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Landleben

4 min

Veröffentlicht Februar 2026

Durchnässte Wiesen und Äpfeln mit Sonnenbrand

Ich wohne in Madrid und bin für ein paar Wochen zu Besuch in Deutschland. In meinen Koffer habe ich überwiegend Kleider und kurze Hosen gepackt – es ist ja Sommer und in Madrid sind es seit Wochen über 35°C. Eine lange Hose hatte ich das letzte Mal im Mai an. 

Es hat in vielen Teilen Deutschlands mehrere Wochen geregnet und nach mehreren Wochen Hitzewelle in Spanien, bei denen man nachts nicht gut schlafen kann, freue ich mich über die Erholung. 

Doch mittlerweile bin ich seit drei Wochen hier und meine Kleider hatte ich erst einmal an. n Gesprächen mit dem Team in Madrid kommt die Frage: „Ist Regen nicht genau das, was wir jetzt brauchen?“ Die Antwort lautet: Ja – aber es kommt darauf an, wann und wie er fällt.


Laut Deutschem Wetterdienst erleben wir eines der trockensten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Doch wenn wir über Klimaveränderungen reden, müssen wir auch über Regen reden. Es steht außer Frage, dass es zu trocken ist und dass wir dankbar sind für Niederschlag. Schwierig wird es aber dann, wenn der Regen im Frühjahr ausbleibt, wo er für das Wachstum vieler Pflanzen gebraucht wird und erst im Sommer fällt, wenn geerntet werden soll – und das in Massen. Im Sommer wird Getreide geerntet, Silage und Winterfutter hergestellt, Kartoffeln wachsen in der Erde, sensibles Sommerobst hängt an Sträuchern und Bäumen. 

Ich spreche mit Sven, Apfellandwirt vom Bodensee, über den Regen und er ruft mir die Spätfröste im Frühjahr in Erinnerung: “Die gab es vor 15 Jahren gar nicht, oder nur alle 15 Jahre mal. Das haben wir jetzt jedes Jahr, dadurch müssen wir extrem teure Versicherungen abschließen, dadurch haben wir Ernteeinbußen und das hat sich definitiv verändert.” Gleichzeitig war der langanhaltende Niederschlag für ihn positiv, da er seine Äpfel erst im September erntet. Die Pflanzen sind durch lange Trockenperioden, anschließende Starkregenfälle und daran anschließende erneute Trockenperioden gestresst. Dieses Ungleichgewicht, der immer häufigere Wechsel von Extremen, ist Zeichen des Klimawandels. 

Mir kommen Schnipsel unserer Debatte in den Sinn, die wir im Frühjahr mit einigen unserer spanischen Landwirte führten – die Aufzeichnung ist hier zu finden. Für viele war der Regen im Frühjahr ein Segen, er hat die Sommer- und Herbsternte positiv beeinflusst und so haben viele unserer Landwirte in den letzten Jahren, in riesige Regenwasserauffangbecken investiert, um in den Sommermonaten autark bewässern zu können. Nicht selten wird in Spanien der Wasserverbrauch reguliert und es darf nur eine bestimmte Menge zur Wässerung der landwirtschaftlichen Fläche genutzt werden. Dieses Jahr sind sie bis zu 85% gefüllt. Wieder andere Landwirte haben frische Setzlinge verloren oder, wie Käseproduzent Antonio, ganze Felder mit Winterfutter für die Schafe verloren, da Schneeschmelze und Regen, nahegelegene Flüsse über die Ufer haben treten lassen. 

Bei meinem Besuch bei Käseproduzentin Linda Becker von Bauer Freigeist erzählt sie mir, wie kaputt Teile ihre Weide mittlerweile sind und dass sie die Kühe an einigen Tagen weniger Stunden draußen sind, damit sich die Grasnarbe abtrocknen und erholen kann. 

Die Kühe an sich stört der Regen nicht, aber das Einholen des Weizens, des Grases – die Vorbereitung für den Winter wird erschwert und es werden wichtige Mineralien, wie Phosphor und Stickstoff, aus dem Boden gespült.

Für Felix von Rieckens Eichhof, wird der Regen problematisch, weil seine Weide auch nicht abtrocknet, er erklärt aber auch, wie wichtig es ist, dass Verbraucher verstehen, dass Klima und Wetter die tägliche Arbeit auf dem Feld bedingen. Nichts bestimmt die Arbeit in der Landwirtschaft so sehr, wie das Wetter. Dafür, sowohl bei den Landwirten, als auch bei Verbrauchern Bewusstsein zu schaffen, ist vielleicht sogar noch schwieriger, als die Weide trocken zu bekommen. 

Während ich diesen Blogpost verfasse, steigen die Temperaturen in weite Teilen Deutschlands auf bis zu 35C. Sven erklärt mir, dass seine Äpfel nun Sonnenbrand bekommen – zwei Wochen vor der Ernte. Wenn ich abends draußen sitze, höre ich bis spätnachts die Mähdrescher. Für die Landwirte bedeutet es jetzt, die Ernte einzuholen, solange keine neuen Niederschläge angesagt sind. 

Linda, Sven und Felix machen bei unserer 1% für den Boden Initiative mit, in der wir Landwirte unterstützen, ihre Felder regenerativ zu gestalten. Eine dichte Bodendeckung speichert Wasser, verhindert Abfließen der Nährstoffe und im besten Fall hilft sie bei der Erosionsreduktion. 

Bei einem Eiscafé lese ich diesen Blogpost noch einmal und bekomme Gänsehaut. Denn ich habe eine Regenjacke, kann mich eincremen, an den Baggersee fahren, ich kann zur Not meine Kartoffeln woanders kaufen – aber für die Landwirte ist es ihre Existenz, um die es hier geht. 

Geschrieben von Magdalena Werner

Magdalena Werner

I'm Magdalena, a Farmer Ambassador. I've been working at CrowdFarming for eight years, and after seven years in customer service, I'm now part of the sustainability and awareness team, sharing the farmers' stories and taking you on a journey through their daily lives in the fields.

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an. Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft. Reifemerkmale und Etymologie Ein wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet. Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot ist Wir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter. Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker. Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist. Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig. Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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Regen, Regen, Spanien

Darauf waren wir nicht vorbereitet – oder doch? Es regnet buchstäblich seit mehreren Wochen in Spanien. Diese Woche wurde jedoch in mehreren Regionen, vor allem in Andalusien, der Katastrophen-Zustand ausgerufen. Unsere Landwirte haben uns die unten angehängten Bilder geschickt – und in unserem Team waren wir mehrere minutenlang sprachlos. Wir haben schon öfters zu starken Regenfällen berichtet, aber dieses Jahr ist das Ausmaß besonders groß. Die gute Nachricht ist: Allen Landwirten geht es gut! Anhaltende Tiefdruckgebiete brachten intensive Regenfällen, orkanartige Windböen und Flüsse, die über die Ufer getreten sind, mit sich. Unsere Landwirte aus der Region Málaga verzeichnen umgefallene Bäume und schlammige Zufahrtswege, die eine Zufahrt fast unmöglich machen. Leider haben uns auch bereits einige Landwirte informiert, dass sie wahrscheinlich Ernteausfälle haben werden, da Früchte beschädigt wurden. Das kleinere Übel sind dabei wahrscheinlich die Verzögerungen in der Lieferung – es hört nicht auf zu regnen und das bedeutet, dass die Früchte zu nass sind, um sie verschicken zu können; sie würden in den Paketen schimmeln. Haben wir die Lösung nicht schon längst gefunden? Ich spreche mit Maikel, von Finca Habitat aus einem kleinen Ort zwischen Jaén und Granada – eine der am stärksten betroffenen Gebiete. Er schickt mir ein Video, das ihr unten findet – es zeigt die überfluteten Olivenfelder seiner Nachbarn und den reißenden Fluss. Im nächsten Video ist er auf seinen eigenen Feldern und zeigt, wie viel Regen gefallen ist. Er kippt es an seine Bäume, die er in heißen Monaten mit der Wolle seiner Schafe vor Austrocknung schützt und gleichzeitig düngt. „Für mich ist der Regen ein absoluter Grund zur Freude. Es ist wunderbar!“, so der Landwirt. Auf seinen Feldern – nicht einmal eine Pfütze. „Das ist ein Zeichen, dass wir alles richtig machen, Magdalena.“, erklärt er. Maikel hat sich vor über einem Jahrzehnt entschieden, regenerativ anzubauen. In einem der trockensten Gebiete Spanien, schafft er es über seine Praktiken, seine Olivenbäume nicht bewässern zu müssen. Wie geht das? Über eine Bodendeckung, die wie ein Schwamm wirkt und alles Wasser aufsaugt und in tiefere Bodenschichten sickern lässt. Es geht nicht ein Wassertropfen verloren, weil das Wurzelgeflecht eine so hohe Kapazität hat, Wasser aufzunehmen, dass es weder abfließt, noch sich anstaut. Was wäre, wenn wir es schaffen, die Betriebe so resilient zu machen, dass sie aus Extrem-Wetter-Ereignissen ermutigt herausgehen? Hätten wir mit regenerativer Landwirtschaft die Lösung gefunden? Diese Fragen stelle ich mir, wenn ich die Bilder und Videos sehe, die eine so unterschiedliche Sichtweise auf die Situation ermöglichen. Der Wetterbericht zeigt weiter Regen für die nächsten Tage an und wir schätzen zusammen mit den Landwirten jeden Tag neu ein – die Sicherheit geht vor und wir müssen und wohl noch etwas gedulden, bis die Sonne wieder herauskommt.

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