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Was ist eigentlich Demeter?

Ist Demeter gleich Bio? Ist es minderwertig? Ist es besser? Braucht es ein offizielles Siegel wie das Bio-Siegel der Europäischen Union? Ist es wirklich so gut wie man behauptet?

Lasst uns versuchen, das zu teilen, was wir bis jetzt über das Demeter-Mysterium gelernt haben.

Demeter Logo - Demeter label

In der landwirtschaftlichen Welt (im Gegensatz zur Welt der altgriechischen Götter) bezieht sich Demeter auf die internationale Bewegung der biodynamischen Landwirtschaft, die, wenn sie zertifiziert ist, in der Tat zu einem Label führt. Die dafür verantwortliche Stelle ist die Biodynamische Föderation, die ganzheitliche Standards für landwirtschaftliche Praktiken setzt, die über Bio hinausgehen und einen regenerativen Ansatz verfolgen. 

Das bedeutet im Grunde, dass Demeter noch höhere Standards beinhaltet als Bio.

Die Föderation betrachtet die biodynamische Landwirtschaft als die nachhaltigste Form der Landwirtschaft, mit den anspruchsvollsten Anforderungen, die in der Landwirtschaft bekannt sind und von denen man glaubt, dass sie zu Produkten von höchster Qualität führen.

Es geht darum, der Erde etwas zurückzugeben, erklärt Ernesto von Casa Carlos, einer unserer Demeter-Landwirte. „Die biodynamische Landwirtschaft nutzt viel Weisheit – Alles begann mit den Vorträgen, die Steiner 1924 hielt:  Er erklärte, was getan werden musste, um das Leben des Bodens zu verbessern und schuf damit die Grundlage der Demeter-Landwirtschaftsstandards.“

Rudolf Steiner war ein österreichischer Philosoph und Wissenschaftler und unter anderem Begründer der Waldorfpädagogik. 1924 hielt er in Folge der Einführung der Agrochemie in der europäischen Landwirtschaft ein Seminar über die Bodengesundheit. Die von ihm gehaltenen Vorträge dienen bis heute als Leitfaden für Demeter-Praktiker. 

Gesunde Böden im Demeter-Sinne sind Böden, die reich an Humus sind: eine Substanz, die bei der Zersetzung von organischem Material entsteht. Humus ist nicht nur reich an Nährstoffen, sondern erhöht auch die Wasserspeicherung und bindet Kohlenstoff, was ihn sowohl pflanzen- als auch klimafreundlich macht. 

Was genau ist nun der Unterschied zwischen dem Bio- und dem Demeter-Siegel?

Eine weitere wichtige Säule von Demeter neben der Gesundheit und Vielfalt des Bodens ist das Erbgut der Pflanzen: Die Pflanzenauswahl und -Zucht unterliegt bestimmten Grundsätzen. Demeter-Saatgut wird ebenso biodynamisch angebaut wie Demeter-Gemüse und -Obst. Das Saatgut kann sogar unter dem Demeter-Label gekauft werden. 

Demeter ist ein eingetragenes Warenzeichen und um es zu verwenden, muss man die Zertifizierung erhalten haben. Diese beinhaltet regelmäßige Kontrollen und Überprüfungen, um sicherzustellen, dass der Internationale Demeter-Biodynamische Standard eingehalten wird. 

„Wenn ein Landwirt die Demeter-Zertifizierung erhalten will, muss er zuerst auf biologischen Anbau umstellen“, erklärt Ernesto. „Der ökologische Landbau ist die Basis, und dann dauert die Umstellung auf Demeter etwa ein Jahr.“ 

Demeter grapes - Casa Carlos Farm



Demeter-Bauer zu werden bedeutet nicht nur, die Regeln zu befolgen, sondern erfordert auch eine andere Einstellung – ein ganz anderes Verständnis von Landwirtschaft. Die Herangehensweise ist eine völlig andere als bei der konventionellen Landwirtschaft und die goldene Regel lautet, den Boden reicher zu machen, anstatt ihn zu degradieren. 

Demeter-Praktiker müssen schon ein bisschen verrückt sein, sagt Ernesto, ein stolzer Produzent von Zitrusfrüchten, Kiwis und einer der einzigen europäischen Produzenten von kernlosen Demeter-Trauben. Als einer der wenigen Bauern in Spanien, die Demeter-Praktiken folgen, weiß er wovon er spricht.

Warum Demeter? 

Biodynamisch bedeutet zugunsten des Lebens, zugunsten der Kräfte des Kosmos, der Natur selbst. Neben den unverzichtbaren ökologischen Praktiken müsst man die spezifischen Werkzeuge der biologisch-dynamischen Landwirtschaft anwenden. Zu diesen Werkzeugen gehören die vier Königreiche: Mineral-, Pflanzen-, Tier – und Menschenreich, um die Harmonie des fünften Königreichs zu begünstigen: die Farm.”

biologisch-dynamischen Landwirtschaft


Ziel ist, dass jedes Reich gedeiht und in einer symbiotischen Beziehung lebt, die das beste Ergebnis in Bezug auf die Qualität der Demeter-Produkte sicherstellt. Insekten und Unkraut zum Beispiel werden als Freunde und nicht als Feinde des Landwirts gesehen. Die Biodiversität wird gefördert statt eliminiert. Ernesto: „Ein echter Experte kann den Boden durch die Unkräuter, die auf ihm wachsen, analysieren. Sie zeigen den Zustand des Bodens an. Als wir mit dem Umstellungsprozess begannen, hatten wir zum Beispiel anderes Unkraut als jetzt. Das Unkraut verrät uns viel über den Zustand des Bodens.

„Du folgst dem Mond: Wenn die Dinge im Einklang mit dem Kosmos geschehen, funktionieren sie besser“

Für Ernesto, der früher viele Jahre als Architekt gearbeitet hat, war es eine Selbstverständlichkeit, Demeter-Anbaumethoden einzuführen, als er einen Bauernhof mit 170 Hektar Land kaufte. Zu sehen, wie sich die „vier Königreiche“ unter dieser neuen, schonenden Behandlung verwandeln und gedeihen, war es ihm definitiv wert. Auch wenn es bedeutet, höhere Produktionskosten zu haben, „Ich habe nie daran gezweifelt, dass dies der richtige Weg für mich ist“, sagt er. „Ich glaube nicht an die konventionelle Landwirtschaft.“


Im Endeffekt bleibt uns noch eine weiteren treffenden Definition: Demeter ist sowohl eine landwirtschaftlich Praxis als auch ein Glaubenssystem, das in der Überzeugung wurzelt, dass die Natur es selber am besten weiß und wir nur lernen müssen, sie zu verstehen und uns von ihr leiten zu lassen.

Eine kleine Weisheit nach dem Motto „zurück zum Ursprung“, die wohl nicht nur auf die Landwirtschaft anwendbar ist.