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Illustration einer Familie, die Bio-Orangen isst, und einer Person im Supermarkt, die ein Netz mit Orangen kauft.

Fühlst du dich wohl, wenn du Obst im Supermarkt kaufst?

Ich betrete den Supermarkt, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Ich gehe in die Abteilung,  wo das unverpackte Obst liegt, um zu sehen, was gerade Saison hat. Es ist der Stand, bei dem das Obst normalerweise teurer ist und es eine Person gibt, die es für dich auswählt. Bei meiner Ankunft stelle ich mir die erste Frage: Ist alles, was ich sehe, wirklich Saisonobst? Was betrachtet der Supermarkt als Saisonobst? 

Ich will unbedingt mehr darüber wissen, also stelle ich mich vor die Clementinen und frage den Mitarbeiter: 
– „Haben die gerade Saison?“ 

Der Mitarbeiter antwortet fix:
– “Ja”

Ich frage weiter:
– “Wissen Sie, wann die Clementinen geerntet wurden?”

Der Mitarbeiter antwortet mir, während er die auf den ersten Blick perfekt aussehenden Clementinen verpackt:

-”Sie wurden uns heute morgen geliefert.” 

Ich bekomme zwar nicht die Informationen, die ich gesucht habe, aber ich höre auf zu fragen. Ich möchte nicht penibel erscheinen oder den Mitarbeiter wegen ein paar Clementinen in eine unangenehme Lage bringen. Ich bitte ihn um 2 kg Clementinen, 2 Mangos und 5 Avocados, die er wiegt und in einzelne Plastiktüten packt.

Das ist mir im Jahr 2017 passiert. Ich hatte mich schon seit einiger Zeit unwohl gefühlt, weil sich mein Umweltbewusstsein so weit entwickelt hatte, dass es mir schwer fiel, mit einigen meiner Konsumgewohnheiten fortzufahren. Ich habe sie immer wieder gemacht, aber dann fühlte ich mich schlecht. Das Gefühl wurde immer unbehaglicher. Du hast dein ganzes Leben lang etwas auf eine bestimmte Art und Weise getan, aber es kommt der Tag, an dem du so einfach nicht mehr weitermachen möchtest.

Ich fing an, im Internet nach Seiten zu suchen, auf denen Bauern die von ihnen angebauten Früchte direkt verkaufen. Ich musste größere Mengen kaufen und auf die Bestellung warten, was meine Erwartung und Freude aber enorm steigerte.


Ich gehe immer noch in den Supermarkt, um einige Dinge einzukaufen, wenn ich keine Zeit zum Planen hatte oder ich etwas Dringendes brauche. Ich fühle mich nicht schlecht, wenn ich das ab und zu mache. Glücklicherweise gibt es ein wachsendes Angebot an Produzenten, die ihre Produkte direkt an den Endverbraucher verkaufen.


P.S.: Diese Erfahrung gab den Ausschlag zu einer beruflichen Veränderung und ich wurde zur Mitgründerin von crowdfarming.com

Juliette Simonin.