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Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft

Felder des Elends, Felder der Hoffnung

Sonnenaufgang. Eine Landschaft aus offenen Feldern und weißen Plastik-Gewächshäusern soweit das Auge reicht, irgendwo in einer Mittelmeerregion. Ein Lastwagen hält an. Der Fahrer reißt die Türen auf und deutet seinen Passagieren auszusteigen. Eine Gruppe Arbeiter stolpert hinaus, begleitet von den Schreien des Fahrers. Schnell holen sie die Ausrüstung aus dem Fahrzeug und machen sich an die Arbeit. Europas Gemüsegarten wartet auf seine Lakaien.

Bis sie wieder abgeholt werden, werden sie den ganzen Tag in brütender Hitze auf den Feldern gearbeitet haben. Nur um nachts für ein paar Stunden in ihre Baracken zu fallen, bis sie in den frühen Morgenstunden unsanft geweckt werden um den Prozess von vorne zu beginnen. So mancher Dokumentarfilm hat diesen hässlichen Zusammenhang zwischen Einwanderung und Nahrungsmittelproduktion aufgezeigt. Auch unter rechtlich korrekten Rahmenbedingungen ist die Agrarindustrie nicht gerade für langfristige, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze bekannt.

Der niedrige Preis im Supermarkt muss ausgeglichen werden: Den Arbeitern angemessene, konstante Löhne zu zahlen, würde das erschweren. Es ist kein Geheimnis, dass konventionelle, industrielle Landwirtschaft auf Kosten der Umwelt geht. Aber sie geht auch auf Kosten der glücklosen Menschen, die keine andere Wahl haben, als unter prekären Bedingungen zu arbeiten. Kein Zweifel, die Unternehmen, die hinter diesen unfairen Arbeitsbedingungen stehen, könnten es besser machen. Aber am Ende des Tages sind sie diejenigen, die Europa zu den Discountpreisen ernähren, die die Verbraucher erwarten. Natürlich gehören nicht alle Felder diesen landwirtschaftlichen Großbetrieben. Einige gehören Bauern, die ihr Bestes geben, um ihren Arbeitern bessere Arbeitsbedingungen zu bieten. Bauern, deren Feldarbeiter einfach Menschen aus ihren Dorfgemeinden oder Familienmitglieder sind. Aber die Prekarität bleibt. Die Saisonalität der Landwirtschaft veranlasst die Notwendigkeit saisonaler Arbeitskräfte.

Maria of Los Pepones farm - Working confitions in agriculture


Zwischen Monokultur und Instabilität

Viele landwirtschaftliche Betriebe konzentrieren ihre Produktion auf eine Kulturart, zum Beispiel Oliven, Mandeln oder Orangen. Umgekehrt bedeutet dies, dass sie nur dann Hilfe benötigen, wenn sie neue Pflanzen oder Bäume pflanzen wollen und natürlich wenn es Zeit für die Ernte ist. Das bedeutet auch, dass der Hof jedes Jahr nur für kurze Zeit ein Einkommen erwirtschaftet, nämlich dann, wenn die Ernte verkauft werden kann. Viele können es sich daher einfach nicht leisten, jemanden dauerhaft einzustellen, insbesondere angesichts des unvorhersehbaren Verkaufspreises ihrer Produkte.

Wie sollen mittelgroße oder gar kleine Bauern ganzjährig Gehälter zahlen, wenn sie kein ganzjähriges Einkommen haben?

Besonders, wenn dieses saisonale Einkommen auch noch instabil ist und den Preisschwankungen des globalen Lebensmittelmarktes unterliegt, an denen sich die Zwischenhändler bei der Entscheidung über den Abnahmevertrag orientieren.

Was ist also die Lösung?

Wir glauben, dass die Lösung in der Kombination der Förderung des ökologischen Landbaus und der Vereinfachung der Lebensmittelversorgungskette liegt. Mit anderen Worten: Direktverkaufskanäle zwischen Landwirten und Verbrauchern schaffen. Dadurch entfallen die Zwischenhändler und die Abhängigkeit von globalen Marktbedingungen, sodass die Bauern den Preis für ihre Produkte selbst bestimmen können. Lebensmitteln einen echten Wert zu verleihen, anstatt sie als leicht austauschbare Kommodität zu behandeln, bietet dem Landwirt finanzielle Stabilität. Und: Durch die Befähigung der Landwirte, auf Bio umzustellen, entsteht automatisch die Notwendigkeit, mehr Menschen zu beschäftigen und langfristig bessere Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten.

Durch das Adoptionskonzept können wir einen Rahmen für den notwendigen sozioökonomischen Wandel in der Landwirtschaft schaffen, der den Bauern eine Chance bietet, besser zu agieren. In diesem System, in dem Kunden eine Beziehung zu den Landwirten aufbauen können – und umgekehrt – können sie ihre Ernte besser planen. So können unsere Produzenten nicht nur Lebensmittelverschwendung vermeiden, sondern auch besser einschätzen, wie viele Arbeitskräfte sie zu welcher Jahreszeit benötigen oder ob sie sich mehr dauerhafte Mitarbeiter leisten können. Die Verbraucher können sich zum Beispiel dafür entscheiden, Produkte von nachhaltig produzierenden Landwirten zu kaufen.

Working confitions in agriculture


Der Status quo

Alle Landwirte, die unserer Plattform beitreten, unterzeichnen eine Kooperationsvereinbarung mit einer Klausel die vorschreibt, dass alle Arbeiter einen offiziellen Arbeitsvertrag mit allen geltenden sozialen Garantien (z. B. Sozialversicherung) erhalten und dass die Arbeitsgesetze des jeweiligen Landes eingehalten werden.

Sie müssen mitteilen, wie viele Arbeitnehmer sie beschäftigen und welches Geschlecht sie haben. Diese Informationen sind öffentlich auf ihren Seiten auf unserer Website verfügbar.

Die Kooperationsvereinbarung schließt auch potenzielle Zulieferer ein, um sicherzustellen, dass die Landwirte ihren sozialen Verpflichtungen in jedem Vertragsszenario nachkommen. Aber der größte Faktor am Ende des Tages ist Vertrauen – wir vertrauen darauf, dass unsere Landwirte ihr Bestes im Umgang mit ihren Mitarbeitern geben, so wie sie es mit der Natur tun. Und in den von uns beobachtbaren Fällen, auch bei unserem Gründer, der selbst Landwirt ist, hat sich unsere Theorie als richtig erwiesen – der Bio-Landbau schafft in der Tat allein aufgrund seiner Methoden und seines arbeitsintensiven Charakters automatisch mehr und langfristig stabile Arbeitsplätze. Wir sind daher zuversichtlich, dass die Unterstützung der Landwirte bei der Umstellung auf Bio zu einer besseren Situation sowohl für die Landarbeiter als auch für die Umwelt führt und Felder des Elends in Felder der Hoffnung verwandeln kann.