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Der Alterung der europäischen Landwirtschaft Einhalt gebieten

Europa muss sich einer großen Herausforderung stellen: Es gibt nicht genügend junge Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Gleichzeitig sind es genau diese engagierteren und klimabewussteren jungen Generationen, die  einen nützlichen Beitrag zur Etablierung eines Landwirtschaftsmodells leisten können, das mehr vereint und respektvoll gegenüber der Umwelt ist. Allerdings werden nur 11 % aller landwirtschaftlichen Betriebe in der Europäischen Union von Landwirten unter 40 Jahren betrieben.Tatsächlich sehen sich junge Menschen, die sich in der Landwirtschaft engagieren möchten, mit großen Hürden wie Zugang zu Land, Finanzierung, Wissen und Ausbildung konfrontiert. Dies offenbart ein echtes Generationenproblem in einem Sektor, der für unsere Ernährungssicherheit aber auch die Wirtschaft von strategischer Bedeutung ist.

Um diesen Trend umzukehren, werden europaweit Fördermaßnahmen zur Förderung dieses Berufsweges umgesetzt und es entstehen vermehrt neue Vermarktungsmodelle.

Generationenwechsel: eine echte europäische Herausforderung

2020 hat die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) in Rom einen Aktionsplan für die Landjugend erstellt, indem sie ihre institutionellen und budgetären Vorkehrungen stärkt und erstmals ein „Büro der Jugend“ geschaffen hat. Dieser Aktionsplan gliedert sich in fünf Hauptbereiche, von denen zwei junge Menschen bei der Beteiligung an der ländlichen Entwicklung im Rahmen integrierter Landschafts- und Territorialkonzepte unterstützen. Einer der Ziele ist,  im Rahmen einer grünen Wirtschaft, die allen zugute kommt, mehr Arbeitsplätze für junge Menschen im ländlichen Raum zu schaffen.

Was das Umweltbewusstsein betrifft, sieht die SDG-Agenda der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) bis 2030 die Etablierung widerstandsfähiger landwirtschaftlicher Praktiken vor, die die Produktivität und Produktion steigern, zum Erhalt von Ökosystemen beitragen, die Fähigkeit zur Anpassung an das Klima stärken verändern (…) und die Qualität von Boden und Boden schrittweise verbessern. Diese Aktionen zeigen uns, dass politische Organisationen und führende Persönlichkeiten auf der ganzen Welt die Notwendigkeit erkennen, die Dynamik und Kreativität junger Menschen zu nutzen, um eine bessere Zukunft im Hinblick auf unsere Lebensmittelproduktion zu gestalten.

Technologie im Dienste der Modernisierung des Agrarsektors

Mit dem Aufkommen des Internets in den letzten fünfzehn Jahren werden Klima- und Umweltthemen zunehmend in sozialen Netzwerken publik gemacht und junge Menschen fühlen sich stärker um konkrete Maßnahmen bemüht. Die Notwendigkeit einer radikalen Veränderung der Art und Weise, wie wir konsumieren und produzieren, wird spürbar und Ausreden werden immer weniger akzeptiert. In der Landwirtschaft können junge Landwirte auf zwei Ebenen agieren: der Einführung neuer Produktionsmethoden (nachhaltige Landwirtschaft, ökologischer Landbau, Anti-Abfall-Maßnahmen) und der Entwicklung von Kurzschlüssen durch Förderung des Direktverkaufs an Einzelpersonen. Hier kommt die Technologie mit der Schaffung von Plattformen wie CrowdFarming ins Spiel, die Landwirten die Möglichkeit bieten, ihre Produkte ohne Zwischenhändler zu verkaufen.

Darüber hinaus ermöglicht der Wegfall von Zwischenhändlern den Produzenten einen faireren Preis für ihre Ernte (den sie selbst festlegen) und schafft gleichzeitig mehr Verbindung zum Endverbraucher sowie eine Reduzierung der Umweltbelastung. Der Verbraucher seinerseits findet sich dort in Bezug auf Qualität, Transparenz und Rückverfolgbarkeit der angebotenen Produkte wieder. Es ist ein effektives Win-Win-Winner-Modell. Laut einer Studie, die wir 2020 über die Auswirkungen des Direktverkaufs vom Erzeuger zum Verbraucher durchgeführt haben, sagen 90 % der Landwirte, dass sie ihre Margen dank dieses Verkaufsmodells verbessern konnten, und 81 % von ihnen meinen, dass sie den Verbraucher nun besser verstehen. Es ist auch eine Gelegenheit, diese neue Generation von Junglandwirten zu befähigen, die Technologien zur Unterstützung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken in Europa voll auszuschöpfen.

Junglandwirte, die sich dem Direktvertrieb zuwenden

Bei CrowdFarming ist ein Großteil der auf der Plattform vertretenen Landwirte unter 40 Jahre alt. Wir haben das Glück, die Akteure von morgen unterstützen zu können, die bereits Maßnahmen ergreifen, die unsere Ökosysteme respektieren, um die Nachhaltigkeit unserer Böden zu gewährleisten. Hier sind ein paar Junglandwirte, die auf unserer Plattform vertreten sind, die mit gutem Beispiel vorangehen und konkrete Maßnahmen für eine nachhaltigere Landwirtschaft ergreifen.

Mudda Natur


Johannes Grenzebach, Gründer von Mudda Natur, baut mit Unterstützung seiner Familie seit mehreren Jahren Quinoa in Deutschland an. Er hofft, in den nächsten Jahren ein kleines Team aufbauen zu können, um weitere landwirtschaftliche Quinoa-Projekte in Deutschland zu starten. Die meisten Quinoa-Produkte kommen aus Übersee. Als Johannes vor einigen Jahren mit dem Quinoa-Anbau begann, hatte er keinerlei Erfahrung mit der Pflanze, aber im Laufe der Jahre entwickelte er ein Gespür für sie und ihre Anbaubedingungen in Deutschland.

„Respektvolles Arbeiten gehört zu unserer täglichen Arbeit. Um möglichst umweltschonend und nachhaltig zu wirtschaften, erzeugen wir einen Großteil des Stroms, den wir über die Photovoltaikanlagen auf unseren Dächern verbrauchen, selbst. Außerdem verwenden wir Buchen- und Eichenholz aus unserem Wald, um unser Wasser und unser Zuhause zu heizen.”

Johannes Grenzebach, Bauer einer Quinoa-Kultur.

Brasserie des Trois Becs

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Emmanuel Feraa ist 33 Jahre alt und hat sich nach seinem Studium in Marseille (Frankreich) entschieden, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und sich in Drôme niederzulassen. Mit Leidenschaft für die Herstellung von Craft Beer Brasserie des Trois Becs gründete er 2015 seine Brauerei in einem ehemaligen Hühnerstall im Familiental, wo er mit der Herstellung seines eigenen lokalen Bieres beginnen konnte. Da er Hopfen, den wichtigsten Rohstoff für Bier, nicht aus Deutschland oder den USA importieren wollte, beschloss er, Gerste selbst vor Ort anzubauen.

„Da Wein das Spiegelbild eines Landes, eines Klimas, eines Terroirs ist, wollte ich, dass mein Bier lokal, französisch und in der Drôme verwurzelt ist. Also dachte ich sofort an dieses Projekt, das den ökologischen Landbau, den Respekt des Bodens und die lokale Umwandlung dieser biologischen Rohstoffe in Qualitätsbier verbindet. Vor kurzem ist die Brauerei in ein brandneues, ökologisch gebautes Gebäude am Fuße des Dorfes Lozeron umgezogen. Wir konnten unsere Aktivität entwickeln und einen echten Ort schaffen, um unsere Produkte mit der Berufung zu einem kulturellen dritten Ort zu probieren.“

Emmanuel Feraa, für die Brasserie des Trois Becs verantwortlich.

Nouca

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Der aus Spanien stammende Iván Ruiz Grau ist ein junger Bauer, der mit der wertvollen Hilfe seines Großvaters Nouca, die Walnussfarm der Familie, übernommen hat. Er hat seinen Enkel immer unterstützt, vor allem, als Ivan beschloss, den Hof auf biologischen Landbau umzustellen. Ivans Hauptmotivation ist es, seine Werte und sein Modell einer nachhaltigen Landwirtschaft an andere Nussproduzenten zu vermitteln.

„Ich denke, die Zukunft der nachhaltigen und regionalen Landwirtschaft hängt ausschließlich von Plattformen wie CrowdFarming ab. Weil sie es Landwirten ermöglichen, große und unverhältnismäßige Provisionen von Zwischenhändlern zu umgehen und so Ressourcen in Landwirtschaft und Ökologie investieren zu können.“


Iván Ruiz Grau, Walnusserzeuger.



Die Frage des Generationenwechsels ist eine Frage der Ernährungssouveränität, und wie wir gesehen haben, müssen konkrete Initiativen ergriffen werden. Parallel zu diesen von der Europäischen Union geplanten Maßnahmen ist es auch wichtig, dass die Landwirte Zugang zu neuen Vertriebskanälen haben, um das Margenwachstum zu stimulieren, mehr Verbindungen zu schaffen und so junge Menschen zu ermutigen, sich in diesem Bereich zu engagieren. Der europäische Kontinent kann es sich nicht leisten, einen so wichtigen Sektor wie die Landwirtschaft zu verlieren. Gemeinsam müssen wir das System von innen heraus verändern, damit die Landwirtschaft zu einem Sektor wird, der hochwertige Arbeitsplätze schafft und in dem junge Menschen eine ihrer Ausbildung entsprechende Zukunft aufbauen können.

* Titelbild: unsere Weinbäuerin Valeria Zavadnikova vom Weingut Montemaggio in Italien.