumen. Dieser führt unter anderem dazu, dass die Orangenbäume die Früchte zu Boden werfen, weil ihnen die Energie fehlt, sie zu versorgen.


Es ist wirklich erstaunlich, dass manche Pflanzen in Stresssituationen ihre Früchte opfern, sobald sie merken, dass ihr eigenes Leben in Gefahr ist (Orangen- und Olivenbäume). Andere wiederum können beim Versuch, ihre Ernte zu erhalten, sterben (wie die Mandelbäume).

Ich glaube, dass Angst etwas Natürliches ist und dass der Schlüssel darin liegt, sich nicht von ihr überwältigen und beherrschen zu lassen. Ich glaube auch, dass uns solche Situationen eine Reaktion abverlangen. Es ist daher auch kein Zufall, dass wir gerade in diesen schwierigen klimatischen Bedingungen immer mehr Landwirte sehen, die regenerative Anbaumethoden anwenden, um den Auswirkungen von wetterbedingten Missernten entgegenzuwirken.

Eine der größten Erkenntnisse, die man als Landwirt in der regenerativen Landwirtschaft erlangt, ist, dass die Natur den Ton angibt. Die Landwirtschaft besteht nicht darin, das natürliche Ökosystem deines Betriebs mit chemischen Produkten umzugestalten. Es geht vielmehr darum, die Ressourcen, die dem Ökosystem beim Anbau der Lebensmittel entzogen werden, auf natürliche Weise in jedem Anbauzyklus zu regenerieren: Wasser, Kohlenstoff, Pflanzen und Lebewesen. 

Meilensteine im Jahr 2023


In einem Jahr mit ungünstigen Wetterbedingungen werden falschen Entscheidungen besonders deutlich. Spielt das Wetter mit, können reiche Ernten unsere Fehler wieder ausgleichen. Regnet es aber nicht genug, bezahlen wir Fehlentscheidungen und logistische Ineffizienz gleich doppelt. 

Vor allem gegen Ende des Jahres ist es uns gelungen, unseren Logistikservice erheblich zu verbessern, indem wir unsere Landwirte bei der Vorbereitung von Bestellungen unterstützt und Zwischenfälle und Lieferverzögerungen reduziert haben.

  • (Positiv) Insgesamt 52 neue Landwirte haben sich uns angeschlossen. Mehr als 90% der Landwirte, die bereits Teil von CrowdFarming waren, haben ihren Vertrag verlängert. Somit sind wir jetzt 283 Produzenten, die ihre Ernte direkt und ohne Zwischenhändler verkaufen. Bei 40% handelt es sich zudem um Junglandwirte.
  • (Positiv) Bereits 27 Landwirte wenden regenerative Anbaumethoden an. Damit sie auch andere europäische Bauern von einer biologischen Landwirtschaft überzeugen, die unsere Ökosysteme wiederherstellt, messen und dokumentieren sie ihre Ergebnisse. 
  • (Negativ) Durch den Erntemangel mussten wir viele Bestellungen zurückerstatten. Wir sind uns bewusst, dass wir die damit verbundene Kommunikation besser organisieren müssen. 
  • (Positiv) Der Verkauf der Ernte mittels Adoptionen zu einem fairen Preis gibt Sicherheit. Diese hat es 10 Landwirten ermöglicht, das Bio-Siegel ohne finanzielle Probleme zu erhalten. 
  • (Negativ) Gegen Ende des Jahres mussten unsere Kunden im Schnitt über 5 Tage auf eine Antwort per E-Mail warten.
  • (Positiv) Wir bieten jetzt ein Monatsabo mit einer Kiste verschiedener saisonaler Bio-Früchte von unterschiedlichen Landwirten an. Sie ist ein voller Erfolg geworden. 

Herausforderung des Jahres 2024

Im Jahr 2024 stehen wir vor der bisher größten Herausforderung in der Geschichte von CrowdFarming: Wir wollen beweisen, dass die biologische und regenerative Landwirtschaft dank des Direktvertriebs sowohl für die Landwirte als auch für die Gesellschaft wirtschaftlich tragbar ist. 

Je mehr Menschen direkt bei den Landwirten kaufen, desto mehr Mittel können diese für die Umsetzung biologischer und regenerativer Anbaumethoden auf ihren Betrieben nutzen.

“Aber Gonzalo, mit biologischer Landwirtschaft können wir doch nicht die Bevölkerung ernähren. Die Erträge pro Hektar sind viel geringer.”

Das ist wohl die größte Lüge, die von der chemischen Düngemittelindustrie verbreitet wurde. Ich gebe dir Argumente, damit du sie bei Bedarf richtig stellen kannst.

Erstens: In Europa wird ein Drittel (⅓) der produzierten Lebensmittel verschwendet. Wir leben in einer Überflussgesellschaft, und chemisch-synthetische Herbizide und Düngemittel haben es möglich gemacht, sehr billige Lebensmittel auf Kosten der Umwelt zu produzieren. Wenn man in Europa lebt, sollte man sich mehr Sorgen über den Verlust der natürlichen Bodenfruchtbarkeit machen als über den Lebensmittelknappheit.

Zweitens: Im Bereich der regenerativen biologischen Landwirtschaft wird viel geforscht und es gibt sehr viel Spielraum für Innovationen. Die Forschung entwickelt Arbeitsmethoden, die nicht nur den Ertrag pro Hektar berücksichtigen, sondern auch das Ökosystem, in dem sie angewandt werden sollen, schützen.

Drittens: Je mehr der Konsum von Bioprodukten steigt, desto mehr Landwirte werden ermutigt, auf Bio umzustellen, und desto mehr Mittel werden für Unternehmen mobilisiert, die in diesen Bereichen innovativ sind.

Europa hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 25 % der Felder ökologisch zu bewirtschaften. Ich persönlich halte das nicht für ausreichend, aber irgendwo müssen wir ja anfangen. Die neueste offizielle Zahl für 2021 besagt, dass 9,9 % erreicht hatten. Wir schätzen, dass wir heute zwischen 11 % und 12 % liegen.

Wir haben noch 6 Jahre Zeit, um die biologisch bewirtschaftete Fläche zu verdoppeln. Bei CrowdFarming nehmen wir diese Herausforderung an. Das motiviert uns, das Beste von uns zu geben.

Frohe Ernte 2024!

Geschrieben von Gonzalo Úrculo

Gonzalo Úrculo

Gonzalo es un "farmeneur". Como cofundador de CrowdFarming y agricultor, divide su tiempo entre la oficina y el campo. Además de la agricultura, disfruta leyendo y escribiendo sobre productos digitales y logística y discutiendo sobre su impacto en la cadena de suministro de alimentos.

Inhalte teilen:

Weiter graben ...

Landleben

3 min

Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

Lesen

Landleben

2 min

Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

Lesen

Landleben

2 min

Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

Lesen