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Die Sache mit dem Wasser: Landwirtschaft in Zeiten der Dürre

In vielen europäischen Ländern war der Sommer 2022 einer der heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen, und die Dürre hat natürlich auch die landwirtschaftlichen Aktivitäten stark beeinträchtigt. Da einige Menschen uns gefragt haben, wie sich diese Situation auf die Landwirte von CrowdFarming und insbesondere auf die Landwirte der Tropiterranenan-Bewegung ausgewirkt hat, möchten wir gerne Fragen und Antworten mit euch teilen.

  • Welche Praktiken gibt es, um den Wasserverbrauch beim Anbau von (tropischen) Früchten zu begrenzen?

Die Wasserbewirtschaftungspraktiken für tropische Kulturen hier in Europa sind die gleichen wie für andere Kulturen. Für tropische Obstkulturen gelten keine besonderen Beschränkungen für die Wassernutzung, genau wie für andere Kulturpflanzen. In Spanien – wo fast alle tropischen Früchte in Europa angebaut werden (obwohl es in Italien auch einige tropische Landwirte gibt) – wird das Wasser für die Bewässerung pro Hektar Anbaufläche zugeteilt, unabhängig davon, für welche Art von Produkten sich die Landwirte entscheiden. Ressourcenbewusste Landwirte, wie z. B. die der “Tropiterranean”-Bewegung, optimieren den Wasserverbrauch mit modernen und effizienten Tröpfchenbewässerungssystemen, aber auch, indem sie den Boden mit Schnittabfällen abdecken (anstatt den Boden kahl und der Sonne ausgesetzt zu lassen). Viele unserer Landwirte verwenden auch Sensoren, die ihnen anzeigen, wann und wie viel sie welchen Bereich ihrer Felder bewässern müssen.  Es gibt einen zunehmenden Trend hin zu Technologien, die die Beobachtung der Kulturen und das Ressourcenmanagement erleichtern und dem Agrarsektor insgesamt zu mehr Effizienz verhelfen.  

Ein weiterer Schlüssel ist der Anbau verschiedener Sorten, die für bestimmte Bedingungen besser geeignet sind als andere. So kann es vorkommen, dass in einem besonders trockenen Jahr eine bestimmte Obstsorte nicht oder in viel geringerer Menge als üblich zur Verfügung steht. Das war zum Beispiel bei der Sensation Mango in diesem Jahr der Fall, weil es nicht genug geregnet hat und die Bäume ihre Früchte abgeworfen haben.

Tröpfchenbewässerung



  • Woher kommt das Wasser, das unsere Landwirte nutzen?

Viele unserer spanischen Landwirte verfügen über eigene Regenwasserreservoirs, gehören aber auch oftmals einer “Bewässerungsgemeinschaft” an – “einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, die der Flussgebietsbehörde (öffentliche Einrichtung, die für die Wasserwirtschaft in den Flussgebietseinheiten zuständig ist) angeschlossen ist und von den Wassernutzern und anderen Vermögenswerten im öffentlichen Wasserbereich derselben Entnahme oder Konzession gegründet werden muss.” 1

Diese Gemeinschaften sorgen für eine gerechte Verteilung der Wasserressourcen, die in einem bestimmten Gebiet für Bewässerungszwecke zur Verfügung stehen, indem sie eine bestimmte Menge an Kubikmetern pro Hektar produktiver Fläche zuweisen. Die genaue Menge ist variabel und hängt von den klimatischen Bedingungen ab, bei Trockenheit ist sie geringer als bei viel Regen. 

Die von den Landwirten genutzten Wasserressourcen können aus drei Hauptquellen stammen: Reservoirs, Brunnen und Regenwasser. Es kann auch aus Entsalzungsanlagen stammen (eine davon soll in der Region Axarquia in Südspanien gebaut werden, wo viele tropische Früchte angebaut werden) und aus wiedergewonnenem Grauwasser, also durch “Recycling” von Wasser. 

Das Wasser, das über die oben genannten Bewässerungsgemeinschaften verteilt wird, kommt oft aus Brunnen oder Flüssen. Der Brunnen kann gemeinschaftlich sein, was bedeutet, dass das Wasser unter den Bewässerern aufgeteilt wird.

Ein Regenwasser-Sammelbecken auf einer Finca in Andalusien

  • Welcher ungefähre Anteil des in der Landwirtschaft verwendeten Wassers stammt aus wiederverwendetem Wasser?

Dies ist von Land zu Land und von Region zu Region unterschiedlich. Bislang ist diese Praxis in den meisten Gebieten noch nicht eingeführt worden. In Andalusien, wo die meisten unserer tropischen Landwirte angesiedelt sind, liefern die derzeit bestehenden Kläranlagen etwa 30 hm³ wiederverwendetes Wasser (= Grauwasser). Die lokale Regierung will diese Zahl in Zukunft auf 120 hm³ erhöhen, da die Region zunehmend in diese Form der Wasserbeschaffung investieren möchte. 2

  • Wie funktioniert die Wasserzuteilung in Spanien (insbesondere in Südspanien)? Wie ist sie geregelt?

Die Entnahme von Wasser aus dem Untergrund wird von der hydrographischen Konföderation jedes Einzugsgebiets kontrolliert, und jeder Landwirt hat einen Wasserzähler in seinem Brunnen, der die entnommene Menge kontrolliert (zumindest ist dies in Spanien so.) Auch das Wasser, das von der Bewässerungsgemeinschaft kommt, hat einen Zähler. Der Wasservorrat der Bewässerungsgemeinschaften ist nicht unbegrenzt – es gibt eine klare Grenze, und wenn diese erreicht ist, steht ihnen kein Wasser mehr zur Verfügung.

  • Wie sieht die kurz-, mittel- und langfristige Vision für die Wassernutzung bei (europäischen) tropischen Kulturen aus?

Im Allgemeinen verfolgen die Landwirte tropischer Kulturen dieselbe Vision wie bei den übrigen Kulturen: Sie wollen die vorhandenen Ressourcen optimieren, indem sie technologische Innovationen und natürliche Techniken anwenden und das Wasser so direkt wie möglich in den Boden einsickern lassen. Unsere Landwirte versuchen auch, wann immer möglich, Wasser aus anderen Quellen zu nutzen, z. B. aus aufgefangenem Regenwasser oder Grauwasser. Natürlich sind anhaltende Dürreperioden ein Faktor, der unsere Landwirte sehr beschäftigt und ihnen Sorgen für die Zukunft bereitet. Langfristig sind die kollektiven Anstrengungen zur Verhinderung eines weiteren Temperaturanstiegs für die Lebensmittelproduktion von entscheidender Bedeutung, da nur sehr wenige Lebensmittel keine Bewässerung benötigen. “Bei einer globalen Erwärmung um 3 °C würden Dürren doppelt so häufig auftreten.” 3

Eine Maßnahme, die sowohl in Bezug auf die Wassermenge als auch die Wasserqualität sehr hilfreich wäre, ist die Förderung der ökologischen und regenerativen Landwirtschaft. Eine Erhöhung des Humusgehalts unserer Böden würde beispielsweise den Wasserverbrauch senken, da solche Böden das Wasser besser und tiefer aufnehmen können. Synthetische Pestizide und Düngemittel verringern nicht nur die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, sondern verschmutzen auch das Wasser und damit unser Grundwasser. 3

Es ist auch wichtig, das Bewusstsein sowohl der Verbraucher als auch der Erzeuger dafür zu schärfen, dass unsere Ressourcen – Wasser und andere – endlich sind und dass landwirtschaftliche Tätigkeiten mit Rücksicht betrieben werden sollten. 

  • Die Dürren nehmen zu und die Wasserressourcen werden in allen geografischen Gebieten knapper. Wie können wir von nachhaltigem Anbau sprechen, wenn es langfristig nicht mehr möglich sein wird, tropische Kulturen zu bewässern?

Wenn eine Dürre auftritt, gibt es kaum eine Kultur, die “nachhaltig” ist. Den tropischen Kulturen wird am meisten ein hoher Wasserverbrauch vorgeworfen, obwohl dies nicht unbedingt der Fall ist. In der Europäischen Union ist Weizen der mit Abstand größte Wasserverbraucher. 4 Eine weitere sehr wasserintensive Kultur ist Reis. “Im Durchschnitt verbrauchen Getreidekörner 31 % des gesamten Wasserverbrauchs in der EU”, und sie haben einen relativ geringen Ertrag im Vergleich zu Obst und Gemüse, deren Kulturen mit weniger Wasser mehr produzieren. 4 

Der Wasserverbrauch hängt auch stark vom jeweiligen Gebiet ab – selbst in notorisch trockenen Regionen wie dem Süden Spaniens. In der Region um Granada zum Beispiel gab es dank der Sierra Nevada noch nie Wassermangel. In den Mittelmeerregionen im Allgemeinen kommt es immer wieder zu Dürreperioden, und dieses Jahr war sie besonders intensiv: Das letzte Mal, dass der Wasserstand in den Stauseen so niedrig war, war im Jahr 1995. Der Silberstreif am Horizont war jedoch, dass diese intensive Dürre von 1995 ein starkes Bewusstsein für Wasserknappheit schuf und zu einem Wassereinsparungsschub führte. Damals waren Tröpfchenbewässerungssysteme noch nicht üblich, und heute ist es undenkbar, dass eine tropische Obstplantage (oder eine andere Kultur wie Zitrusfrüchte, Olivenbäume usw.) dieses Bewässerungssystem nicht einsetzt. Da Dürreperioden immer häufiger und intensiver werden, werden immer mehr Lösungen gesucht und gefunden, um die Situation zu entschärfen.

Ein von Dürre betroffenes Feld



  • Wie wirkt sich die Dürre auf die Landwirte in Spanien und anderen europäischen Ländern aus?

Aufgrund der lang anhaltenden Dürre in diesem Jahr sind die Ernten weniger reichhaltig und die Früchte sind kleiner. Dies wirkt sich negativ auf das Einkommen der Landwirte aus, die jetzt mehr in die Verbesserung ihrer Bewässerungssysteme investieren müssen. 

  • Welche Lebensmittel sind am wasserintensivsten? 

Betrachtet man den Landwirtschaftssektor im Allgemeinen, so verbraucht die Tierhaltung viel mehr Wasser als der Anbau von Pflanzen. “Pro Tonne Produkt haben tierische Produkte im Allgemeinen einen größeren Wasserfußabdruck als pflanzliche Produkte”;5 und: “Der durchschnittliche Wasserfußabdruck pro Kalorie ist bei Rindfleisch zwanzigmal größer als bei Getreide” 6. Was den weltweiten Wasserverbrauch für die Lebensmittelproduktion betrifft, so ist Rindfleisch mit über 15.000 Litern (!) pro Kilo die klare Nummer eins, gefolgt von Nüssen mit 900 Litern pro Kilo, Schaf- und Ziegenfleisch, Hühnerfleisch, Eiern, Getreide und Milch. Obst und Gemüse stehen ganz unten auf der Liste. 7

Dies ist natürlich nur ein allgemeiner Überblick über den durchschnittlichen weltweiten Wasserverbrauch pro Lebensmittelkategorie. Die konkreten Zahlen variieren stark je nach Produktionsland, aber auch je nach Anbaumethode und Art der Pflanze. Ein Beispiel: Während der Wasserverbrauch der Mandelkulturen in Kalifornien, wo 80 % der Mandeln produziert werden, besorgniserregende Werte erreicht hat, wird ein großer Teil der Mandelproduktion in Spanien durch Regenwasser gedeckt. 8

  • Wie viel Wasser braucht ein Mango-, Orangen- oder Avocadobaum? 

Der Wasserverbrauch eines Mangobaums liegt im weltweiten Durchschnitt bei 1600 Litern pro Kilo, während er in Spanien und speziell in der “Tropiterranean”- Bewegung bei etwa 250-300 Litern pro Kilo liegt. Die Orangenbäume auf der Orangenfarm unseres Gründers, Naranjas del Carmen, benötigen etwa 90 Liter pro Kilo Frucht, während der weltweite Durchschnitt bei 460 Litern liegt. Der spanische Durchschnitt des Wasserverbrauchs pro Kilo Zitrusfrüchte hängt stark von den Bewässerungspraktiken, den Anbaumethoden und der Region ab und schwankt daher zwischen 200 und 400 Litern.9 

Bei Avocados liegt der weltweite Durchschnitt bei etwa 2.000 Litern pro Kilo und der spanische Durchschnitt bei nur 700 Litern pro Kilo. Den CrowdFarming-Landwirten ist es jedoch gelungen, den Wasserverbrauch für ihre Avocadokulturen durch den Einsatz nachhaltiger Anbaumethoden auf etwa 400 Liter pro Kilo zu senken, was weniger ist als der durchschnittliche Wasserbedarf für ein Kilo konventionell angebauter Äpfel (= 700 Liter). Man kann generell sagen, dass die weltweite Avocado-Produktion, auch in Spanien, eine sehr wasserintensive Kultur ist, was unbestreitbar problematisch ist.

Wir sollten daher nicht nur dem Beispiel der “Tropiterranean”-Landwirte folgen, die ihren Wasserverbrauch erheblich reduziert haben, sondern auch darüber nachdenken, unseren Gesamtverbrauch an Früchten wie der Avocado zu reduzieren und sie nicht unbedingt als täglichen Bestandteil unserer Ernährung zu betrachten. Müssen wir wirklich 365 Tage im Jahr Avocados zur Verfügung haben?  Allerdings kann man argumentieren, dass die Avocado ihren Wasserverbrauch in gewisser Hinsicht durch ihren Nährwert “kompensiert”. Im Vergleich zu anderen, weniger nahrhaften Früchten, ist die für die Kalorienzufuhr notwendige Menge reduziert. (In anderen Worten: Man wird mit einer Avocado eher satt als mit einem Apfel.)



  • Welcher Prozentsatz des insgesamt verbrauchten Wassers wird für die Bewässerung verwendet?

Wie viel Wasser in der Landwirtschaft verbraucht wird, hängt stark von der Niederschlagsmenge ab und kann daher von Jahr zu Jahr und von Land zu Land stark variieren. In der Europäischen Union ist die Landwirtschaft für etwa 24 % des Wasserverbrauchs verantwortlich 3, während weltweit etwa 70 % des gesamten verfügbaren Süßwassers auf die Landwirtschaft entfallen. In einem trockenen, heißen Land wie Spanien verbraucht die Landwirtschaft sogar 79 % der Wasserressourcen 10  . In Deutschland entfielen im Jahr 2019 weniger als 6,5 % des Süßwasserverbrauchs auf die Landwirtschaft, während der Industriesektor rund 80 % verbrauchte. 11 

Wir hoffen, dass wir hiermit deine Fragen zum Thema Wasserverbrauch unserer Landwirte weitgehend beantworten konnten. Wie du beim Lesen dieses Artikels vielleicht bemerkt hast,  handelt es sich um ein unglaublich komplexes Thema, für das es schwer ist, gültige Daten bereitzustellen, da so viele Faktoren eine Rolle spielen und jedes Jahr anders ist. 

Wenn du mehr über den Wasserverbrauch europäischer tropischer Kulturen erfahren möchtest, klicke hier.

Emmeline ist Kommunikationsexpertin, eine Berufung, die sie seit mehr als 8 Jahren in der Agrar- und Ernährungsbranche sowie im Bereich der erneuerbaren Energien verfolgt. Die frischgebackene Podcasterin ist Hobbyköchin, Klimawandel-Existenz-Verfechterin und liebt gute Diskussionen fast so sehr wie sie Hunde liebt.

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Kommentare

Comentarios

Hallo,
Vielen Dank für den Artikel. Könnt ihr bitte nochmal hervorheben, wie viel L Wasser Weizen pro Kg oder besser noch Kcal verbraucht? Ich kann die Info in Eurer Quelle nicht finden. Dass Weizen absolut das meiste Wasser verbraucht ist ja auch sicher der überdurchschnittlichen Produktionsmenge geschuldet. Die eigentlich nötige info geht meiner Ansicht nach aus Eurer Quelle nicht hervor, vielleicht findet sich hier ja auch ein präziseres Paper.
Danke!
Johannes

Hallo Johannes,

Gerne! Wie viel Liter Weizen pro Kilo benötigt wird lässt sich – wie auch die weiteren Punkte – schwer pauschal beantworten, da es auf die Wetterbedingungen und das Land ankommt. Bei waterfootprint.org heißt esz.B. “The global average water footprint of wheat is 1827 litre/kg.” Quelle: https://waterfootprint.org/en/resources/interactive-tools/product-gallery/
Hier noch 2 weitere Quellen:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/163215/umfrage/wasserverbrauch-fuer-getreide-und-fleisch/
https://www.nature.com/scitable/blog/eyes-on-environment/water_world/#:~:text=It%20takes%20about%201500%20litres,the%20same%20amount%20of%20beef.


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