
Veröffentlicht Februar 2026
Reflexion zur ersten Hälfte des Jahres 2025 (und Plan für das zweite Halbjahr)
Hinweis: Eigentlich hatte ich diesen Text verfasst, um ihn mit intern bei CrowdFarming zu teilen. Auch wenn mich einige Kollegen darauf hingewiesen haben, dass wir damit mögliche Nachahmer inspirieren, denke ich, dass die Veröffentlichung unseres Plans, die Arbeit unseres Teams würdigt, das sich täglich dafür einsetzt, den Direktvertrieb zu verbessern.
Erkenntnisse aus dem ersten Halbjahr
In der Landwirtschaft gleicht keine Ernte der anderen – und genauso gleicht bei CrowdFarming kein Jahr dem anderen.
Klimatische Ereignisse wie Starkregen, Hagel oder extreme Hitze sind keine Neuheit, aber schwer vorherzusagen. Und wieder einmal haben sie unsere Sommerpläne durchkreuzt. Im letzten Monat haben drei unserer Steinobst-Landwirte ihre Ernte innerhalb weniger Tage verloren. Das ist für sie eine echte Tragödie und für unsere Kunden ein logistisches Chaos.

Was können wir tun? Wenn wir denken, dass wir angesichts solcher Ereignisse nichts tun können, liegen wir falsch. Wir können unsere Kunden über das Geschehen informieren, damit sie die Veränderungen nachvollziehen können. Wir müssen schneller in unserer internen und externen Kommunikation werden. Wir können nach Landwirten in anderen Regionen suchen, um das Risiko zu verringern und wir können den betroffenen Landwirten helfen, indem wir ihre kaputte Ernte für die Herstellung von Marmeladen unserer Marke All Is Good verwenden.
Wir debattieren seit einiger Zeit, welche zusätzlichen Dienstleistungen wir unseren Landwirten anbieten können – über Verkauf und Logistik hinaus. Wir haben über eine Versicherung nachgedacht – das könnte ein wertvoller Service sein. Diese Idee werden wir in den nächsten Monaten noch besser definieren, um sie in unseren Plan 2026 aufzunehmen.
Auch wenn regenerativ-biologische Landwirtschaft keinen Hagel verhindern kann, müssen wir weiter messen und mit Daten überzeugen, damit mehr Landwirte regenerative Praktiken umsetzen. Regenerativ bewirtschafteter Boden wird zu einem Schwamm, der Regenwasser absorbiert und Feuchtigkeit speichert – ein Schlüsselaspekt im Kampf gegen Hitze, Dürre und Feuer.
Wir arbeiten weiterhin dafür, dass immer mehr Landwirte verstehen, dass regenerative Praktiken nicht dazu dienen, ihre Produkte teurer zu verkaufen, sondern um langfristig widerstandsfähigere und produktivere Betriebe zu schaffen. Ziel ist es, ihre Produktionskosten langfristig zu stabilisieren und nahrhaftere Lebensmittel mit weniger externen Düngemitteln zu produzieren.
Welchen Wert schaffen wir?

Für mich ist alles messbar – aber nicht alles lässt sich kurzfristig mit Daten belegen. Und ein Halbjahr ist sehr kurz.
Ich möchte unserem neuen Service “Kundenerfahrung” gratulieren. In kurzer Zeit haben wir ein neues Reklamationssystem eingeführt, das im Falle eines beschädigten Produkts eine schnelle und faire Lösung für Verbraucher und Landwirte bietet. Schnelles Handeln ist entscheidend – und dieses Team verbessert sich darin stetig.
Nachhaltiges Wachstum von über 30%: Unsere Landwirte haben ihre Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 31% gesteigert. Wir haben uns als größter Direktvertriebskanal für Bio-Produkte etabliert. Dieses Wachstum hat es uns ermöglicht, die zweite Tranche unseres Darlehens der Europäischen Bank (im Wert von 7 Mio. €) freizugeben, mit dem wir weiter in unsere Dienstleistungen investieren können – und dabei die Mehrheit der Unternehmensanteile beim Gründerteam belassen.
Loyalität unserer landwirtschaftlichen Gemeinschaft: Dieses Wachstum wäre nicht möglich, wenn uns unsere Landwirte nicht vertrauen würden. Wir danken ihnen für ihre Geduld, wenn es manchmal nicht perfekt läuft und natürlich für ihr unermüdliches Engagement. Supermärkte haben einigen unserer Landwirte mit Vertragsbruch gedroht, wenn sie weiterhin über CrowdFarming verkaufen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn ein Landwirt sich den Luxus leisten kann, einem Zwischenhändler Nein zu sagen!
Presis mit Lust auf Veränderung: Direkt beim Landwirt einzukaufen hat Vorteile, erfordert aber auch einen Wandel im Konsumverhalten. Unsere Kunden (“Presis” von Präsidenten) können das Produkt bei Bestellung nicht sehen oder anfassen. Und wenn das Wetter die Ernte unterbricht oder unvorhergesehene Probleme auftreten, kann sich die Lieferung verzögern. Der Supermarkt hingegen bietet ganzjährig Früchte aus aller Welt.
Wir haben in den letzten 12 Monaten mehr als 500.000 Haushalte erreicht – über eine halbe Million Haushalte, die direkt beim Landwirt kaufen und dafür auf Bequemlichkeit verzichten, um frische und geschmackvolle Bio-Produkte zu erhalten. Die meisten von ihnen akzeptieren Unvorhergesehenes – solange unsere Kommunikation klar und zeitnah erfolgt.
Wir müssen unser Angebot an Landwirten weiterentwickeln und gemischte Kisten in verschiedenen Größen für alle Haushaltstypen anbieten. So wird Direktvertrieb nicht nur für überzeugte Unterstützer möglich, sondern für alle, die regelmäßig Bio-Produkte zu Hause erhalten möchten.
Welche Projekte starten wir im zweiten Halbjahr?

Besuche bei landwirtschaftlichen Betrieben: Wir werden WeFarmYou einführen – einen Service zur Buchung von Besuchen bei den Betrieben unserer Landwirte. Dieser neue Service erleichtert es den Kunden, die Herkunft ihrer Adoptionen kennenzulernen. Erste Tests starten diesen Sommer, Ziel ist ein Launch im Oktober.
Neue gemischte Kisten mit mehr Transparenz: Wir arbeiten an einem neuen Design, mit dem Kunden die Herkunft jedes Produkts in ihrer Kiste nachvollziehen können. Bisher zeigen wir nur einen stellvertretenden Landwirt.
Neue Bestelllinie: Unser Logistikteam arbeitet seit Ende letzten Jahres an einer neuen Verpackungslinie, mit der wir die Kapazitäten zur Bestellvorbereitung erhöhen. Dadurch können wir rechtzeitig die bevorstehende Mango- und Clementinenernte unserer Landwirte abwickeln.
Stärkung des Umstellungsprogramms auf Bio: Um eine nachhaltigere Lieferkette aufzubauen, müssen wir nicht nur schon zertifizierten Bio-Landwirten helfen, sondern auch diejenigen unterstützen, die auf Bio umstellen möchten. Oft haben sie Zweifel aufgrund kleinerer oder nicht der Norm entsprechenden Früchten, weil eine gute Beratung fehlt oder der soziale Druck vor Ort sehr hoch ist. Ich spreche aus Erfahrung.
Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, mehr Landwirte zum ökologischen Anbau zu bewegen. Unser Direktvertrieb mit fairen Preisen wirkt stärker als Subventionen.
Einführung von Farmeneurs zur Förderung regenerativ-biologischer Landwirtschaft: Seit zwei Jahren finanzieren wir Schulungen und Bodenanalysen auf 59 Höfen, um Daten über den Einfluss regenerativer Praktiken auf Bodenmikrobiologie und -gesundheit zu sammeln.
Ab November können unsere Landwirte Farmeneurs nutzen – eine App, die bei Anbaufragen unterstützt, Wetterauswirkungen erklärt und Dienstleistungen vermittelt, um regenerative Methoden einzuführen.
Wir schließen das Halbjahr mit 39% unseres Umsatzes mit Produkten aus regenerativ-biologischen Betrieben ab – Ziel ist 50% bis Jahresende.

Neue Website ab Januar 2026: Im letzten Quartal dieses Jahres werden wir eine neue Website und App entwickeln, die benutzerfreundlicher ist und 2026 starten wird. Es sind auch neue Funktionen geplant, die wir über Kundenfeedback entwickeln werden – Details bleiben aber vorerst noch geheim.
Wie viele wissen, freue ich mich im zweiten Halbjahr auf mein viertes Kind. Ich wünsche euch allen einen schönen Sommer und beende diesen Brief mit einem Leitsatz, der uns hilft, unsere Prioritäten zu definieren:
Wir machen regenerativ-biologische Landwirtschaft für Landwirte möglich und für Verbraucher zugänglich.
Geschrieben von Gonzalo Úrculo
Gonzalo es un "farmeneur". Como cofundador de CrowdFarming y agricultor, divide su tiempo entre la oficina y el campo. Además de la agricultura, disfruta leyendo y escribiendo sobre productos digitales y logística y discutiendo sobre su impacto en la cadena de suministro de alimentos.


