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Ökologische Produktion in der Europäischen Union (II): aktuelles Zertifizierungssystem

Dieser Artikel knüpft an den Artikel “Ökologische Produktion in der Europäischen Union (Teil I): “Aktuelles Panorama und Regulierungsvorschriften” an.


Anmerkung: Dieser Artikel soll verifizierte Informationen offenlegen, mit denen sich jeder seine eigene Meinung zu dem unten behandelten Thema bilden kann. Wenn du relevante Informationen zur Verfügung stellen möchten, um diesen Artikel zu bereichern oder zu verbessern, kontaktiere uns bitte.

Sind die Vorschriften für ökologischen Landbau für alle gleich?


Wenn die Europäische Union die Spielregeln für alle festlegt, warum gibt es dann Stimmen, die verlauten lassen, dass die Regeln in jedem Land oder sogar in jeder Region unterschiedlich sind?


Die EU schlägt einen gemeinsamen Rechtsrahmen vor, delegiert die Umsetzung jedoch an jedes Land. Dies bedeutet nicht, dass jeder Mitgliedstaat die Norm frei interpretieren kann, sondern, dass jedes Land innerhalb des von der EU vorgegebenen Spielraums die Zertifizierung des ökologischen Anbaus auf der Grundlage der spezifischen Merkmale und des Klimas eines jeden Landes organisiert. Jeder Mitgliedstaat schreibt die Inspektions- und Zertifizierungsbefugnisse seiner Kontrollbehörde zu, die ihrerseits für die Organisation der Stellen zuständig ist, die wiederum die ordnungsgemäße Umsetzung überwachen. Im Allgemeinen wurde die Zertifizierung an zulässige Privatunternehmen übertragen. 


In Spanien zum Beispiel delegiert der Staat die Verwaltung der Zertifizierung an jede autonome Region. So wird in einigen autonomen Regionen wie Madrid, Andalusien oder Kastilien la Mancha die Zertifizierung von privaten Unternehmen durchgeführt, und in anderen Fällen, wie der Region Valencia, Asturien, dem Baskenland oder Katalonien, ist der Zertifizierer eine öffentliche Einrichtung. Einige der autorisierten privaten Zertifizierungsbehörden sind Kiwa, Sohiscert oder Agrocolor. Zu den öffentlichen gehören CAECV oder CCPAE.


In Frankreich gibt es auch verschiedene Zertifizierer wie Ecocert, Certipaq Bio, Bureau Veritas oder Certisud.


In Deutschland sind unter anderem die Unternehmen Grünstempel® – Ökoprüfstelle e.V., KIWA, Ecocert, ARS PROBATA GmbH tätig.


Die Europäische Union hat diese Website eingerichtet, um die zugelassenen Kontrollstellen in den einzelnen Ländern zu ermitteln.

Worin besteht also der Unterschied zwischen der Zertifizierung von einem Land zum anderen?


Der Unterschied liegt in den zuständigen Kontrollbehörden. Diese sind es, die letztendlich mit dem geringen Variationsspielraum, den die Vorschriften zulassen, die Risikobewertung eines Herstellers definieren. Alle Produzenten werden mindestens einmal im Jahr, vorzugsweise ohne Vorwarnung, einer Vor-Ort-Kontrolle unterzogen. Neben der jährlichen Inspektion legen die Kontrollstellen fest, wie viele zusätzliche Bewertungen sie vornehmen werden. Die geschieht auf der Grundlage einer allgemeinen Bewertung des Risikos der Nichteinhaltung der Vorschriften für die ökologische/biologische Produktion unter Berücksichtigung der Ergebnisse früherer Inspektionen, der Menge der betreffenden Produkte und des Risikos der Produktsubstitution.


Die Kontrollstellen handeln auch nicht freiwillig, sondern müssen ihre Zertifizierungssysteme der übergeordneten Prüfbehörde vorlegen und sich wiederum Revisionen unterziehen, um sicherzustellen, dass sie ihre Arbeit richtig machen. 


Um diese Unterschiede weiter zu reduzieren, übertragen die neuen Regeln der Kommission “Durchführungsbefugnisse in Bezug auf den Mindestprozentsatz aller ohne vorherige Ankündigung durchzuführenden amtlichen Kontrollen und den Mindestprozentsatz der zusätzlichen Kontrollen, sowie die Mindestanzahl der zu entnehmenden Proben”. Die Kommission möchten diesen Absatz ab 2021 vereinheitlichen.

Illustration eines Bio-Zertifikats

Kann die Zertifizierung eines Landes strenger sein, als die eines anderen?


Nein. Die Zertifizierung ist für alle Mitgliedstaaten gleich. Wir erklären es mit einem Beispiel:


Ein Produkt, das z.B. in Finnland Bio zertifiziert ist, kann in jedem anderen Mitgliedstaat als Bio vermarktet werden. Wenn Finnland beispielsweise bestimmte Vorschriften bezüglich der Erdbeerproduktion hat, die bestimmte Aspekte stärker einschränkt, als die Bio-Norm selbst, müssen die in Finnland erzeugten Erdbeeren der finnischen Norm und der EU-Bio-Norm entsprechen, um in Finnland vermarktet werden zu können. Aber Erdbeeren, die beispielsweise in Österreich produziert werden, müssen nur die EU-Öko-Vorschriften einhalten, um in Finnland als solche verkauft zu werden, da die angeblich restriktiveren lokalen Vorschriften in diesem fiktiven Fall nur die in Finnland erzeugten Erdbeeren betreffen würden. 


Kurz gesagt, die Europäische Union hat sich fest zur Verteidigung und Förderung der ökologischen Erzeugung verpflichtet und arbeitet daran, das Vertrauen der Verbraucher in das System zu erhalten. Die Punkte, an denen mit der ersten Verordnung im Jahr 2007 Probleme oder Risiken festgestellt wurden, werden in der Verordnung, die 2021 in Kraft treten wird, korrigiert.


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