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Ein Landwirt beim Sortieren der Kartoffeln

Die Stimme deines Landwirts: Bio Hof Marco Jostmeier

Dieses Jahr war ein ganz besonderes Jahr, das ist wohl klar. Doch nicht nur wegen der Corona-Pandemie, die die Welt in Atem hält. Denn dieses Jahr haben wir einen ganz tollen Partner gewonnen. Wenn man es ganz genau nimmt, sogar 499 Partner. Wir haben dieses Jahr den Schritt gewagt und unsere Veränderung weiter ins Rollen gebracht. In dem Moment, in dem wir den Vertrag für 500 CrowdFarming-Patenschaften unseres Goldmarie-Ackers bei CrowdFarming unterschrieben haben, waren wir mega happy (besonders Tjorben!). In diesem Moment waren wir uns noch gar nicht sicher, ob das wirklich so alles hinhaut. 

Vor allem hätten wir eines nicht gedacht, nämlich dass es so viele Menschen gibt, die das gut finden, was wir machen und uns dabei unterstützen wollen. Unsere 500 Acker-Patenschaften waren innerhalb von nicht einmal zwei Monaten ausverkauft. Denn Ihr alle fandet uns und unsere Art der Landwirtschaft einfach nur spitze und wolltet das unbedingt supporten. All diesen Menschen möchten wir ganz, ganz doll danken. Ich glaube, ich hole euch mal hier ab und nehme euch mit zu dem Zeitpunkt, an dem alles anfing. 

Unseren Hof gibt es nun schon seit ungefähr fünf Jahren. Am Anfang gab es einen alten Hof, der schon fast zwei Jahrzehnte stillstand, Marco und seinen besten Freund Tim, eine Menge Ideen und den Traum, Landwirtschaft zu betreiben und somit in die Fußstapfen von Marcos beiden Großonkeln zu treten. Die ersten beiden Jahre verbrachten die beiden die meiste Zeit damit, Maschinen zu kaufen, den Ackerbau auszuprobieren, alle möglichen Gebäude zu entrümpeln und an Marcos Herzensprojekt, dem Rinderstall, zu arbeiten. Marco liebte diese Tiere schon immer und für ihn stand fest, dass er niemals ein Landwirt ohne Rinder sein möchte. Was dem einen sein Haus oder Auto ist, sind dem Marco seine Rinder. 

Tim, Marco und Uwe (Tims Vater) und seine Frau Christa haben oft abends zusammen gesessen und bei dem ein oder anderen Bier über die Zukunft des Hofes nachgedacht. Dabei entstanden so einige verrückte Ideen, besonders Tim wollte gerne viele verschiedenste Sachen machen und am liebsten alles mal ausprobieren. Marco war es nur immer wichtig, dass es mit alten Maschinen geht, denn er fand es immer toll, so wie seine Großonkel zu ackern. Bei all diesen Bierideen entstand unter anderem auch der Gedanke, Kartoffeln selber anzubauen und diese dann an Freunde zu verkaufen. Doch diese Idee musste noch etwas reifen, bis es dazu kam.


In der Zwischenzeit kamen 2018 die ersten 24 Rinder auf den Hof und den beiden wurde zum ersten Mal bewusst, was sie geschafft haben und dass es die ganze Arbeit auf jeden Fall wert war. Mit diesem Gefühl begannen die nächsten Projekte. Mehr Ackerflächen, mehr Rinder, ein weiterer Stall und die Umstellung auf biologische Landwirtschaft. Zwischen all dem lernte ich (Tjorben) dann Marco kennen und kam mit der Zeit mehr und mehr mit dazu. Ende des Jahres 2019 beschlossen wir, unsere eigenen Kartoffeln anzubauen.

3 Landwirte vor einem Traktor

Wir hatten nichts für das Projekt, kaum Ahnung und eine Menge Leichtsinn. Aber die Idee war in den Köpfen (besonders bei Tim) und wollte in die Tat umgesetzt werden. Bei “Ebay Kleinanzeigen” hatten wir schon lange nach alter Kartoffeltechnik geguckt. Wir kauften eine alte Kartoffellegemaschine aus der Nähe von Göttingen, 12 alte Kartoffelkisten hab ich aus der Nähe von Rheda-Wiedenbrück geholt, eine Sortiermaschine haben Tim und ich aus Hannover abgeholt und einen alten Hackrahmen haben wir im Nachbardorf gefunden. Bestens ausgerüstet mit den Maschinen aus dem letzten Jahrhundert haben wir 0,5 Hektar Kartoffeln angebaut.

Anfang des Jahres fing ich dann mit der Vermarktungsidee CrowdFarming an. CrowdFarming kannte ich aus dem Fernsehen und Instagram und wollte da schon immer gerne ein Teil von sein. Ich verfasste Texte, wir entwickelten Verpackungen, machten Bilder, kalkulierten Preise, starteten Versandtests und vieles mehr. Vieles musste vorbereitet und überlegt werden. 

Um Ostern herum haben wir die Kartoffeln gepflanzt, das war ein richtiger Spaß. Drei junge Männer, eine alte Kartoffellegemaschine, Marcos alter IHC, 1,3 Tonnen Goldmarie und bestes Wetter. Wir hatten viel Freude, denn auf so einer alten Maschine zu sitzen und die Kartoffeln passend in das drehende Rädchen zu legen, war schon sehr lustig. Das Kartoffellegen wurde zum kleinen Event, sämtliche Freunde kamen an den Acker und mussten erst mal gucken, was die drei Jungs da schon wieder machen.

Die Kartoffeln waren gelegt und vier Wochen später begannen wir die Dämme, in denen die Kartoffeln liegen, anzuhäufeln. Das heißt, dass man lose Erde an den Kartoffeldamm schmeißt, hierfür kam der alte Hackrahmen zum Einsatz. Wir haben alles hinter den Trecker gehangen und sind zum Acker gedüst. Wir sind mit dem Trecker vor die Kartoffeldämme gefahren und haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Wir hatten beim Legen nicht daran gedacht, die Reihenabstände, in denen die Kartoffeln liegen, so anzuordnen, dass wir mit unseren IHC und seinen Reifen zwischen den Dämmen fahren können. Deshalb musste schnell ein ganz kleiner Trecker her. Zum Glück gab es im Nachbarort einen Bekannten, der einen passenden Trecker hatte.

Die Zeit verging, die Sonne schien so viel wie noch nie und die ersten Triebe erblickten nach und nach das Tageslicht. Manche unserer Kartoffelpflanzen bekamen schon einen leichten Sonnenbrand. Gegen Ende Mai waren unsere Pflanzen dann auch nicht mehr alleine, denn der Kartoffelkäfer hatte unseren Acker entdeckt. Täglich ist einer von uns abends über den Acker gegangen und hat Kartoffelkäfer abgesammelt. Die Pflanzen wuchsen und zum passenden Zeitpunkt wurde es regnerischer. Im Juni/ Juli fingen die Pflanzen an, weiß zu blühen. Das Wetter wurde zum perfekten Kartoffel-Wetter. Regen und Sonne wechselten sich ab. Wir gingen endlich online und waren überwältigt von dieser Bereitschaft zu bewusstem Konsum und einer ganz anderen Art der Landwirtschaft. In der ersten Woche habt ihr uns und Antonia von CrowdFarming sprachlos gemacht. Denn wir konnten nach sieben Tagen schon 64 Adoptionen verzeichnen. Nach diesem Start waren wir schon ziemlich begeistert. Jede Woche trudelten mehr und mehr Adoptionen ein. Wir konnten es gar nicht glauben, dass es so gut lief.

Zwei Kartoffelkäfer auf einem Blatt

Die Kartoffelpflanzen fingen an abzusterben und die Kartoffeln wollten so langsam auch mal aus der Erde. Wir machten eine Termin zum Roden und sagten Freunden und Familie Bescheid. Denn auch hier wollten natürlich einige dabei sein. Ein paar Tage vor dem Roden kündigte sich dann auch noch Antonia (unsere Farmer Analystin von CrowdFarming) an, meine Aufregung war sehr groß, denn ich wollte ihr unbedingt alles zeigen und sie auch endlich mal in “Live” erleben! Das Wetter war gut, der Boden leicht abgetrocknet es konnte gerodet werden. Antonia kam, wir besprachen noch einmal alles für den Versand, zeigten ihr unseren Hof und erörterten alles für das nächste Jahr. Dann kam der Roder auf den Hof wir fuhren zum Acker uns das Roden begann. Jeder ist mal mitgefahren und hat Kartoffeln und Kluten sortiert. Es waren ganz schön viele Kluten, denn der Boden ist sehr lehmig. Fleißig wurde sortiert und wir stellten fest, dass unsere Kartoffeln echt gut aussahen. Ab der Hälfte des Ackers wurden Marcos Augen groß, denn die 12 Kartoffelkisten waren schon voll, dabei gehen in jede Kiste so ca. 700 kg Kartoffeln. Marco holte den nächsten Anhänger schnell und auch der war mit 5 Tonnen Kartoffeln fix beladen. Alle unsere Anhänger wurden befüllt, denn wir haben von diesem kleinen Stück Acker fast 18 Tonnen Kartoffeln ernten können. Normal für diese Fläche wären etwa zehn Tonnen gewesen. Also für uns ein großartiges Kartoffeljahr und ich würde sagen – alles richtig gemacht!

Antonia Herm-Stapelberg und ein Landwirt auf einem Kartoffelfeld
Kartoffelernte

Also unsere Verpackung stand, die Kartoffeln waren ans Tageslicht geholt und fast alle 500 Adoptionen abgeschlossen. Mit einem guten Gefühl gingen wir an die nächste Challenge, das Kartoffeln sortieren. Wichtig war, dass grüne Kartoffeln, faule Kartoffeln und ganz kleine Kartoffeln aussortiert werden. Auch das war ein ganzer Tag Arbeit, wieder waren unsere Freunde und Familie dabei. Highlight vom Kartoffelsortieren war definitiv die Kartoffelsortiermaschine und Marcos beiden Großonkel, die fast so alt sind wie die Sortiermaschine. Alle haben geholfen und haben Kartoffeln sortiert. Kiste für Kiste wurde durchsortiert. Da wir so viel geerntet hatten, mussten wir sogar zwei Wochenenden sortieren.

Ein Landwirt beim Sortieren der Kartoffeln

Die Kartoffeln waren jetzt inzwischen gerodet, sortiert und haben ausgeschwitzt. Wer denkt, dass es das jetzt war, der liegt knapp daneben. Denn unsere Kartoffeln mussten ja noch versandfertig gemacht werden. Inzwischen hatten wir die Nachricht von Antonia erhalten, dass alle Kartoffelacker-Stücke einen Paten gefunden hatten!! 
Wir befanden uns nach dieser Nachricht auf einer Art Höhenflug. Denn das hätte nun keiner von uns erwartet. Das zeigt uns nur, dass wir sowas von den Puls der Zeit getroffen haben und wir genauso weitermachen müssen.

Das versandfertig machen war jetzt nochmal ein Erlebnisevent, wieder mit von der Partie unsere Freunde und Familie und diesmal sogar Freunde der Familie. Diese Unterstützung hat uns sehr geholfen, alle Masterboxen versandfertig zu machen. Es wurde abgewogen, eingetütet, zugenäht, Kartons geklebt, Holzwolle verteilt und die Rollcontainer gepackt. Besonders ich war am Packtag mega aufgeregt, denn es musste alles laufen und ich wollte, dass beim Versand alles perfekt ist. Aber wie sagt man so schön: nichts ist perfekt! Alle Rollcontainer waren gepackt und alle Versandlabel waren aufgeklebt. Ich zählte alle Pakete und meine Augen wurden ganz groß. Der Schock: es waren 499 Pakete, eins fehlte. Ich hab noch vier mal nachgezählt, vergeblich. Das Paket tauchte nicht auf. Wir haben überall noch nach einem Versandlabel geschaut, keine Spur. Ich gab mich geschlagen, dieses Paket geht dann wohl erst später raus…

Nächster Tag, morgens. Die 19 Rollcontainer sollten heute abgeholt werden. Alles stand bereit und wir warteten auf den Versanddienstleister. Der kam dann auch, jedoch nur ein LKW ohne Anhänger. Der Blick ging zu den Rollcontainern, dann zum LKW. “Der bekommt doch gar nicht alle mit“, dachten wir uns. Der nette Fahrer stieg aus und sagte das, was ich schon geahnt hatte. Er solle 12 Rollcontainer abholen. Ich dachte mir nur: “das hat uns jetzt noch gefehlt, über 150 Pakete die nicht mitkommen“. Zum Glück kam in dem Moment aber dann schon der nächste LKW, mir fiel ein Stein vom Herzen. Also mal wieder umsonst Sorgen gemacht. Manchmal macht man sich wohl einfach zu sehr verrückt. 

Die Zustellung erfolgte nach und nach und wir bekamen die ersten Rückmeldungen. Diese haben uns immer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, denn das war genau das, was wir erreichen wollten. Kommunikation zwischen Verbraucher und Landwirt! 

Wir hatten noch einiges an Kartoffeln im Lager und beschlossen, einen Ernteüberschuss zu starten. Wir überlegten und machten 240 Einheiten aus. Nun dachten wir, dass wir davon höchsten 100 Stück verkaufen könnten. Aber auch hier habt ihr uns total umgehauen. Denn wir waren eine Woche vor Ende komplett ausverkauft. Eine CrowdFarmerin hat sogar 4 Boxen gekauft. Wir begannen das Rotieren. Denn wir hatten doch tatsächlich eine Woche vor dem Versandtag 20 Versandkartons zu wenig. Zum Glück konnte unser Kartonagenhersteller so schnell für uns nachproduzieren, der Karton war zwar aus einem anderen Material und drei mal stärker, aber wir hatten einen Tag vor dem Packtag alle Kartons zusammen.

Der Packtag lief ohne Probleme. Dank unserer ganz neuen Absackwaage mit weniger Leuten und dazu auch noch viel schneller. Die Weichen für die nächste Saison waren somit gestellt. Wir haben uns unsere Probleme und Erfahrungen aus unserem ersten Jahr zu Herzen genommen und haben so manches geändert. In der nächsten Saison gibt es daher einen anderen Karton, keine Holzwolle mehr und statt Bodenbeuteln, Tüten mit Henkeln und unseren eigenen Aufdruck. 

Wir sind von dieser Unterstützung jedes einzelnen so begeistert, wir sind so dankbar für jeden einzelnen, der uns sein Vertrauen schenkt. Mit diesem Gefühl und unserem Mut und Ehrgeiz, etwas ändern zu wollen, gehen wir in die nächste Saison – und das hoffentlich mit dir als Partner. Denn ein Einzelner kann noch nicht mal im Ansatz das bewegen, was wir zusammen schaffen können. 

Wir haben die Anbaufläche für das nächste Jahr vervierfacht und haben ein zweites Projekt ins Laufen gebracht. Denn nächstes Jahr gibt es nicht nur Goldmarie sondern auch Heiderot. Wir glauben, dass das genau das Richtige ist. Wenn wir auf das Jahr zurückblicken, haben wir ein Lächeln im Gesicht. Als Erinnerung für uns und für jeden, der möchte, haben wir sogar einen Kalender herausgebracht, den man ganz einfach bei uns im Online Shop erwerben kann. Dieser Kalender ist auf jeden Fall etwas Besonderes und ein Bekenntnis für nachhaltige und transparente Landwirtschaft das ganze Jahr über. 

Natürlich fragen wir uns jetzt im Nachhinein, wie wir das alles überhaupt geschafft haben, das fragen wir uns sowieso immer wieder. Ich glaube, dass es die Mischung ist. Ein 26 Jahre junger Landwirt, ein 30-jähriger Kaufmann und ein Konstrukteur, der 21 ist. Drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Alle haben total verschiedene Ansichten und kommen aus total unterschiedlichen Strukturen. Doch eins verbindet uns mehr als alles andere: die Landwirtschaft!

3 Landwirte vor einem Haus

Diese Unterschiede machen uns und unseren Erfolg aus, doch sie machen es uns nicht immer leicht. Denn der eine möchte etwas, was der andere total absurd findet. Zu oft diskutieren wir stunden lang. Jeder einzelne von uns hat seinen ganz eigenen Antrieb, ich glaube ganz fest daran, dass genau das uns noch weit bringen wird. Denn wenn der eine von uns vielleicht gerade aufgeben will, kommt der andere und hilft ihm wieder hoch. Der Einzelne kann stark sein, doch gemeinsam sind wir noch viel stärker! Gemeinsam schafft man es auch, aus einer Bierlaune heraus zu einem erfolgreichen Kartoffelprojekt. Gemeinsam sind wir der Bio Hof Marco Jostmeier und machen Landwirtschaft aus voller Leidenschaft.

Mit Liebe für Dich geschrieben

Tjorben, Bio Hof Marco Jostmeier.