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Illustration einer Wasserwolke, die auf ein Feld fällt

Wassernutzung bei subtropischen Nutzpflanzen: von der Effizienz zur Nachhaltigkeit

Die Landwirtschaft ist ein wirtschaftlicher und sozialer Motor, der es Millionen von Familien in Europa ermöglicht, ihr Leben zu gestalten. Genauer gesagt bietet die Landwirtschaft heute (April 2020) nach Angaben der Europäischen Union 20 Millionen Menschen eine reguläre Beschäftigung¹.

Landwirte, Regierung und Verbraucher sind sich zunehmend der Bedeutung eines nachhaltigen Agrarsektors bewusst. Dies sowohl in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, als auch auf die Umwelt.

Die geographischen Merkmale des Küstenstreifens der Provinzen Málaga und Granada, die durch Gebirgsketten geschützt sind, schaffen ein einzigartiges subtropisches Klima innerhalb des Mittelmeerklimas. Die Bergketten parallel zur Küste halten sowohl die Feuchtigkeit vom Meer, als auch die von der Sonne erzeugte Wärme zurück und sorgen so das ganze Jahr über für stabile Temperaturen. Dadurch entsteht ein subtropisches Klima, das optimale Wachstumsbedingungen für tropische Früchte bietet. Diese Bedingungen werden von den Landwirten dieser Provinzen seit mehr als zwei Jahrhunderten für den Anbau von Früchten wie Avocado, Mango oder Cherimoya genutzt. In Málaga werden seit 1770 tropische Früchte angebaut2.

In anderen Gebieten der Iberischen Halbinsel, wie der Autonomen Gemeinschaft Valencia, West-Andalusien und der Südküste Portugals, wurden Gebiete entdeckt, in denen Frost nie auftritt und Winde unproblematisch sind. Aufgrund dieser günstigen Umstände haben die Landwirte den Anbau von Avocado eingeführt, weil er rentabler ist als andere Nutzpflanzen.

Das Mittelmeerklima ist mit geringen Niederschlägen und Dürreperioden verbunden, die leider durch den Klimawandel tendenziell noch verstärkt werden. Wassermangel ist einer der Hauptfaktoren, der die landwirtschaftliche Produktion einschränkt, und ist auch ein Anliegen der Verbraucher, die mit ihren Lebensmittelkäufen einen positiven Einfluss auf die Umwelt nehmen wollen

Die Technologie ist ein Schlüsselfaktor für eine gute Wassernutzung. Der Einsatz von Tröpfchenbewässerungssystemen ist nahezu ein Muss, um Verschwendung zu vermeiden und eine gleichmäßige Verteilung des Wassers zu gewährleisten, damit jeder Baum die richtige Menge Wasser erhält. Immer häufiger werden Sonden (Tensiometer) eingesetzt, die die Feuchtigkeit des Bodens messen. Diese Sonden zeigen genau an, wann die Bewässerung beginnen und wann sie enden sollte, so dass jeder Baum genau die Menge erhält, die er benötigt. Sowohl die Landwirte, als auch die öffentliche Verwaltung unternehmen in dieser Hinsicht große Bemühungen, um durch Bewässerungstechnologie und -kontrolle eine immer effizientere Landwirtschaft zu fördern. Es gibt spezialisierte Forschungszentren (z.B. IFAPA³), die den Landwirten Wissen darüber vermitteln, wie sie ihre Betriebe so wassersparend wie möglich führen können. 

Es gibt noch andere Faktoren im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung von Anbauflächen, die zu erheblichen Wassereinsparungen führen können, wie z.B. die ständige Bedeckung des Bodens mit organischem Material wie Laubstreu oder Pflanzenresten und/oder ein angemessener Baumschnitt, um dem Boden Schatten zu spenden. Beide Techniken neigen dazu, die Sonne und den warmen Sommerwind daran zu hindern, den Boden auszutrocknen.  

Illustration tropischer Früchte, die aus dem Wasserhahn fließen, als ob sie Wasser wären

Die von den Landwirten genutzten Wasserressourcen können aus drei Hauptquellen stammen: Wasserspeicher, Brunnen und Regenwasser. Wenn Landwirte über Wasser aus Speichern verfügen, werden diese in einer Bewässerungsgemeinschaft organisiert, die eine gerechte Verteilung des Wassers entsprechend den vorhandenen Reserven, in der Regel zwischen 5.000 und 8.000 Kubikmeter pro Hektar, gewährleistet4.

Die Wasserentnahme aus dem Boden wird von der Verwaltung kontrolliert, und jeder Landwirt hat einen Wasserzähler in seinem Brunnen, der die entnommene Menge aufzeigt. Dieser Betrag ist je nach den im Untergrund vorhandenen Reserven begrenzt. Die Landwirte sind sich zunehmend bewusst, dass die Kapazität der Grundwasserschichten nicht überbeansprucht werden sollte. Aufgrund des Eindringens von Meerwasser sind die Brunnen in Küstennähe oft salzhaltig und somit wird die Bewässerungskapazität des Brunnens dauerhaft geschädigt. Wenn Meerwasser in einen Brunnen eindringt, macht es seine Nutzung für die Bewässerung zunichte, weil das Salz die Wurzeln der Pflanze verbrennt.

Eine große Anzahl tropischer Obstplantagen befindet sich an Berghängen  und viele Landwirte nutzen das Regenwasser durch den Bau von Terrassen (bancales). Da sie sich auf demselben Niveau befinden, fördern sie die Wasserinfiltration, indem sie den Grundwasserspeicher wieder auffüllen und den Abfluss verringern.

Der Wasserverbrauch der einzelnen Gewächse variiert je nach Gebiet und wird an die Wasserverfügbarkeit angepasst. Im Allgemeinen erhöht sich die Effizienz mit zunehmender Wasserknappheit. Die Nachhaltigkeit der Avocadopflanze wird in Frage gestellt, da es sich um eine Pflanze tropischen Ursprungs handelt. Die Effizienz des Wasserverbrauchs dieser Pflanze ist jedoch vergleichbar mit anderen Früchten (960 l/kg) und liegt unter dem Verbrauch anderer Pflanzen, wie Getreide (1.600 l/kg), Hülsenfrüchte (4.000 l/kg) oder Nüsse (9.000 l/kg) und entfernt sich von hohen Werten, wie sie für die Viehzucht benötigt werden (15.000 l/kg)5.

Global wird geschätzt, dass für die Produktion von 1 kg Avocado etwa 1000 Liter Wasser benötigt werden. Im speziellen Fall des Anbaus in Málaga und Granada verbrauchen die meisten Landwirte aufgrund ihrer Anstrengungen und der technologischen Innovation weniger als 700 Liter für die Produktion von 1kg Avocado. IFAPA-Forscher schätzen, dass der Verbrauch in naher Zukunft auf 500 l/kg7 gesenkt werden kann. Zusammen mit anderen Vorteilen, wie biologischem Anbau, positiven sozialen Auswirkungen oder verringertem CO2-Fußabdruck aufgrund ihrer Nähe zum europäischen Verbraucher, machen sie und andere tropische Früchte aus diesen geografischen Gebieten zu nachhaltigen Nutzpflanzen.


Aussagen zur Wassernutzung durch verschiedene Landwirte von CrowdFarming:

Finca La Salada: „Wir kümmern uns in umfassender Weise um die Nachhaltigkeit der Plantage und ihrer Produktion, insbesondere um den Wasserverbrauch unserer Avocados. Wir wenden „Mikro-Bewässerung“ an, die einen Verbrauch von 280-380 Litern Wasser pro Kilo Avocado garantiert. Dieses Management des Bewässerungssystems, zusammen mit der Wiederverwendung und dem Sammeln von Regenwasser und der von uns getroffenen Auswahl an Sorten und Veredelungsgrundlagen, machen den Wasser-Fußabdruck unserer Produktion zu einem der niedrigsten, die man finden kann“.

Finca El Rinconcillo: „Wir beziehen unser Wasser aus unseren eigenen Brunnen und durch die Speicherung von Regenwasser. Ein erwachsener Baum verbraucht etwa 32,5 m3 pro Jahr. Für die Bewässerung verwenden wir Wassertropfer, die die Wasserversorgung effizienter machen. Wir überprüfen die Tropfer wöchentlich, um Wasserlecks zu verhindern, und verwenden Tensiometer, um den Wasserbedarf der einzelnen Gebiete zu bestimmen. […] Stämme und Äste werden zerkleinert und zusammen mit Blättern in die Anbaupfade geworfen, um einen Mulch zu erzeugen, der die Wasserspeicherung verbessert und die organische Substanz im Boden erhöht“. 

Finca La Atalaya: „Unser Wasser kommt aus Brunnen, die vierteljährlich getestet werden, um sicherzustellen, dass sie nicht salzhaltig sind. Die ganze Plantage hat Wassertropfer installiert und wir haben einen Wasserspeicher, um Wasser zu sammeln“.

Verweise
Union Européenne [Online] at <Agricultura | Unión Europe> [Accessed in March 2019]
IFAPA [Online] at <CENTRO IFAPA DE MÁLAGA | Instituto de Investigación y Formación Agraria y Pesquera (IFAPA)> [Accessed in March 2019]
El cultivo del Aguacate [Online] at <El Cultivo del Aguacate en la Costa de Granada> [Accessed in March 2019]
Water Footprint Network [Online] at <Water footprint of crop and animal products: a comparison> [Accessed in March 2019]
SUR [Online] at <700 litros el agua para producir 1 kilo de aguacate> [Accessed in March 2019]
Agricultural Water Management [Online] at <Yield and fruit quality of avocado trees under different regimes of water supply in the subtropical coast of Spain> [Accessed in March 2019]