1. Home
  2. /
  3. Landwirtschaft
  4. /
  5. Anbau tropischer Pflanzen in Europa

Anbau tropischer Pflanzen in Europa

„Tropiterranean“ ist die Vereinigung zweier Wörter: Tropic + Mediterranean (zu dt. tropisch + mediterran). Es ist eine Eigenschaft, die wir den tropischen Früchten geben, die an der Mittelmeerküste wachsen.

In Europa assoziieren die Verbraucher tropische Früchte oft mit exotischen, weit entfernten Gebieten, aber das ist nicht immer der Fall. Es gibt eine Ecke Südeuropas, in der der Mittelmeerraum zur tropischen Region wird.


Importierte tropische Früchte, auch wenn sie biologisch angebaut werden, legen viele Kilometer per Schiff oder Flugzeug zurück, um auf den Tisch eines europäischen Konsumenten zu gelangen. Diese Früchte werden Wochen vor dem Verzehr geerntet und in Kühlkammern transportiert, wodurch sie an organoleptischer Qualität verlieren und gleichzeitig ihren CO2-Fußabdruck vergrößern.


Darüber hinaus bietet die europäische Regelung für den ökologischen Landbau ein anerkanntes Qualitätssiegel für den europäischen Verbraucher und der Direktverkauf ermöglicht es den Landwirten, die “tropiterranean”-Früchte nach Bedarf zu ernten.


Aber es gibt noch eine andere wichtige Frage: die Nutzung der Wasserressourcen für diese Art von Anbau. Können wir diese Früchte wirklich auf nachhaltige Weise produzieren? Genau diese Fragen versuchen wir in unserem Dokumentarfilm zu beantworten. Gedreht wurde in Südspanien, wo wir uns mit Fachleuten auf dem Gebiet sowie mit einigen von unseren Bauern trafen.



Unser Dokumentarfilm

Zwei Männer im Laub von Avocadobäumen



Wasser ist für alle landwirtschaftlichen Aktivitäten eine unentbehrliche Ressource. Wir Menschen können beeinflussen, wie es verwendet wird, damit es im Laufe der Jahre weiterhin ein Gut bleibt, an dem keine Knappheit besteht. Zurzeit steht der Wasserverbrauch beim Anbau von Avocados und Mangos im Fokus.

Forschungszentren wie „La Mayora” in Málaga führen Projekte zur effizienten Nutzung von Bewässerungswasser in der Landwirtschaft durch, einer Ressource, die für die sozioökonomische Entwicklung Südeuropas von zentraler Bedeutung ist.


“Ich glaube nicht, dass es wegen des Anbaus subtropischer Früchte in Südspanien zu einer Wüstenbildung kommen wird; sollte es in Zukunft eine solche Wüstenbildung geben, wird dies auf den Klimawandel zurückzuführen sein, wobei es keine Rolle spielen wird, welche Art von Kulturen wir anbauen. Wir müssen uns diesem Klimawandel anpassen oder ihn bekämpfen, vorzugsweise beides zusammen.”


Iñaki Hormaza Urroz
OPI-Forschungsprofessor – Subtropischer und mediterraner Obstanbau


Die in Spanien zur Produktion eines Kilos Avocados benötigte Wassermenge beträgt durchschnittlich 700 Liter. Durch die technischen Fortschritte in der Bewässerung im letzten Jahrzehnt sowie eine sorgfältige Kontrolle des Pflanzenwachstums konnte dieser Wert in einigen Fincas auf unter 400 Liter pro Kilo Avocados gesenkt werden.


Diese Wassermenge mag hoch erscheinen. Allerdings ist die in Spanien zur Produktion von 1 Kilo Avocados benötigte Wassermenge geringer als die für den Anbau anderer Früchte. Äpfel brauchen zum Beispiel 822 Liter pro Kilogramm. Nektarinen brauchen 910 Liter pro Kilogramm und Getreide wie Mais können bis zu 1222 Liter pro Kilogramm benötigen, mehr als doppelt so viel wie Avocados. 


In Südspanien liegt der Wasserbedarf von Avocados weit unter dem weltweiten Durchschnitt von 1981 Litern pro Kilogramm.

Grafik eines Apfels, einer Aprikose und eines Maiskolbens mit einem Wassertropfen



María ist eine junge Landwirtin aus Málaga, die Bio-Mangos und Avocados anbaut. Heutzutage ist María eine der treibenden Kräfte der Tropiterranean-Bewegung. Eines der wichtigsten Anliegen Marías zur Ermöglichung einer tragfähigen Mangoproduktion ist das Wasser.


“Wir haben uns deshalb für ein autarkes und ökologisches Bewässerungssystem entschieden. In den Monaten, in denen es hier regnet, braucht die Pflanze das Wasser nicht wirklich. Wir haben uns deshalb dafür entschieden, das Regenwasser zu nutzen, das sonst ins Meer fließen würde. Wir haben dazu ein Kanalisierungssystem geschaffen und überall auf der Finca Leitungen verlegt, die das gesamte Wasser auffangen und in ein Becken umleiten. Aus den tiefer liegenden Zonen wird das Wasser mit einer Pumpe umgeleitet; es wird dann im Herbst, Winter und Frühling aufgefangen und im Sommer zur Bewässerung genutzt.


María Martínez Hijano – Finca los Pepones

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist tropiterranean-tweet-3.jpg



Jose Antonio ist ein weiterer junger Landwirt, der sein Universitätsstudium mit der Mitarbeit im Familienbetrieb verbindet. Diese neue Generation von Landwirten nutzt den Kanal sozialer Netzwerke, um die Zweifel der europäischen Verbraucher auszuräumen. Sie erhalten häufig Anfragen von Menschen, die sich Sorgen um den Wasserverbrauch machen und wissen wolln, ob das Klima in ihrer Region für den Anbau von Avocados geeignet ist.


“Die sich etwas zur Axarquía hinziehende Costa Tropical von Granada weist ein in Europa einzigartiges tropisches Mikroklima auf und ermöglicht den Anbau tropischer und subtropischer Kulturen, die sonst nur in Südamerika, in einigen asiatischen oder zentralafrikanischen Ländern oder in einigen Ländern vorkommen.”

José Antonio Fajardo – Hacienda Altos de Cantarriján



In diesem Teil Südspaniens, wo zwischen Meer und Bergen nur wenige Kilometer liegen, haben einige Landwirte Wasser im Überfluss. Damián verwendet zur Bewässerung seiner Felder auf der Finca La Reala Schmelzwasser aus dem Nationalpark der Sierra Nevada. Dieses Wasser wird vom Staudamm von Rules gespeichert und den Landwirten zur Bewässerung zugeteilt. Dieser Damm ist neu. Eine von der Regierung geschaffene Infrastruktur zur Förderung der Entwicklung des Anbaus tropischer Kulturen in der Gegend. Ihr Anbau ist wirtschaftlich tragfähig und schafft in den Monaten mit weniger Tourismus, der andere wichtige Wirtschaftszweig der Region, Arbeitsplätze.


Abschließend erinnert uns Iñaki Hormaza Urroz daran:



“Es ist sehr wichtig, dass der europäische Verbraucher das in Spanien hergestellte Produkt als lokales Produkt betrachtet. Wir haben verglichen mit aus Amerika oder Afrika kommenden tropischen Früchten einen minimalen CO2-Fußabdruck. Eine in Spanien produzierte tropische Frucht befindet sich sehr nahe am Verbraucher und erreicht ihn in wenigen Stunden. Wir haben einen geringeren CO2-Fußabdruck und können die Früchte zum optimalen Reifepunkt ernten. Dies hat auch die Sesshaftigkeit der ländlichen Bevölkerung ermöglicht. In den Dörfern von Málaga und Granada können die Menschen dank der Landwirtschaft an ihrem Herkunftsort leben und müssen nicht in die Großstädte ziehen.



Wir werden uns zunehmend der Auswirkungen unserer Konsumgewohnheiten bewusst. Unsere Kaufentscheidungen können Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten schaffen und über die Zukunft der europäischen Agrarlandschaft entscheiden.

Vidal ist Biologe und "Farmer Hunter" bei CrowdFarming, was unter anderem bedeutet, dass er als Berater für Landwirte tätig ist und Betriebe und Produkte analysiert. Er ist der Initiator der Tropiterranean-Bewegung und hat eine große Leidenschaft für die Landwirtschaft. Sein Traum ist es, eines Tages selbst ein tropischer Landwirt zu werden.

Höre dir unseren Podcast an

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

What The Field?! Folge 11: Heura und der Aufstieg des Flexitarismus

Bernat Añaños Martinez ist Chief Social Movement Office und Mitbegründer von Heura Foods, einem Unternehmen, das pflanzliche Fleischprodukte mit mediterranem Anstrich herstellt.  Die Motivation, die ihn und die Mitarbeiter von...

04 Oktober 2022

Wir sind kein konsumentenorientiertes Unternehmen

Das Schlimmste, was man seinen Kollegen, Investoren oder Kunden sagen kann, wenn man ein Unternehmen leitet, ist, dass man nicht  konsumentenorientiert ist. Unternehmen (insbesondere solche, die online verkaufen) sind davon...

08 September 2022

Waldbrände in Europa

Als europäische Bauern oder als Menschen, die eng mit den Landwirten zusammenarbeiten, können wir die Tatsache nicht ignorieren, dass unser Kontinent buchstäblich in Flammen aufgeht. Portugal, Spanien, Frankreich und Griechenland...

12 August 2022

This site is registered on wpml.org as a development site.